Unwetter in Ulm
: Umgefallene Bäume, zerstörte Verkaufshütten - diese Schäden gab es in der Region

Das Gewitter über Ulm und der Region am Dienstagabend hat weniger Schäden angerichtet als befürchtet. Was die Feuerwehr sagt.
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  • Fast keine Sicht zum Ehinger Tor. Das Ulmer Münster ist im Hintergrund nur zu erahnen.

    Fast keine Sicht zum Ehinger Tor. Das Ulmer Münster ist im Hintergrund nur zu erahnen.

    Leonie Maschke
  • Dunkle Wolken auch über Neu-Ulm am Dienstagabend.

    Dunkle Wolken auch über Neu-Ulm am Dienstagabend.

    Amrei Oellermann
  • Gegen 21.20 Uhr wurde es bereits wieder ruhiger über Ulm – Blitze waren trotzdem zu sehen.

    Gegen 21.20 Uhr wurde es bereits wieder ruhiger über Ulm – Blitze waren trotzdem zu sehen.

    Sven Kaufmann
  • Abgerissene Äste gab es beim Unwetter zuhauf, hier der Morgen danach in der Ulmer Heimstraße.

    Abgerissene Äste gab es beim Unwetter zuhauf, hier der Morgen danach in der Ulmer Heimstraße.

    Birgit Eberle
  • Die Hütten des SC Vöhringen für das anstehende Sportpark-Sommerfest wurden Opfer des Unwetters am Dienstag.

    Die Hütten des SC Vöhringen für das anstehende Sportpark-Sommerfest wurden Opfer des Unwetters am Dienstag.

    Alois Heinrich
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Gewitter am Abend, Gewitter am Morgen – und auch am Mittwochmittag windete, donnerte und regnete es heftig.

Bislang gingen die Gewitter aber glimpflich ab. Teilweise hörten sich die Warnungen dramatisch an: Warnstufe 3 von 4, Hagel, Starkregen, Sturmböen. Als sich am Dienstagabend der Himmel erst verdunkelte und sich dann gelb färbte, rechneten viele mit dem Schlimmsten, immerhin hatte die Unwetterwarnung Stufe 3 von 4.

Dunkle Wolken kündigten am Dienstagabend das Unwetter über der Ulmer Innenstadt an. Ab 20.30 Uhr folgten Starkregen und Orkanböen.

Sven Kaufmann

Tatsächlich gab es eine Reihe von Einsätzen für die Feuerwehren. Der wohl gravierendste Schaden war ein umgestürzter Baum, der die Bahnstrecke zwischen Ulm und Geislingen blockierte, wie die Bahn auf Twitter meldete. Die Strecke war etwa vier Stunden blockiert, in dieser Zeit fuhren Ersatzbusse.

Die Bahnstrecke zwischen Ulm und Sigmaringen musste schon gegen 16.30 Uhr vorübergehend gesperrt werden: Bei Blaubeuren war ein Zug mit einem umgestürzten Baum kollidiert. Durch den Aufprall wurde laut einer Polizeimeldung niemand verletzt. Ein Rettungswagen war trotzdem im Einsatz – wegen eines medizinischen Notfalls.

Auch der SC Vöhringen bekam das Unwetter zu spüren: Am Dienstagabend suchte der Sturm den Festplatz heim, wo Helfer bereits die Bühne und einige Verkaufsstände für das am Freitag startende Sportpark-Sommerfest aufgestellt hatten. Während die Bühne noch relativ ungeschoren davon kam, wurde eine der Holzhütten vom Unwetter komplett zerlegt, die andere umgeworfen. Die Aufräumarbeiten der Ehrenamtlichen wurden am Mittwochmittag gleich wieder vom nächsten Gewitter unterbrochen.

