Bundesliga Zuschauer Corona: Spiele finden bis Ende Oktober ohne Fans statt – Neue Probleme drohen

Bundesliga-Fußball wird bis mindestens Ende Oktober vor leeren Rängen gespielt.
dpaMarkus Söder schaute ernst, dann verkündete der CSU-Chef die schlechten Nachrichten für die Fußball-Bundesliga und den deutschen Spitzensport. Wegen der angespannten Pandemie-Lage in Deutschland wird es vor November keine größere Fan-Rückkehr in die Stadien und Hallen geben. Söders Zusatz, eine Teil-Zulassung sei vielleicht „vor Weihnachten“ möglich, dürfte nur ein schwacher Trost sein. Zumal ab dem 1. Oktober schärfere Corona-Regeln für Reiserückkehrer aus Risikogebieten gelten, was vor allem den Profi-Fußball vor neue Probleme stellen könnte.
Fans im Stadion zum Bundesliga-Start: Söder befürchtet „falsches Signal“
„Corona ist wieder voll da in Deutschland, deswegen müssen wir uns dieser Situation stellen“, sagte der bayerische Ministerpräsident nach dem mehr als fünfstündigen Polit-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Länderchefs am Donnerstag in Berlin. Es sei daher „nicht sinnvoll“, die Bundesliga-Saison 2020/21 Mitte September mit Zuschauern zu starten. „Es wäre mit einer steigenden Infektionszahl ein falsches Signal“, betonte Söder.
Bei der Videokonferenz einigte sich die Runde daher darauf, dass eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien in den kommenden beiden Monaten einen Vorschlag für den Umgang mit Fans bei bundesweiten Sportveranstaltungen erarbeiten soll.
Vor Weihnachten könnten vielleicht wieder Zuschauer in die Arenen
Söder stellte zumindest in Aussicht, dass durch die Arbeitsgruppe „kleine, schrittweise Möglichkeiten“ vereinbart werden könnten, eben vor Weihnachten. „Da gibt es schon eine Perspektive, allerdings nicht, dass die Stadien alle wieder voll werden.“ In erster Linie müsse man die Entwicklung der Infektionszahlen im Blick behalten. „Da muss schon ein Stück auf Sicht fahren“, so Söder.
Generell sollen Großveranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen nicht möglich ist, sogar mindestens bis Ende Dezember 2020 nicht stattfinden. Der Profifußball ist davon jedoch nicht betroffen, da er sowohl ein schlüssiges Hygienekonzept erarbeitet hat als auch eine Kontaktverfolgung, beispielsweise über personalisierte Tickets gewährleisten kann. Die Einsetzung der Arbeitsgruppe bremst die Branche bei der angestrebten Teilzulassung von Zuschauern aber vorerst aus.
Viele deutsche Sport-Ligen sind von Zuschauer-Einnahmen abhängig
Die Einschränkungen treffen neben den Fußballclubs von der Bundesliga bis zur Regionalliga aber auch die Spitzenvereine im Handball, Basketball und Eishockey sowie weitere stark von Zuschauer-Einnahmen abhängige Sportarten empfindlich. Die Bundesligasaison im Handball soll am 1. Oktober beginnen, die Basketballer und die Kufen-Cracks in der Deutschen Eishockey-Liga wollen im November in die Spielzeit 2020/21 starten – jeweils mit Zuschauern.
Inwieweit schon vor dem 31. Oktober zumindest einige Hundert Fans zugelassen werden, blieb zunächst offen. Die Beschränkungen für Teilnehmer an solchen Veranstaltungen unterscheiden sich derzeit in den Bundesländern stark.
Neuer Corona-Beschluss könnte massive Auswirkungen auf Spielbetrieb haben
Dem Profifußball droht aber ein weiteres Problem von möglicherweise noch viel größerer Tragweite. Ab dem 1. Oktober sollen Reiserückkehrer aus Risikogebieten eine Corona-Quarantäne frühestens durch einen Test ab dem fünften Tag nach der Einreise in Deutschland beenden können. Das könnte massive Auswirkungen auf den Spielbetrieb in der Bundesliga und 2. Bundesliga haben, denn die Vereine stellen zahlreiche in- und ausländische Nationalspieler für die internationalen Partien ab.
Nach derzeitigem Stand wäre auch die DFB-Auswahl davon betroffen, die am 10. Oktober in der Ukraine spielt. Die Ukraine gehört zu einer Vielzahl von Ländern, die vom Robert Koch-Institut derzeit als Risikogebiet eingestuft worden sind. Im weiteren Saisonverlauf könnten auch Spiele in der Champions League und Europa League in Risikogebieten stattfinden, was dann Auswirkungen auf die Bundesligavereine hätte.
Horst Seehofer spricht sich für Teilzulassung von Fans aus
Die Hoffnungen der Branche auf ein Stück Normalität erfüllen sich damit zunächst nicht, obwohl es durchaus prominente Unterstützung für die Pläne einer Fan-Rückkehr gibt: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich bereits vor dem Corona-Gipfel dafür eingesetzt, dass bald wieder Fans in begrenzter Zahl in Fußballstadien ihre Mannschaft anfeuern dürfen. „Die Bevölkerung versteht es nicht, wenn im Nahverkehr viele Menschen auf engem Raum unterwegs sein dürfen, aber ein Fußballspiel mit wenigen Zuschauern und großen Abständen nicht möglich sein soll“, sagte der auch für Sport zuständige Minister der „Augsburger Allgemeinen“.
Auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) hatte sich für die Rückkehr einer begrenzten Anzahl von Zuschauern in Fußball-Stadien ausgesprochen – mit personalisierten Tickets. „Wir müssen uns auf ein Leben mit dem Virus einstellen - und Fußball gehört zum Leben“, sagte Strobl am Donnerstag. „Natürlich kann man ein Fußballstadion in der Corona-Zeit nicht voll besetzen. Aber wenn normalerweise 50.000 reinpassen, können zum Beispiel 5000 an der frischen Luft einen sehr guten Abstand halten.“
Man müsse natürlich „dann wissen, wer im Stadion ist, um im Fall der Fälle Infektionsketten brechen zu können“, sagte der 60-Jährige. „Deshalb helfen personalisierte Tickets, mehr Normalität im Stadion unter Corona zu schaffen. Wir brauchen eine Regelorganisation unter Viruslast - auch im Sport. Dabei gilt: Nichts ist unmöglich. Personalisierte Tickets sind freilich zwingend.“
Corona-Zahlen in Deutschland: Tote, Genesene, Infizierte
- So viele Infizierte gibt es in Deutschland: Seit Beginn der Corona-Krise haben sich RKI-Angaben zufolge mindestens 237.936 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand Donnerstag, 27.8.2020, 0 Uhr). Die in den USA ansässige Johns-Hopkins-Universität meldete 239.010 Infizierte.
- Corona-Tote in Deutschland: Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9285. Seit dem Vortag wurden fünf Todesfälle mehr gemeldet. Die JHU zählte ebenfalls 9285 Tote.
- So viele Genesene gibt es: Bis Donnerstagmorgen hatten etwa 211.900 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.


