Badeunfälle in Ulm und Neu-Ulm
: Immer mehr Menschen drohen zu ertrinken – Wie jeder helfen kann

Immer öfter kommt es in diesem Sommer zu Badeunfällen in der Region Ulm und Neu-Ulm. Nicht immer greifen Badegäste im Notfall ein – dabei können schon kleine Maßnahmen helfen.
Von
Amelie Schröer
Ulm
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Schon ein Notruf kann helfen, um das Leben von Personen, die zu ertrinken drohen, zu retten. Tipps von der Wasserwacht Neu-Ulm.

dpa; Collage: Befunky

Die Zahl der Badeunfälle in Baden-Württemberg ist in diesem Jahr wieder gestiegen. Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind 2023 wieder mehr Menschen ertrunken als noch im Vorjahr. Doch woran liegt das und welche Maßnahmen könnten das verhindern?

Unterlassene Hilfeleistung – sind andere Badegäste überfordert?

Der Badeunfall auf dem Ludwigsfelder Badesee am Montag, 21.08.2023, ist gerade so glimpflich ausgegangen. Ein Badegast drohte im Wasser unterzugehen, rief nach Hilfe und wurde rechtzeitig von Rettungsschwimmern aus dem Wasser gezogen. Dramatisch war dabei: Keiner der anderen Badegäste hat sich zuvor um eine Rettung der Person bemüht. „Die haben am Steg gelegen und einfach geguckt. Dabei war ersichtlich, dass der Mann ums Überleben gekämpft hat“, berichtet Sascha Graf von der Wasserwacht Neu-Ulm. Er war am Montag privat am See und rettete durch seinen beherzten Eingriff das Leben des Schwimmers.

Ist die Tatenlosigkeit der anderen Badegäste nun ignorant oder einfach nur hilflos? „Das kann ich nicht beurteilen, aber einen Notruf absetzen kann eigentlich jeder“, sagt Graf. „Zur Hilfeleistung ist eigentlich auch jeder verpflichtet, hat in dem Fall aber niemand gemacht.“ Erst als Graf selbst bereits bei dem Hilfesuchenden im Wasser angekommen war, reichte ein Badegast einen Rettungsring.

Notsituationen am Wasser: Diese Maßnahmen sind besonders wichtig

Dabei kann im Notfall schon jede kleine Tat helfen, um Leben zu retten. Einen Rettungsschwimmerschein braucht man als Badegast nicht in jedem Fall. „Das wichtigste ist erstmal, einen Notruf abzusetzen, denn sonst kommt keine Hilfe“, rät Sascha Graf. Wichtig dabei: Beschreiben, wo man sich befindet, und sich gut merken, wo die Person untergegangen ist. Wer kann und es sich zutraut, sollte dann zu der Person im Wasser schwimmen – im besten Fall mit einem Gegenstand wie einem Schlauchboot oder auch Stand-Up-Paddle (SUP), um die Person im Wasser damit zu transportieren.

Wer das nicht kann, sollte andere Badegäste aufmerksam machen und dazu animieren, zu helfen. Schnellstmöglich sollte man auch die Rettungsschwimmer einer Wachstation informieren, falls eine vorhanden und besetzt ist, rät die Wasserwacht.

Wie erkennt man eine ertrinkende Person?

Bevor es zu einem Rettungsversuch kommt, gilt es zuerst die prekäre Situation von Schwimmern überhaupt zu erkennen, denn das ist gar nicht so einfach. Laut Sascha Graf gibt es zwei Arten des Ertrinkens: „Das laute Ertrinken durch Hilferufe und das leise Ertrinken, wenn eine Person einfach untergeht.“ Generell empfiehlt er, die Augen offenzuhalten und lieber einmal mehr bei den Personen in Not zu fragen als zu wenig.

Diese Regeln können Ertrinkungsunfälle verhindern

Um gar nicht erst in die Gefahr des Ertrinkens zu kommen, gilt es folgende Regeln zu beachten:

  • Die eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen.
  • Einen Schwimmkurs besuchen – das gilt sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene.
  • Kinder nicht aus den Augen lassen und ablenkende Quellen wie das Handy beiseitelegen.
  • Sich bei langen Schwimmstrecken absichern – zum Beispiel an einer Schwimmboje. Wer mit einem SUP unterwegs ist, sollte die Leine am Fußgelenk befestigen.
  • Sich bei anderen abmelden.
  • Nur baden gehen, wenn man sich wohlfühlt und es die Badestelle auch zulässt.
  • Nicht alkoholisiert schwimmen gehen.

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