Auch beim Gewitter am Mittwochmittag wirbelte der Wind einiges durcheinander, etwa in der Marienstraße in Neu-Ulm. „Das war hier der komplette Ausnahmezustand“, beschreibt Friseur Mike Häberle, auch bekannt unter dem Künstlernamen Mike van Hyke, die Situation kurz vor 12 Uhr in der Neu-Ulmer Marienstraße. „Die Stühle und Schirme unseres Cafés lagen querbeet auf der Marienstraße herum“, schildert er die Lage. Der Inhaber der Hairlounge versuchte mit Mitarbeiterin Tania Ochs zu retten, was zu retten ist. Häberle und Ochs krempelten die Ärmel hoch und schafften die Outoor-Einrichtung wieder an ihren angestammten Platz zurück. Nebenher konnten sie noch einem älteren Herrn im Rollstuhl aus einer sehr misslichen Lage helfen. „Er war auf dem Gehweg Richtung Ulm unterwegs und wurde vom Wind immer wieder zurückgeweht“, erinnert sich Häberle. Die beiden Friseure brachten den sichtlich dankbaren Mann im Hauseingang zwischen Salon und Café in Sicherheit. Und Tania Ochs ging erst einmal Kleidung einkaufen, denn „sie war patschnass und hätte so nicht weiterarbeiten können.“ Und so lief in der Marienstraße 6 wegen des Unwetters der Wäschetrockner auf Hochtouren.

Unwetter in Ulm und Neu-Ulm: So stark waren Regen, Hagel und Sturmböen

Der Deutsche Wetterdienst hat mittlerweile ein paar Daten zu den jüngsten Unwettern veröffentlicht:

  • Das Unwetter gestern Abend hatte seinen Höhepunkt zwischen 20 und 21 Uhr. Der Wind blies mit Höchstgeschwindigkeiten von rund 80 km/h, das stufen Meteorologen als Sturmböen ein.
  • Beim Niederschlag habe man etwa 15 Liter pro Quadratmeter gemessen, so Peter Crouse vom DWD. Vereinzelt könne auch Hagel gefallen sein, man habe aber momentan noch keine entsprechenden Meldungen vorliegen.
  • Das Gewitter von heute Mittag habe von den Windgeschwindigkeiten her sogar Orkanböen mit im Gepäck gehabt, das bedeutet in der Regel Windgeschwindigkeit von 120 km/h und mehr.

Die private Wetterwarte Süd in Bad Schussenried zeigte sich beeindruckt von den Ausmaßen der Gewitterfront heute Mittag. Jürgen Hieber von der Wetterwarte sagt, diese habe gleichzeitig vom Bodensee bis Oberschwaben für Unwetter gesorgt.

Gewitter-Bilanz der Feuerwehr Neu-Ulm

Insgesamt sprachen Polizei und Feuerwehr aber von einem „gemäßigten“ Einsatzgeschehen. Jochen Stutz, der diensthabende Einsatzleiter der Neu-Ulmer Feuerwehr sagte auf Nachfrage am Morgen: „Wir hatten etwa sechs bis acht kleinere Einsatzstellen. Das waren überwiegend Flurschäden, also Bäume oder Äste.“ Vollgelaufene Keller oder Überschwemmungen, die sonst das Problem sind, gab es diesmal nicht. „Wir hatten Glück, dass es nur eine Viertelstunde geregnet hat“, erklärt Stutz.

Man sei aber gerüstet gewesen, bekomme vom Deutschen Wetterdienst immer die entsprechenden Warnungen, erklärt der Feuerwehrmann. „Deshalb wurde auch die Kreiseinsatzzentrale besetzt, das passiert immer dann, wenn wir mit mehr Notrufen rechnen müssen. Doch auch da waren es insgesamt 10-15 Einsätze für den Landkreis.“ In Neu-Ulm selbst waren wie immer 7 Hauptamtliche im Einsatz, bei der Nachalarmierung wurden rund 20 Kameraden von den Freiwilligen Wehren in den Einsatz geschickt. „Dank der Ehrenamtlichen sind wir in solchen Lagen gut aufgestellt, die Versorgung ist gewährleistet“, betont Stutz.

Auch in Ehingen hatte die Feuerwehr einiges zu tun: Bis Mitternacht waren die Einsatzkräfte zu Gange, um umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste von den Straßen zu räumen.

Weitere Unwetter im Anmarsch

Das könnte in den nächsten Tagen auch nötig sein: Denn die Wetterlage bleibt schwül-gewittrig. In den nächsten Tagen sind weitere Unwetter vorhergesagt. Die Neu-Ulmer Feuerwehr jedenfalls ist bereit, sagt Jochen Stutz: „Unsere Geräte sind alle gecheckt, die Motorsägen vollgetankt.“