Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die Zulassung des Corona-Impfstoffes des US-Herstellers Johnson & Johnson in der EU empfohlen. Das teilte die EMA am Donnerstag in Amsterdam mit. Die endgültige Entscheidung über die bedingte Marktzulassung muss nun die EU-Kommission treffen - das gilt als Formsache und kann ebenfalls am Donnerstag geschehen.
Die EU-Kommission hatte bereits Impfdosen für 200 Millionen Menschen bestellt. Davon würde Deutschland 36,7 Millionen erhalten. Allerdings gibt es Befürchtungen, dass das Unternehmen nicht rechtzeitig liefern könne. Der Hersteller sicherte zu, dass er sich an die Absprachen halten und ab April liefern werde. In der EU sind bisher die Impfstoffe der Hersteller Pfizer/Biontech, Moderna und AstraZeneca zugelassen.
Vor rund zwei Wochen war das Präparat, das von der Johnson-Tochter Janssen in den Niederlanden entwickelt worden war, bereits in den USA zugelassen worden. Es hat gegenüber den bisherigen Impfstoffen große Vorteile: So muss es nur einmal gespritzt werden. Das Vakzin kann bei Kühlschranktemperatur gelagert werden.
Die Wirksamkeit liegt nach Angaben der EMA bei etwa 67 Prozent. Bei einer schweren Covid-19-Erkrankung lag der Schutz in den Studien bei mehr als 85 Prozent – und das gilt auch für Ältere. Das Vakzin, das bereits vor rund zwei Wochen in den USA zugelassen worden war, soll auch gegen Virus-Varianten effektiv sein.
Die Experten der EMA hatten die Forschungs- und Test-Daten bereits seit Wochen nach einem schnelleren Verfahren bewertet. Es sei gründlich und nach höchsten Sicherheitsstandards geprüft worden, erklärte die EMA. Bei einer bedingten Zulassung ist der Hersteller verpflichtet, auch danach noch Daten etwa zur Langzeitwirkung an die EMA zu übermitteln. Auch Angaben zu möglichen Nebenwirkungen werden weiterhin geprüft.
Die Impfstoff der Johnson & Johnson-Tochter Janssen wäre der vierte europaweit zulässige Impfstoff gegen Corona. Bei den bereits genutzten Präparaten von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca sind je zwei Impfungen vorgesehen. Die EMA empfiehlt für das Janssen-Präparat sowie für die anderen Impfstoffe eine bedingte Zulassung. Dafür sind weniger umfangreiche Daten als normalerweise nötig. Diese müssen laut EMA aber zumindest zeigen, dass der Nutzen des Arzneimittels seine Risiken überwiegt.

Wann wird der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson geliefert?

„Mit dieser jüngsten positiven Stellungnahme werden die Behörden in der gesamten Europäischen Union eine weitere Option haben, die Pandemie zu bekämpfen und das Leben und die Gesundheit ihrer Bürger zu schützen“, erklärte EMA-Direktorin Emer Cooke. Allerdings wird dem CDU-Gesundheitsexperten Peter Liese zufolge Johnson & Johnson nicht sofort liefern. Vielmehr werde es „eine Zeit lang dauern, bis es mit der Lieferung losgeht“, teilte der Arzt und Europaabgeordnete am Donnerstag mit. Von den 200 Millionen Dosen für die EU sollten Liese zufolge laut Vertrag 55 Millionen Dosen eigentlich bis zum 1. Juli ausgeliefert werden.
Der Impfstoff von Johnson & Johnson basiert wie der von Astrazeneca auf der sogenannten Vektortechnologie, während die von Biontech/Pfizer und Moderna mRNA-Impfstoffe sind. Bei der Vektortechnologie besteht der Impfstoff aus einem anderen, unschädlichen Virus. Es ist so verändert worden, dass es ein Gen zur Herstellung eines bestimmten Proteins des Coronavirus enthält. Das Immunsystem des Geimpften erzeugt dann natürliche Abwehrkräfte gegen dieses Protein. So ist der Körper vorbereitet, wenn sich die Person mit dem Coronavirus anstecken sollte.