Unwetter in Ulm
: Ein Toter, umgestürzte Bäume und einige Unfälle – so heftig war das Unwetter in der Region

Ein heftiges Gewitter hat nach den heißen und trockenen Tagen über Ulm und der Region getobt, ein Mensch kam ums Leben. Blitzeinschläge, Unfälle, Behinderungen und Schäden waren außerdem die Folge.
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  • Die beiden Unwetter vom Donnerstagabend über dem Ulmer Raum: links das von 19:20 Uhr, rechts das von 21:30 Uhr.

    Die beiden Unwetter vom Donnerstagabend über dem Ulmer Raum: links das von 19:20 Uhr, rechts das von 21:30 Uhr.

    Quelle: Screenshot wetteronline.de
  • Das Unwetter am Donnerstagabend, hier in der Ulmer Karlstraße.

    Das Unwetter am Donnerstagabend, hier in der Ulmer Karlstraße.

    Amelie Schröer
  • Dieser Aquaplaning-Unfall auf der B28 zwischen Neu-Ulm und Senden ging glücklicherweise ohne Verletzte aus.

    Dieser Aquaplaning-Unfall auf der B28 zwischen Neu-Ulm und Senden ging glücklicherweise ohne Verletzte aus.

    Ralf Zwiebler
  • Umgestürzte Bäume blockierten vielerorts Straßen und Schienen. Das Unwetter am Donnertagabend sorgte für viele Einsätze von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften.

    Umgestürzte Bäume blockierten vielerorts Straßen und Schienen. Das Unwetter am Donnertagabend sorgte für viele Einsätze von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften.

    SDMG / Woelfl / Kohls
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Das genaue Ausmaß des Unwetters von Donnerstag (24.08.2023) lässt sich noch nicht ausmachen, doch zahlreiche Einsätze von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften – vor allem am späten Abend – zeigen: Es gab ordentlich was zu tun.

Bereits am Donnerstagnachmittag wurde es über Ulm, Neu-Ulm und der Region dunkel. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte schon da vor schweren Gewittern der Stufe 3 von 4. Zwischen 19 und 19.30 Uhr fielen im Norden Ulms zunächst nur ein paar Tropfen, etwas weiter südlich hingegen fiel eine Menge Regen. Am Ausflugsrestaurant Silberwald etwa schüttete es um 19.20 Uhr „wie aus Kübeln“, wie ein Besucher es formulierte. Nach den Radarbildern war vor allem der Bereich zwischen Neu-Ulm und Senden betroffen.

Auto kracht auf der B28 in LKW

Unfälle und herabstürzende Äste waren die Folge. Auf der B28 zwischen Neu-Ulm und Senden geriet ein Autofahrer aufgrund von Aquaplaning ins Schleudern und prallte in einen LKW. Nach ersten Informationen wurde aber niemand verletzt, es kam aber zu Verkehrsbehinderungen.

Der erste Guss war aber nur der Vorbote: Gegen 21:15 Uhr zog eine zweite, weitaus geladenere Front über die Region. Ein Video, aufgenommen in der Ulmer Karlstraße zeigt, wie starke Windböen den Regen durch die Straße fegten und die Baumkronen ordentlich durchgeschüttelten:

Bilanz von Polizei und Feuerwehr: Mehrere kleine Einsätze

Gegen 21:30 Uhr gab es ein regelrechtes Blitzgewitter, die Blitze zuckten über der Ulmer Innenstadt unablässig wie ein Stroboskop am Himmel. Insgesamt verzeichnete die Polizei Ulm zwischen 21 Uhr und 01:30 Uhr rund 60 unwetterbedingte Notrufe in der Region. Vorrangig beschäftigten herabgefallene Äste und umgestürzte Bäume die Einsatzkräfte. Zahlreiche Straßen mussten freigeräumt werden, heißt es vonseiten der Polizei.

Auch die Feuerwehr Ulm registrierte 12, vor allem kleinere, Einsätze. Demnach sei das Unwetter über dem Stadtgebiet glimpflich verlaufen, verletzt wurde dabei auch niemand.

Am Morgen danach: Das Gewitterhat in der Nacht von 24.8. auf 25.8.2023 in Ulm Schäden angerichtet. In der Neithardtstraße wurde ein Bauzaun umgeworfen, an der Ecke Olgastraße/Hafenbad wurden Äste von Kastanien abgerissen.

