Galeria Kaufhof in Ulm erpresst: Großeinsatz der Polizei nach Bombendrohung – Spektakulärer Prozess beginnt

Dramatische Szenen im Oktober 2021: Galeria Kaufhof in Ulm wurde abgeriegelt und evakuiert. Jetzt kommt der Fall vor Gericht.
Volkmar Könneke/Sven KaufmannEs war ein sonniger Herbsttag in der Ulmer Innenstadt, die Menschen waren beim Shoppen in der Hirschstraße oder saßen in Cafés – als die fröhliche Stimmung von Blaulicht und Martinshorn jäh zerissen wurde: Streifenwagen der Polizei und schwarze Einsatzfahrzeuge rasten zu Galeria Kaufhof in der Hirschstraße und Bahnhofstraße. 25 Polizeibeamte riegelten das Gebäude mit Bändern ab, Einsatzkräfte eilten hinein, es gab eine Lautsprecherdurchsage, zahlreiche verunsicherte Mitarbeiter und Kunden mussten ihre Einkäufe und Sachen liegen lassen und schnell raus – Evakuierung. Und noch beunruhigender: Entschärfer des Landeskriminalamtes rückten an.
Der Einsatz hielt Ulm vier Stunden lang in Atem
Hunderte Menschen beobachtetern das Geschehen und spekulierten, was da los sei. Damals war völlig unklar, ob eine Gefahrenlage für die Bevölkerung herrschte, das Ulmer Polizeipräsidium hielt sich einmal mehr mit Auskünften zurück zeitweise war von einem technischen Defekt die Rede.
Jetzt wird das dramatische Geschehen vom 15.10.2021, das vier Stunden lang die Stadt in Atem hielt, vor dem Ulmer Landgericht aufgearbeitet. Von Donnerstagmorgen, 31.3.2022, an muss sich der mutmaßliche Verursacher der ganzen Aufregung, ein heute 63 Jahre alter Mann, vor Gericht verantworten.
Bombendrohung in Galeria Kaufhof: Mutmaßlicher Erpresser vor Gericht
Was war damals genau geschehen, und was wird dem Mann jetzt vorgeworfen? Im Galeria-Gebäude war an jenem Mittag ein verdächtiger Gegenstand gefunden worden, den die Spezialkräfte später als Rohrbombenattrappe identifizierten. Daneben lag ein Erpresser-Schreiben, in welchem von der Konzernzentrale von Galeria Kaufhof 1,4 Millionen Euro in Bitcoins gefordert wurden – anderenfalls werde in einer der anderen Galeria-Filialen in Deutschland eine echte Rohrbombe hochgehen.
So kam die Polizei dem Verdächtigen auf die Spur
So weit kam es zum Glück nicht, wenige Tage später vermeldeten die Ermittler einen Erfolg: In Landsberg am Lech nahmen Polizeibeamte einen damals 62-jähriger Mann fest. Grundlage des Fahndungserfolgs war die Spurensicherung am Tatort. Nach Informationen der SÜDWEST PRESSE wurden an dem verdächtigen Gegenstand Spuren gefunden, die mit einem Eintrag im Polizeicomputer übereinstimmen. Der Mann ist laut Staatsanwaltschaft vielfach vorbestraft – auch einschlägig.
Jetzt steht er vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Ulm. Die Anklage der Staatsanwaltschaft: Versuchte besonders schwere räuberische Erpressung. An vier Verhandlungstagen wird das Gericht zahlreiche Zeugen, einen Sadchverständigen und natürlich den Angeklagten selbst anhören und dann sein Urteil fällen.


