Das 9 Euro Ticket ist ein großer Erfolg: Die Züge sind voll, die Tickets werden rege gekauft – und die Deutschen möchten eine Fortsetzung. Eine deutliche Mehrheit von 85 Prozent der Deutschen ist für die dauerhafte Förderung durch den Bund. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos. Mit dem 9-Euro-Ticket können Fahrgäste noch bis Ende August für 9 Euro pro Monat im ÖPNV durch ganz Deutschland fahren.
Was die Deutschen wollen und was die Politik will, das sind aber zwei unterschiedlich paar Schuhe. Dennoch gibt es erste Vorschläge, wie ein Nachfolger des 9-Euro-Tickets aussehen könnte. Hier ein Überblick der aktuellen Ideen.

Nachfolger ab September: Das sind die Ideen für das 9 Euro Ticket

Die Diskussion um eine Fortführung des 9 Euro Tickets ist aktuell in vollem Gange. Folgende Vorschläge hat es bisher gegeben:
  • Klimaticket: 69-Euro pro Monat
  • 29-Euro-Ticket: 348 Euro/Jahr
  • 365-Euro-Ticket: 1 Euro/Tag
  • Einheitliches Ticket für ganz Deutschland: Kosten unbekannt
  • Verlängerung des 9 Euro Tickets für zwei Monate

Nachfolger des 9 Euro Ticket: Das Klimaticket für 69 Euro?

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat sich für ein dauerhaftes 69-Euro-Ticket als Nachfolger des 9-Euro-Tickets ausgesprochen. Die Fahrkarte soll bundesweit für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gelten. Auch aus der SPD kamen Forderungen nach einem Nachfolgeangebot. Zunächst müsse aber die nachhaltige Finanzierung geklärt sein.
„Ausgehend von der Prämisse, dass die ÖPNV-Tarife der Verkehrsverbünde für das Gros der Fahrgäste weiterhin attraktiv sein werden, schlagen wir insbesondere für diejenigen, die sich in der Marktforschung als relevante Zielgruppe erwiesen haben - zahlungswillige Autofahrerinnen und -fahrer - ein bundesweit gültiges ÖPNV-Klimaticket für 69 Euro pro Monat als einfache Fahrtberechtigung der 2. Klasse vor“, teilte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff am Donnerstagabend mit. Zuvor hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ darüber berichtet.
Anders als das 9-Euro-Ticket würde die 69-Euro-Fahrkarte nicht automatisch für Abonnenten gelten, hieß es. Fahrgäste müssten vielmehr abwägen, welches Abo für sie am besten passe.

Verlängerung für zwei Monate?

Die Nahverkehrsbranche setzt sich für eine Verlängerung des 9-Euro-Tickets um zwei weitere Monate ein. „Wir brauchen schnell eine Nachfolgelösung“, sagt Oliver Wolff, der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) der „Süddeutschen Zeitung“. „Am besten wäre es, die Aktion als Übergangslösung um weitere zwei Monate zu verlängern. Das Ticket könnte im September und Oktober weiter gelten und so die Bürgerinnen und Bürger von den hohen Energiepreisen entlasten“, betonte Wolff.
Wolff sagte, der Vorschlag für eine Übergangslösung um zwei Monate würde Politik und Branche Zeit verschaffen, um ein dauerhaftes Angebot für ein bundesweites Nahverkehrsticket zu entwickeln. Wolff rief Bund und Länder auf, sich rasch zusammenzusetzen. „Die Menschen sollten Ende August nicht in ein Loch fallen.“ Die Energiepreise seien schließlich weiter hoch.
Der VDV hatte langfristig ein bundesweit gültiges 69-Euro-Ticket vorgeschlagen. Die Politik könne diesen Monatspreis „aus sozialpolitischen Erwägungen - zum Beispiel für die Dauer des Krieges - für Bedürftige auf 29 oder 39 Euro senken“, sagte Wolff der „Süddeutschen Zeitung“.

9 Euro Ticket ab September: Vorschläge aus Berlin

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey fordert als Nachfolgelösung für das 9-Euro-Ticket ein preiswertes und bundesweit einheitliches Nahverkehrsticket. „Wir sehen, dass dieses Entlastungsinstrument in der Bevölkerung gut angekommen ist“, sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. „Auf Basis dieser Erfahrungswerte, die wir überall sehen, finde ich, dass wir ein Anschlussticket zum 9-Euro-Ticket brauchen.“
Giffey nannte eine konkrete Größenordnung: „Ich bin dafür, Mobilität für nicht mehr als einen Euro am Tag zu ermöglichen. Das bringt echte Entlastung.“ Sie erinnerte daran, dass die SPD schon seit geraumer Zeit die Idee eines 365-Euro-Tickets hat. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass sie auch den Vorschlag des Bundesverbandes Verbraucherzentralen für ein 29-Euro-Ticket positiv bewertet. Ein solches Ticket würde sich im Jahr auf 348 Euro summieren.

9 Euro Ticket: Wissing will Tarif-Dschungel beenden

Bis Ende August gibt es das 9-Euro-Ticket noch - doch die Diskussion über das, was danach kommt, nimmt schon an Fahrt auf. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) will sich für eine dauerhafte Vereinfachung des Tarifsystems im öffentlichen Nahverkehr einsetzen. „Wenn die komplizierten Tarifzonen verschwinden und die Tickets bundesweit gelten, wird der öffentliche Nahverkehr sehr viel stärker genutzt“, sagte Wissing der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Wir sollten deswegen endlich Wege finden, den Tarif-Dschungel in Deutschland zu beenden.“
Bei Kommunen und Verbänden stößt der Minister mit seinem Vorschlag auf Zustimmung - allerdings unter Bedingungen, vor allem finanzieller Art. Der Deutsche Städtetag etwa begrüßte den Vorstoß grundsätzlich, verwies aber auf Finanzierungslücken. Der Hauptgeschäftsführer des kommunalen Spitzenverbandes, Helmut Dedy, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Samstag: „Der ÖPNV muss attraktiver werden, die Städte unterstützen ein einfacheres Tarifsystem.“