Sven Kaufmann

Am Freitagmorgen zeugten in der Ulmer Innenstadt kleinere Schäden von der Wucht des Unwetters in der Nacht. An der Olgastraße Ecke Hafenbad hatte der Sturm einige Äste von den Kastanien gerissen. In der Neithardtstraße warf er einen kompletten Bauzaun und Absperrbaken um.

Mann von Baum erschlagen – Unfälle, Blitzeinschläge und umgestürzte Bäume

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste waren fortan im Dauereinsatz. Auch über Ulm hinaus meldete die Polizei eine Vielzahl von Einsätzen von Nord bis Süd und Ost bis West. Bei Hechingen ist ein Mann infolge des Unwetters ums Leben gekommen.

  • Bei Stetten/Hechingen hat ein Mann in einem Zelt übernachtet – mit tödlichen Folgen: Ein abgebrochener Ast fiel auf das Zelt und begrub den Mann unter sich
  • In Bad Ditzenbach (Landkreis Göppingen) stürzte am späten Donnerstagabend ein Baum auf die Straße, sodass die Steige zwischen Bad Ditzenbach und Unterdrackenstein gesperrt wurde. Auch zwischen Wiesensteig und Hohenstadt blockierten mehrere Bäume die Straßen. Die Feuerwehren waren mehrere Stunden im Einsatz.
  • Auch zwischen Geislingen und Amstetten war die Feuerwehr gegen 21:45 Uhr im Einsatz. Durch umgestürzte Bäume kam es auf der Geislinger Steige zu Gefahren. Die B10 musste geräumt werden und war erst gegen 23:15 Uhr wieder uneingeschränkt befahrbar.
  • Auf der A8 bei Heimsheim kam es bereits kurz vor 17 Uhr zu einem Unfall mit Aquaplaning. Ein Auto, das in Richtung Stuttgart unterwegs war, schleuderte von der Fahrbahn und überschlug sich im Grünstreifen mehrmals. Laut Polizeipräsidium Pforzheim wurde der 37-jährige Fahrer lebensgefährlich verletzt, sein 33-jähriger Beifahrer leicht.
  • In Oberrot im nördlichen Landkreis Schwäbisch Hall meldete das Polizeipräsidium Aalen um 21.30 Uhr einen Blitzschlag im Dach eins Sägewerks. Daraus habe sich ein Schwelbrand entwickelt, der Schaden halte sich mit 5.000 Euro aber in Grenzen.
  • In Mittelbiberach im Kreis Biberach gab es ebenfalls einen Blitzeinschlag, hier kämpfte die Feuerwehr laut Polizeipräsidium Ulm in der Nacht gegen die Flammen. Die drei Bewohner blieben unverletzt. Die Feuerwehr war mit 71 Personen vor Ort in der Oberen Schügelestraße.
  • Auf dem Alb-Campingplatz in Westerheim im Alb-Donau-Kreis fiel ein umgestürzter Baum auf einen Wohnwagen, der daraufhin umkippte. Im Wohnwagen befanden sich zwei Menschen, sie blieben bei dem Vorfall unverletzt. Die Feuerwehr richtet das Fahrzeug wieder auf.
  • Im Raum Ehingen wehte der Sturm eine wichtige Absperrung um und entwurzelte jede Menge Bäume
  • Ansonsten vermeldete die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Ulm eine Vielzahl an Einsätzen wegen umgestürzter Bäume, teilweise kam es deshalb auch zu Unfällen. Für eine genaue Bilanz sei es aber noch zu früh, die Einsätze müssten noch abgearbeitet werden, so ein Sprecher.
  • Das Polizeipräsidium Schwaben-Südwest, zuständig für die Kreise Neu-Ulm und Günzburg sowie das Allgäu, berichtete auf Nachfrage von „zahlreichen umgestürzten Bäumen“, größere Schäden habe das Unwetter ersten Erkenntnissen zufolge aber nicht angerichtet.
  • Das Polizeipräsidium Aalen meldete ebenfalls zahlreiche umgestürzte Bäume. Einer davon bei Althütte im Rems-Murr-Kreis traf einen Spaziergänger. Eine aufwändige Rettungsaktion war die Folge. Der Mann konnte dank seines Handys, zwei Hubschraubern und vielen professionellen sowie freiwilligen Rettern geborgen und ins Krankenhaus gebracht werden.
  • Bei einem weiteren Blitzeinschlag in Fichtenau-Matzenbach krachte um 18.30 ein Baum in ein Haus und eine Stromleitung. Niemand wurde verletzt, die Feuerwehr konnte nach kurzer Zeit wieder abrücken, so das Polizeipräsidium Aalen.
  • Schlimm ausgehen können hätte ein Vorfall bei Backnang. Hier war gegen 18:40 Uhr ein Baum auf eine Oberleitung der S-Bahn gekracht. Eine S-Bahn Richtung Backnang konnte laut Polizeipräsidium Aalen kurz vor dem Hindernis Halt machen. Von den 300 Fahrgästen an Bord wurde niemand verletzt. Die Fahrgäste mussten allerdings in der Bahn ausharren, bis die Feuerwehr den Baum geborgen hatte. Der Zug konnte, nachdem die Oberleitung wieder unter Strom gesetzt worden war, weiter in den nächsten Bahnhof fahren. Allerdings wurde die Strecke danach gesperrt, weil die Oberleitung doch stärker beschädigt war.
  • Ebenfalls Glück im Unglück hatten die rund 300 Zugpassagiere, als auf der Bahnstrecke in Richtung Schwäbisch Hall wegen eines Blitzeinschlags bei Germannsweiler große Baumteile auf die Gleise fielen. Der Zug musste mittels einer Schnellbremsung stoppen. Verletzt wurde jedoch niemand.
  • In Lindau-Zech musste gegen 21:26 Uhr der Campingplatz aufgrund umgestürzter Bäume geräumt werden. Rund 500 Camping-Besucher mussten das Gelände verlassen und werden seitdem in der Inselhalle Lindau von Polizei und Rettungsdienst versorgt. Sechs Personen wurden durch das Unwetter verletzt.
  • Auch für die Teilnehmer eines Zeltlagers in Friedrichshafen am Bodensee hieß es: Schnell weg vom Zeltplatz! Die etwa 300 Kinder wurden von Einsatzkräften der Polizei und der Feuerwehr in eine Schule gebracht, wo sie auf Feldbetten übernachteten, teil das Polizeipräsidium Ravensburg mit.
  • Das „Eine Liebe Festival“ in Herdwangen-Schönach (Kreis Sigmaringen) musste wegen des Gewitters rund zwei Stunden unterbrochen werden: 400 bis 500 Besucher wurden laut Polizei in Sicherheit gebracht.

