• Friseure dürfen ab dem 1. März wieder öffnen.
  • Weitere Öffnungen gibt es erst bei einer stabiler 7-Tages-Inzidenz unter 35.
Für die Öffnung der Schulen nach der weitgehenden Schließung im Corona-Lockdown wird es keine bundesweit einheitliche Regelung geben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderregierungschefs vereinbarten beim Corona-Gipfel am Mittwoch, 10.02.2021 vielmehr, dass darüber die Länder im Rahmen ihrer Kultushoheit selbst entscheiden.

Baden-Württemberg öffnet Schulen und Kitas ab 22. Februar

Etliche Bundesländer wollen die wegen geschlossenen Schulen in den kommenden Wochen schrittweise öffnen. Berlin plane diesen Schritt für den 22. Februar, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Mittwoch. Auch andere Bundesländer, darunter Baden-Württemberg, orientierten sich an diesem Termin, fügte der aktuelle Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) hinzu.
Müller beschrieb die Öffnung von Schulen und Kitas, über die die Länder eigenständig entscheiden sollen, als schwierigen Abwägungsprozess zwischen Gesundheitsschutz einerseits sowie den sozialen Folgen weiter geschlossener Einrichtungen andererseits. Es gehe nicht um eine Öffnung auf einen Schlag, sondern um „ein schrittweises Hochfahren des Präsenzbetriebes an den Grundschulen“ mit Wechselunterricht, Hygieneregeln und auch neuen Testmöglichkeiten für Lehrer und Kinder. Letztere böten „mehr Sicherheit“, so dass die Länder diesen Weg „guten Gewissens“ gehen könnten.
„Schule kann man nicht außen vor lassen beim Infektionsgeschehen“, so Müller. Aber Wissenschaftler sagten auch: „Es gibt keine besonderen Auffälligkeiten bei den Kindern, schon gar nicht bei den ganz jungen.“

Merkel hätte sich Öffnung der Schulen erst später gewünscht

Bundeskanzlerin Merkel hätte sich nach eigener Aussage eine Öffnung von Schulen und Kitas um den 1. März herum gewünscht. Das sagte sie nach Beratungen mit den Bundesländern über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Dabei war festgehalten worden, dass die Länder eigenständig über mögliche Öffnungen der Einrichtungen entscheiden. Sie habe bestimmte eigene Vorstellungen gehabt, sagte Merkel, aber im Föderalismus gebe es tief verankerte Länderzuständigkeiten und das seien Schule und Kita. „Und da ist es ganz einfach nicht möglich, dass ich als Bundeskanzlerin mich so durchsetzen kann, als hätte ich da ein Vetorecht.“ Deshalb habe man gesagt, die Kultushoheit zähle und die Länder würden das in eigener Verantwortung entscheiden.

Haben Schulschließungen negative Folgen für Schüler?

Nach Ansicht von Experten könnten die wochenlangen Schulschließungen für viele Schüler weitreichende negative Folgen haben. Sie führten nicht nur zu Leistungsverlusten, sondern gerade für Kinder „aus bildungsfernen Schichten“ sei Schule oft einer der wichtigsten sozialen und emotionalen Bezugspunkte, sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher der Deutschen Presse-Agentur. Für diese Schüler und kleine Kinder, für die digitales Lernen keine Alternative sei, wüchsen die Risiken „überproportional zur Länge des Lockdowns“.
Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, warnte vor „massiv verschlechterten Zukunftschancen“. Bei den betroffenen Schülern wachse die Gefahr, keinen Schulabschluss oder zumindest den angestrebten Abschluss nicht mehr zu erreichen. Die Bundesschülerkonferenz verwies auf andere Folgen: Ständig allein zu Hause zu sitzen, sei psychisch zermürbend, sagte Generalsekretär Dario Schramm dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag).

Leitfaden: Schulbetrieb unter strengen Regeln sicher möglich

Schulen können einem vom Bundesbildungsministerium geförderten Leitfaden zufolge auch in Zeiten der Corona-Pandemie sicher geöffnet werden. Voraussetzung sei allerdings, dass alle im Leitfaden genannten Hygieneregeln streng befolgt würden, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Montag), der die Handlungsempfehlungen vorab vorlagen. Das Papier zur Prävention und Kontrolle von Corona-Übertragungen in Schulen wurde am Montag von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) in Berlin vorgestellt.
  • Wie die Zeitung schreibt, sollen Kontakte bei einem mäßigen Infektionsgeschehen auf eine festgelegte Gruppe beschränkt sein, die Interaktion mit weiteren Gruppen soll ausgeschlossen bleiben.
  • Bei einem hohen Infektionsgeschehen soll der Unterricht zudem gestaffelt beginnen.
  • Schüler und Lehrer sollen eine OP-Maske tragen.
  • Ist das Infektionsgeschehen sehr hoch, soll Wechselunterricht stattfinden, die Klassen sollen halbiert werden.
  • Zudem gibt es Empfehlungen zum Lüften von Räumen, Maßnahmen im Musikunterricht sowie einen klaren Umgang mit erkälteten Schülern und Verdachtsfällen.
  • Sportunterricht wird demnach befürwortet, weil die positiven gesundheitlichen Wirkungen zumindest unter bestimmten Voraussetzungen überwiegen.
Der Leitfaden wurde unter Mitwirkung von 36 Fachgesellschaften erarbeitet und vom Bildungsministerium gefördert. 40 Studien wurden demnach ausgewertet. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Eva Rehfuess, Leiterin des Lehrstuhls für Public Health der LMU München.
Eltern von Schülerinnen und Schülern sowie Kita-Kindern protestieren für eine baldige Öffnung von Schulen und Kitas. Sie hoffen, dass beim Corona-Gipfel am 10.2 Lockerungen beschlossen werden.
Eltern von Schülerinnen und Schülern sowie Kita-Kindern protestieren für eine baldige Öffnung von Schulen und Kitas. Sie hoffen, dass beim Corona-Gipfel am 10.2 Lockerungen beschlossen werden.
© Foto: Christoph Soeder/DPA

Schulen im Lockdown: Schulpsychologen in Baden-Württemberg schlagen Alarm

Baden-Württembergs Schulpsychologen dringen darauf, bei Lockerungen der Corona-Maßnahmen zuerst an Schulöffnungen zu denken. Kinder brauchten Schulen nicht nur als Lernort, sondern auch für soziale Begegnungen und ihre psychische Entwicklung, teilte der Landesverband Schulpsychologie Baden-Württemberg der Deutschen Presse-Agentur mit.
Schüler wenden sich in der Pandemie verstärkt wegen Problemen beim Fernlernen an die Schulpsychologen. Es gehe etwa um fehlende Motivation und Konzentration sowie Schwierigkeiten bei der Selbstorganisation.