Alexej Nawalny ist tot
: Todesursache – Woran starb der russische Kremlgegner?

Der russische Putin-Feind und Kreml-Gegner Alexej Nawalny ist tot. Der 47-Jährige saß seit mehreren Jahren im Gefängnis.
Von
Daniel Steiger
Moskau
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28.12.2021, Russland, Petushki: Alexej Nawalny, Oppositionspolitiker aus Russland, ist während einer Gerichtsverhandlung per Video aus einem Gefängnis zugeschaltet. Der russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ist nach Angaben der Justiz in Haft gestorben.

Evgeny Feldman/dpa

Kremlgegner Alexej Nawalny ist tot. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete am Freitag, dass der inhaftierte Putin-Kritiker im Gefängnis gestorben sein soll. Das sollen zuvor russische Agenturen gemeldet haben. Nawalny wurde nur 47 Jahre alt. Der prominenteste Kremlkritiker Russlands starb am 16. Februar in der Strafkolonie in der russischen Polarregion, wie die Gefängnisbehörden mitteilten.

Was zur Todesursache von Alexej Nawalny bekannt ist

Die Gründe für seinen Tod würden untersucht, hieß es weiter. Über die genauen Hintergründe und die Todesursache gibt es bislang keine weiteren Infos. Der Spiegel berichtet mit Verweis auf die Telegram-Kanäle 112 und RT, dass ein Blutgerinnsel die Ursache für Nawalnys Tod gewesen sein soll.

Nawalny „fühlte sich nach einem Spaziergang schlecht und verlor fast unverzüglich das Bewusstsein“, erklärte die Strafvollzugsbehörde FSIN. Medizinisches Personal sei sofort zur Stelle gewesen, auch sei ein Krankenwagen gerufen worden. „Es wurden Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt, die keine positiven Ergebnisse brachten“, gab FSIN weiter an.

Alexej Nawalny war der Mann mit der lautesten Stimme in Russland gegen Russlands Präsident Wladimir Putin. Für die Organisation von riesigen Protesten gegen den Kreml hatte Nawalny schon einen hohen Preis zahlen müssen: Er wurde schon mehrfach inhaftiert, befand sich zuletzt in einem Straflager, hatte einen Giftanschlag überlebt...

Der russische Präsident Wladimir Putin sei über den Tod des Oppositionellen „informiert“ worden, erklärte ein Kreml-Sprecher.

Nawalnys Frau meldet sich zu Wort

Bei der Münchner Sicherheitskonferenz rief Nawalnys Frau Julia die Weltgemeinschaft auf, gegen Putin und sein „Regime“ zusammenzustehen und es zu besiegen. „Dieses Regime und Wladimir Putin persönlich sollten zur Verantwortung gezogen werden für all diese Gräueltaten, die sie in den letzten Jahren in meinem Land, in unserem Land Russland verübt haben“, sagte Nawalnaja. Eine eigene Bestätigung für den Tod ihres Mannes habe sie nicht.

16.02.2024, München: Julia Nawalnaja, Ehefrau von Alexej Nawalny, auf der Sicherheitskonferenz. Angesichts der Berichte über den Tod von Kremlgegner Nawalny hat seine Frau Julia Nawalnaja zum Kampf gegen den russischen Machtapparat von Präsident Putin aufgerufen.

Kai Pfaffenbach/dpa

Warum Nawalny im Gefängnis saß

Nawalny war unter anderem wegen angeblichem „Extremismus“ zu insgesamt 19 Jahren Lagerhaft verurteilt worden. International jedoch wurde der Politiker, der 2020 nur knapp einen Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok überlebte, als politischer Gefangener eingestuft. Menschenrechtsorganisationen forderten seit langem Nawalnys Freilassung.

Nachdem er in Deutschland von den Folgen des Giftanschlags behandelt worden war, kehrte Nawalny am 17. Januar 2021 nach Russland zurück - und wurde noch am Flughafen verhaftet. Schon im vergangenen Dezember war der als politischer Gefangener eingestufte Politiker über mehrere Wochen verschwunden. Im Nachhinein erwies sich, dass die Justiz ihn aus dem europäischen Teil Russlands in ein Straflager im hohen Norden Sibiriens verlegt hat. Nawalny vermutete, dass er dort vor der anstehenden Präsidentenwahl im März möglichst isoliert werden sollte.

Mitarbeiter von Nawalny: „Und getötet hat ihn (Wladimir) Putin.“

Mitarbeiter des inhaftierten Kremlgegners Alexej Nawalny haben Berichte über dessen Tod als sehr glaubwürdig eingestuft. „Wir verstehen, dass es höchstwahrscheinlich so passiert ist, dass Alexej Nawalny getötet wurde. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“, sagte der im Exil lebende Direktor von Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung, Iwan Schdanow, am Freitagabend während einer Liveschalte auf Youtube. An seiner Seite saß Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch.

„Wir werden euch keine Lügen erzählen darüber, dass es irgendeine Hoffnung gibt, dass sich morgen herausstellt, dass das nicht wahr ist“, sagte der bekannte Nawalny-Unterstützer. „Eine solche Chance ist geringfügig.“ Schdanow fügte hinzu: „Derzeit deutet alles darauf hin, dass sich tatsächlich ein Mord ereignet hat– der Mord an Alexej Nawalny im Gefängnis. Und getötet hat ihn (Wladimir) Putin.“

Vorwürfe auch aus den USA, Polen und CO

US-Präsident Biden sagte in Washington, man wisse zwar nicht genau, was passiert sei, aber es gebe keinen Zweifel daran, dass der Tod Nawalnys eine Folge von Putins Handeln und dem seiner Verbrecher sei. „Putin ist verantwortlich.“ Biden sagte, er sei angesichts der Nachricht von Nawalnys Tod schockiert, aber nicht überrascht. Putin habe Nawalny vergiftet, ihn verhaften und wegen erfundener Verbrechen anklagen lassen, sagte der US-Präsident. Er habe ihn in Isolationshaft gesteckt. Doch all das habe Nawalny nicht davon abgehalten, Lügen anzuprangern, sogar im Gefängnis. „Er war eine mächtige Stimme für die Wahrheit.“ Biden sagte, er habe keinen Grund zu glauben, dass die Berichte über Nawalnys Tod nicht zutreffend seien.

Polens Präsident Andrzej Duda sieht die Verantwortung für den Tod des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny bei Russlands Staatschef Wladimir Putin. „Alexej Nawalny ist ein weiteres Opfer des Kreml-Regimes“, schrieb Duda am Freitag auf der Plattform X (vormals Twitter). Brutalität sei jedoch ein Zeichen für Schwäche. „Der Putinismus wird vorbeigehen und Nawalnys Vermächtnis wird sich durchsetzen“, schrieb Duda weiter.

Nach dem von den Behörden berichteten Tod des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny im russischen Strafvollzug hat Lettland dem Kreml Mord vorgeworfen. Nawalny sei „brutal vom Kreml ermordet“ worden, erklärte Präsident Edgars Rinkevics am Freitag im Onlinedienst X. „Dies ist ein Fakt und etwas, was man wissen sollte über den wahren Charakter des gegenwärtigen russischen Regimes.“

Auch Norwegen erhob schwere Vorwürfe gegen den Kreml. Die russische Regierung trage eine „starke Verantwortung“ für den Tod Nawalnys, schrieb Außenminister Espen Barth Eide auf X.

(mit Material von AFP und dpa)