Auch Einschränkungen im Bahn-Verkehr

Nicht nur auf den Straßen kam es zu zahlreichen Einschränkungen. Auch auf der Schiene vermeldet die Deutsche Bahn Behinderungen im Bahnverkehr. Laut DB seien im Südwesten im Regionalverkehr vor allem eine Linie betroffen:

  • IRE 6 Tübingen - Albstadt-Ebingen

Es lägen immer noch Bäume auf der Strecke, ein Zugverkehr sei nicht möglich. Noch ist unklar, wie lange die Strecke gesperrt bleibt. Es gibt keinen Ersatzverkehr mit Bussen.

Nur eingleisig befahren werden könne die Strecke des RE 2 zwischen Donaueschingen und St. Georgen. Bis zum Freitagabend (25.8.) soll nach Angaben der Bahn das zweite Gleis wieder freigegeben werden

Auch die S-Bahn-Linien zwischen Kirchberg-Backnang sowie Winnenden-Backnang waren am Donnerstagabend wegen Bäumen und Ästen im Gleis zeitweise gesperrt.

Erneutes Unwetter am Freitagabend

Am Freitagabend zog erneut ein Unwetter im Südwesten auf. Aufgrund der heftigen Gewitter wurde das Festival „Flammende Sterne“ in Ostfildern (Kreis Esslingen) am ersten Veranstaltungstag vorzeitig beendet. Seit 19 Jahren treffen sich bei dem internationalen Feuerwerksfestival laut Veranstalter die besten Pyrotechniker der Welt zum Wettkampf.

Gewittergefahr auch am Samstag und Sonntag

Der Regen hat eine Wetterwende eingeläutet - nach zahlreichen heißen Tagen in Folge wird die Luft nun labiler. Für die Nacht und den Freitag ist erneut schwüles und gewitteranfälliges Wetter vorhergesagt, am Wochenende soll es mit Maximalwerten von nur noch 20 Grad einen regelrechten Temperatursturz geben.