Inzwischen gilt in ganz Deutschland eine Maskenpflicht. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt oder sich in einem Geschäft befindet, muss einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Doch nicht jeder kann – etwa aus gesundheitlichen Gründen – den Mund und die Nase verdecken. Wir sagen euch, wer in Baden-Württemberg und Bayern von der Maskenpflicht befreit ist.

Wer ist von der Corona-Maskenpflicht ausgenommen?

Nicht jeder braucht einen Mundschutz zu tragen: Für manche Menschen wäre es nämlich unzumutbar. Wie das Land Baden-Württemberg mitteilt gilt es dafür, sofern dies nicht offensichtlich ist, einen Nachweis zu haben, etwa eine ärztliche Bestätigung. Ausgenommen von der Maskenpflicht bleiben

  • Menschen, für die das Tragen einer Maske wegen einer Behinderung nicht möglich ist
  • alle, die aus medizinischen Gründen – etwa wegen Asthma – Mund und Nase nicht bedecken können
  • Schwerhörige oder gehörlose Menschen und ihre Begleitpersonen. Das gilt in dieser Weise jedoch nicht in Bayern.
  • Kassiererinnen, die hinter einer Plexiglasscheibe arbeiten. Eine solche Regelung hat Bayern bislang nicht eingeführt.

Darum sollten Gehörlose keinen Mundschutz tragen müssen

Die Maskenpflicht trifft gehörlose Menschen in besonderer Weise. Denn wenn der Mund und damit die Lippenbewegungen verdeckt sind, wird die Kommunikation zusätzlich erschwert. Das finden der Paritätische Baden-Württemberg und der Landesverband der Gehörlosen Baden-Württemberg e.V.. Dessen Vorstandsvorsitzender, Wolfgang Reiner, erklärt in einer Pressemitteilung, dass Gehörlosen in der Kommunikation mit „hörenden Menschen oft kaum eine andere Möglichkeit als das Lippenablesen“ bleibt. Auch wenn dadurch nur rund 30 Prozent der gesprochenen Worte erkannt werden könnten. „Diese für gehörlose Menschen ohnehin schon unzureichende Kommunikation wird durch das Tragen einer Schutzmaske nun noch komplizierter“, sagt Reiner.

Spanier produzieren transparente Corona-Masken für Gehörlose

In Spanien haben Freiwillige darum transparente Masken für gehörlose Menschen produziert. Durch einen durchsichtigen Kunststoff sollen so Lippenbewegungen sichtbar sein. Der Deutsche Gehörlosen-Bund sieht darin jedoch keine praktikable Lösung. Denn Masken mit Sichtfenster hätten den Nachteil, dass die Fenster durch die Atemluft schnell beschlagen. Dann sei der Mund ohnehin schlecht zu sehen.

Schwerhörige oder gehörlose Menschen und ihre Begleitpersonen, die auf das Mundbild oder eine besonders deutliche Aussprache angewiesen sind, dürfen unverhüllt bleiben. Das schreibt das Land Baden-Württemberg auf seiner Internetseite. In Bayern hingegen werden gehörlose und schwerhörige Menschen nicht grundsätzlich von der Maskenpflicht befreit. Jedoch gilt nach Angaben des Bayerischen Gesundheitsministeriums, dass das Abnehmen der Mund-Nasen-Bedeckung zulässig ist, solange es erforderlich ist zur Kommunikation mit Menschen mit Hörbehinderung.

Bei Asthma besteht keine Maskenpflicht

Wer an einer Herz- oder Lungenerkrankungen leidet, kann unter Umständen durch das Tragen einer Maske zusätzliche Probleme beim Atmen bekommen. Zu einer solchen Erkrankung zählt auch Asthma. Für Asthmatiker könnte das Tragen einer Maske aus medizinischen Gründen unzumutbar sein. In Bayern gilt hierbei, dass das Tragen einer Alltags-Maske ausnahmsweise nicht erfolgen muss, wenn es aus ärztlicher Sicht, beispielsweise aufgrund dadurch entstehender Atemnot, im Einzelfall unzumutbar ist. Das schreibt das bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Ein Attest vom Arzt, das eine solche Unzumutbarkeit bestätigt, sei im Fall einer Kontrolle sicherlich hilfreich.

Kann der Arzt einen von der Maskenpflicht befreien?

Wenn es für jemanden aus gesundheitlichen Gründen unzumutbar ist, ein Maske zu tragen, gibt es also eine Ausnahme von der Maskenpflicht. Wie die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg mitteilt, kann der Arzt einen zwar nicht pauschal von der Pflicht befreien. Das hat schlicht bürokratische Gründe, weil die Maskenpflicht eine Rechtsverordnung ist. Allerdings kann der Arzt einem Patient per Attest bescheinigen, „dass ihm aus medizinischen Gründen das Tragen einer Maske im Sinne der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg unzumutbar ist.“

Unklar ist, ob auf dem Attest die genaue Erkrankung angegeben werden muss. Das wurde von der Landesregierung bisher nicht konkret genannt. Wenn der Patient es ausdrücklich verlangt, könne es aber notiert werden.

Das Attest muss der Patient selbst bezahlen

Kai Sonntag, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Kassenärztlichen Vereinigung, weißt aber auf etwas hin: „So eine Bescheinigung muss man selbst bezahlen. Das ist keine kassenärztliche Leistung.“ Den genauen Betrag nennt der Pressesprecher nicht. „Es handelt sich aber nur um ein paar wenige Euros“, sagt er. Die Ärzte würden den Preis nach einer Gebührenordnung berechnen.

Befreiung von der Maskenpflicht bei Kleinkindern

Während sowohl in Baden-Württemberg als auch in Bayern Kinder ab 6 Jahren einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, sind Kleinkinder davon ausgenommen. Die einzelnen Bundesländer haben jedoch unterschiedliche Altersgrenzen festgelegt, so gilt etwa in Sachsen, dass bereits kleine Kinder – sofern sie zum Tragen einer Maske in der Lage sind – eine tragen sollen. In Sachsen-Anhalt müssen bereits Zweijährige einen Mundschutz anziehen.

Mundschutz im Beruf: Das gilt für Verkäufer und Co.

Im Einzelhandel und besonders im Umgang mit Kunden gilt eine Maskenpflicht. Die kann in Baden-Württemberg allerdings wegfallen, wenn ein anderweitiger mindestens gleichwertiger baulicher Schutz besteht, wie zum Beispiel Plexiglas als Trennvorrichtung. Die Maskenpflicht gilt also auch nicht für Kassiererinnen, die hinter einer Plexiglasscheibe arbeiten. Eine vergleichbare Regelung gibt es in Bayern derzeit nicht.