Nato-Übung im Juni 2023: Air Defender - Alle Infos zur größten Verlegeübung für Luftstreitkräfte

Ein Kampfflugzeug vom Typ F-16 der US Air Force startet von der US-Air Base Spangdahlem während der Luftwaffenübung „Air Defender 2023“. Karte, Standorte, Auswirkungen von „Air Defender“ - hier gibt es alle Infos zur Nato-Übung über Deutschland im Juni 2023.
Boris Roessler/dpaDie größte Übung zur Verlegung von Luftstreitkräften seit Bestehen der Nato steht aktuell an. Deutschland hat diese Übung unter dem Titel „Air Defender 23„ organisiert. Ein großer Teil der Übung findet zudem im deutschen Luftraum statt.
Wann findet „Air Defender 23“ statt?
Die Übung „Air Defender“ findet vom 12. bis 23. Juni 2023 statt. Vor fünf Jahren wurde die Übung initiiert und seitdem laufen die Vorbereitungsarbeiten.
Was ist das Ziel der Nato-Übung?
Laut Bundeswehr ist das Ziel der Übung, die „Kooperation der teilnehmenden Nationen zu optimieren und auszuweiten“. Gleichzeitig soll das Bündnis dadurch auch Stärke zeigen. Hauptadressat dieser Übung könnte Russlands Präsident Wladimir Putin sein, der seit mehr als einem Jahr einen Krieg gegen die Ukraine führt.
Welche Nationen sind an „Air Defender“ beteiligt?
Insgesamt trainieren bei „Air Defender“ bis zu 10.000 Übungsteilnehmer aus 25 Nationen mit 220 Luftfahrzeugen den Ernstfall. Es sind etwa 2000 Flüge geplant. Soldaten und Kriegsgerät kommen dabei aus folgenden Nationen:
- Belgien
- Bulgarien
- Dänemark
- Deutschland
- Estland
- Finnland
- Frankreich
- Griechenland
- Italien
- Japan
- Kroatien
- Lettland
- Litauen
- Luxemburg
- Norwegen
- Polen
- Rumänien
- Schweden
- Slowenien
- Spanien
- Tschechische Republik
- Türkei
- Ungarn
- USA
- Vereinigtes Königreich
Mit Karte - Welche Regionen in Deutschland sind von der Nato-Übung betroffen?
In Deutschland werden für die Nato-Übung insgesamt folgende vier Standorte benutzt.
- Jagel/Hohn in Schleswig-Holstein
- Wunstorf in Niedersachsen
- Lechfeld in Bayern
- Spangdahlem in Rheinland-Pfalz
Laut Bundeswehr sind Schleswig/Hohn, Wunstorf und Lechfeld als Drehkreuz für die Übung vorgesehen. Die Übungen werden hauptsächlich in drei Flugkorridoren über Deutschland durchgeführt.
Die Übungsräume orientieren sich an Gebieten, die schon seit Jahrzehnten durch die Luftwaffe für die routinemäßige Ausbildung genutzt werden. Sie sind jedoch für das Großmanöver erweitert und teilweise durch Korridore miteinander verbunden worden.
Nach aktuellen Planungen der Luftwaffe wird der Übungsraum Ost zwischen 10 und 14, der Übungsraum Süd zwischen 13 und 17 und der nördliche Übungsraum zwischen 16 und 20 Uhr für die militärische Nutzung zeitweise reserviert sein. Am Wochenende finden keine Übungsflüge statt.

Diese Karte der Bundeswehr zeigt die Standorte und die für die Übung „Air Defender“ genutzten Lufträume über Deutschland.
Bundeswehr/PargeFluglärm - Welche Auswirkungen hat „Air Defender“ in Deutschland?
Die Auswirkungen der Nato-Übung reichen in Deutschland von Fluglärm, Flugverzögerungen im zivilen Bereich und möglicherweise kommt es sogar zu Flugausfällen. Die gute Nachricht beim Thema Fluglärm: Bei „Air Defender“ sind in zwei von drei Übungsräumen keine Tiefflüge vorgesehen. Laut Bundeswehr soll die Flughöhe zwischen 2500 und 15.000 Meter betragen. Tiefflüge von Jets und Transportmaschinen sind lediglich in einem Teil des östlichen Luftübungsraumes, der sogenannten Fight 1 geplant. Dieser Übungsraum erstreckt sich über Mecklenburg-Vorpommern, dem nördlichen Brandenburg und der Ostsee.
Verspätungen und Flugausfälle - Auswirkungen von „Air Defender“ bislang
Die Luftwaffenübung „Air Defender 2023“ hat bisher nur wenige Folgen für die Passagiere an den Flughäfen Frankfurt und Berlin-Brandenburg. Der Flugbetrieb an Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt am Main laufe am Dienstag bisher „insgesamt stabil“, sagte eine Sprecherin der Betreibergesellschaft Fraport. Von rund 1280 geplanten Flugbewegungen sei am Dienstag eine zweistellige Zahl von Flügen von Verspätungen oder Annullierungen betroffen.
Am Flughafen Berlin-Brandenburg sorgte die Luftwaffenübung für einen Start und eine Landung außerhalb der gewöhnlichen Betriebszeiten. Das teilte der Flughafen am Dienstag auf Anfrage mit. Eigentlich sind am BER reguläre Linienflüge in der Kernnachtzeit von 0 bis 5 Uhr ausgeschlossen, von 23.30 bis 24.00 Uhr und von 5.00 bis 5.30 Uhr dürfen grundsätzlich keine planmäßigen Flüge stattfinden. In der Nacht zum Dienstag habe es einen Start um 23.32 Uhr und eine Landung um 0.12 Uhr gegeben.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD, r) steigt neben dem Piloten Steven R. in das Cockpit eines Kampfflugzeugs vom Typ Eurofighter der Luftwaffe bei seinem Besuch des internationalen Luftwaffen-Manövers „Air Defender 2023“ auf dem Luftwaffenstützpunkt Jagel.
Kay Nietfeld/dpaDas sagt Olaf Scholz über „Air Defender“
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat bei einem Besuch des Fliegerhorsts bei Jagel in Schleswig-Holstein die Bedeutung des multinationalen Großmanövers „Air Defender 23“ unterstrichen. Die gemeinsame Übung mit den Nato-Partnern zeige, „dass wir Landes- und Bündnisverteidigung miteinander trainieren, damit die Aussage auch ernst genommen wird von allen, dass wir bereit sind, jeden Zentimeter unseres Territoriums zu verteidigen“, sagte Scholz am Freitag. Von der Linken kam Kritik an Scholz' Besuch in Jagel.
Die Übung sei „sehr wichtig“ und „ein Zeichen, dass wir gut vorbereitet sind“, betonte der Bundeskanzler. Zuvor hatte er sich vom Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, über die Übung informieren lassen.
Scholz besichtigte Kampfjets der Nato-Partner Ungarn, Türkei, Finnland und USA, bevor er sich in das Cockpit eines deutschen Eurofighters setzte, um sich den Kampfjet erklären zu lassen. Im Anschluss an die Waffenschau waren Gespräche mit Soldatinnen und Soldaten geplant.
