Am Montag noch meldete das Landesgesundheitsamt einen relativ niedrigen Anteil der Delta-Variante am Infektionsgeschehen in Baden-Württemberg. Dennoch geht die Behörde davon aus, dass die sich als ansteckender geltende Variante auch im Südwesten durchsetzen wird.

Delta-Anteil in Baden-Württemberg

Der nachgewiesene Delta-Anteil an allen Neuinfektionen der vergangenen 14 Tage betrug (Stand 05.07.) 14,35 Prozent. Bei weiteren 8,51 Prozent der Fälle wird angenommen, dass sie ebenfalls von der Delta-Variante ausgelöst wurden.
Dennoch liegt der R-Wert auch am Mittwoch noch bei 0,8. Dieser Wert gibt an, wie viele Personen ein Infizierter ansteckt. Liegt er unter der Marke von 1, sinken die Infektionszahlen. Deutschlandweit beträgt der R-Wert nach Angaben des RKI am Donnerstag (08.07.) 1,09.

LGA: Delta-Variante wird sich durchsetzen

Das Landesgesundheitsamt (LGA) in BW aber rechnet damit, dass sich die Delta-Variante des Coronavirus auch im Südwesten in den kommenden Wochen durchsetzen wird. Der Anteil dieser zuerst in Indien entdeckten Variante wird laut LGA mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter zunehmen und die noch vorherrschende Alpha-Variante verdrängen, wie eine Sprecherin der Behörde in Stuttgart mitteilte.

Inzidenz in Baden-Württemberg weiter niedrig

Die Sieben-Tage-Inzidenz für die Ansteckung mit dem Coronavirus bleibt aktuell jedoch auf niedrigem Niveau. Sie lag in Baden-Württemberg am Mittwoch im Vergleich zum Vortag unverändert bei 5,2, wie das Landesgesundheitsamt mitteilte.
So sehen die Corona-Zahlen für Baden-Württemberg aus (Stand 07.07.):
  • 7-Tage-Inzidenz: 5,2
  • Neuinfektionen: 122
  • Neue Todesfälle: 6
  • Bestätigte Infektionsfälle: 501.512
  • Todesfälle: 10.292
Vollständig geimpft sind in Baden-Württemberg nach Daten des Robert Koch-Instituts bislang 39,4 Prozent der Bevölkerung. 56,3 Prozent der Menschen haben mindestens eine Impfung erhalten.

Sozialministerium fordert Aufhebung der strengen Quarantäne-Regeln

Das Sozialministerium Baden-Württemberg fordert vom Bund eine Aufhebung der strengen Regelungen für vollständig geimpfte Delta-Kontaktpersonen. Darauf drängt es in einem Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium in Berlin, das der „Heilbronner Stimme“ (Donnerstag) vorliegt. Viele Bürger sähen die geltende Regelung als unverhältnismäßigen Eingriff in ihre Freiheitsrechte, heißt es darin.
„Uns erreichen aktuell zahlreiche Bürgeranfragen und Beschwerdebriefe, die sich mit dieser Thematik befassen“, so das Ministerium. Die Forderung aus Stuttgart: Die Absonderungspflicht auf solche Varianten beschränken, bei denen „nach Stand der Wissenschaft keine oder eine sehr geringe Wirksamkeit der bestehenden Impfstoffe besteht“. Das Ministerium bestätigte den Bericht.

Diese Regeln gelten aktuell für Quarantäne bei einer Delta-Kontaktperson

Nach der Schutzmaßnahmen-Ausnahmeverordnung gilt aktuell: Wer als enge Kontaktperson einer positiv auf die Delta-Variante getesteten Person eingestuft wird, wird vom Gesundheitsamt 14 Tage in Quarantäne geschickt – und zwar auch dann, wenn er über den vollen Impfschutz verfügt.

Kretschmann warnt vor Delta und ruft zu Impfung auf

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat das Erreichen der Herdenimmunität infrage gestellt. Aufgrund der Delta-Variante und der Tatsache, dass auch Geimpfte sich infizieren und wohl auch in geringerem Maße Infektionen weitertragen könnten, sei es fraglich, „ob wir überhaupt noch Herdenimmunität erreichen“, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag in Stuttgart. Die Delta-Variante sei erheblich ansteckender als andere Varianten des Coronavirus.
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann ruft angesichts der Verbreitung der Delta-Variante zum Impfen auf. (Archivbild)
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann ruft angesichts der Verbreitung der Delta-Variante zum Impfen auf. (Archivbild)
© Foto: Marijan Murat/DPA
Es sei deshalb wichtig, dass sich alle impfen lassen. „Sonst können wir die Pandemie gar nicht mehr beenden“, sagte Kretschmann. „Impfen ist das einzige Mittel, das wir haben, um die Pandemie in die Knie zu zwingen.“

Johnson&Johnson: Eine Corona-Impfung schützt vor der Delta-Variante

Eine einzelne Impfung mit diesem Impfstoff ist ausreichend für einen vollen Impfschutz. Die damit geimpften Personen gelten daher bereits rund zwei Wochen nach der einmaligen Impfdosis als vollständig geimpft. Manne Lucha, der Minister für Soziales, Gesundheit und Integration, sagte am Donnerstag (24. Juni): „Die große Stärke des Impfstoffs von Johnson & Johnson ist, dass er bereits zwei Wochen nach der einmaligen Impfung vollen Impfschutz bietet.“

Söder: Impfen von Jugendlichen verspricht mehr Chancen als Risiken

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat den vorsichtigen Kurs der Ständigen Impfkommission in Bezug auf Corona-Schutzimpfungen für Kinder und Jugendliche kritisiert. Das Impfen von Schülerinnen und Schülern sei mit Blick auf das Ansteigen der ansteckenderen und gefährlicheren Deltavariante des Coronavirus von großer Bedeutung, sagte Söder am Freitag in Wunsiedel, etwa für einen geordneten Schulbeginn nach den Sommerferien.
Kinder- und Jugendärzte würden die Impfung empfehlen. Sie sei auf europäischer Ebene durch die zuständigen EU-Behörden zugelassen. In den Schulen sei Abstandhalten schwierig und die Zahl der Geimpften am geringsten, sagte Söder. Das mache ihm Sorgen. „Je später wir impfen, deste größer ist die Unsicherheit für die Schülerinnen und Schüler“, sagte Söder. Er sprach von „vertaner Zeit“.

Stiko empfiehlt Impfungen für Kinder bisher nur bei bestimmten Vorerkrankungen

Die Ständige Impfkommission habe bereits mehrfach Empfehlungen gegeben, die sie später habe revidieren müssen. Söder vertrat den Standpunkt: Jede Impfung verspreche deutlich höhere Chancen als Risiken. Die Stiko hat bisher keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ausgesprochen. Sie empfiehlt die Corona-Impfung in der Altersgruppe bisher nur bei bestimmten Vorerkrankungen.