Die Entwicklung der Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland gibt dem Lagebericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge Anlass zur Hoffnung darauf, dass sich das Infektionsgeschehen stabilisiere. „Der seit Mitte Juli beobachtete Zuwachs in den übermittelten Fallzahlen hat sich in der letzten Woche stabilisiert“, heißt es im Situationsbericht des RKI vom Samstagabend.
Einen Hinweis auf die Entwicklung der Lage liefern auch die ans RKI gemeldeten Fälle binnen einer Woche. Diese Zahl lag am Sonntag bei 7352 (Datenstand 6.9., 0 Uhr) und damit leicht über der vom Vortag (7196). Vor einer Woche (30.8.) lag der Wert noch bei 7905. Am Sonntag davor (23.8.) hatte er sogar bei 8528, vor einem Monat (9.8.) noch bei 5271 gelegen.

Corona in Deutschland: Höheres Infektionsgeschehen auch in Bayern und Baden-Württemberg

Die Zunahme beim Infektionsgeschehen in den letzten Wochen war vor allem in westlichen Bundesländern zu beobachten. „Besonders Baden-Württemberg, Berlin, Bayern, Bremen und Hamburg befinden sich auf einem zum Teil deutlich höheren Niveau als der Gesamtdurchschnitt“, so das RKI. „Auch wenn die Fallzahlen weiter abnehmen, muss die Lage weiterhin sorgfältig beobachtet werden.“
Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus Infizierten in Baden-Württemberg war am Freitag auf mindestens 43.251 gestiegen. Das waren 333 Menschen mehr als am Vortag, wie aus Zahlen des Landesgesundheitsamtes vom Freitag (Stand: 4. September 2020, 16 Uhr) hervorgeht. Als genesen galten demnach 37.202 Menschen - 208 mehr als am Vortag. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus liegt weiter bei 1864.
Der sogenannte Sieben-Tage-R-Wert wurde wie am Vortag mit 0,89 angegeben. Er zeigt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt.

Corona in Deutschland: Zahl der Tests steigt deutlich

Zumindest ein Teil des Fallzahlen-Anstiegs war auf einen deutlichen Anstieg bei der Zahl der Tests zurückzuführen gewesen. In der Woche vom 24. bis 30. August wurden nach RKI-Angaben vom Mittwoch gut 1,1 Millionen Tests gezählt - noch einmal knapp 50.000 mehr als in der Vorwoche. In der Woche vom 22. bis 28. Juni waren es noch weniger als eine halbe Million Tests, seither ist ihre Zahl stetig gestiegen. Der Anteil positiver Testergebnisse sank in den vergangenen vier Wochen auf 0,74 Prozent. Das RKI betont, dass die Zahl der Tests nicht der Zahl der Getesteten entspricht, da die Daten Mehrfachtestungen von Menschen enthalten können.

Corona in Deutschland: Infizierte, Tote und Genesene

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 249.985 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 6.9., 0.00 Uhr). Am Sonntag waren 988 Fälle mehr gemeldet worden.
Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9325. Seit dem Vortag wurde ein Todesfall mehr gemeldet. Bis Sonntagmorgen hatten etwa 223.700 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Patientenschützer für zweite Überprüfung bei positivem Corona-Test

In der Debatte um zielgenauere Maßnahmen gegen das Coronavirus schlagen Patientenschützer weitere Vorkehrungen bei Tests vor. „Ohne Zweifel sind die derzeit 1,1 Million Corona-Tests pro Woche richtig und wichtig“, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. So hätten zuletzt rund 8000 positive Ergebnisse nachgewiesen werden können, was es ermögliche, örtliche Infektionsgeschehen rasch zu erkennen und Maßnahmen einzuleiten. „Jetzt gilt es, falsch positive Tests möglichst auszuschließen.“ Deshalb sollte eine zweite Überprüfung der Probe verbindlich werden.
„So gelingt es, unnötige Quarantäneanordnungen zu verhindern und die Akzeptanz notwendiger Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung zu erhöhen“, sagte Brysch. Zudem nehme es Kritikern den Wind aus den Segeln, die behaupteten, erst die Millionen Tests würden falsch-positive Ergebnisse produzieren. Falsch-positiv bedeutet, dass man ein positives Testergebnis bekommt, obwohl keine Infektion vorliegt. Laut Robert Koch-Institut (RKI) kommen solche Befunde wegen der Eigenschaften der PCR-Tests und hoher Qualitätsanforderungen nach derzeitigen Erkenntnissen nur selten vor.