Sturm in Frankreich aktuell
: Orkan Ciaran fordert zwölf Tote und etliche Verletzte in Europa

Das Orkantief hat Westeuropa mit voller Wucht getroffen, und dabei bereits mehrere Todesopfer und etliche Verletzte gefordert. In Frankreich waren Millionen Haushalte ohne Strom. Auch England, Belgien und die Niederlande wurden getroffen. Alle Infos im Überblick.
Von
Philipp Staedele
Paris/London/Amsterdam
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Großbritannien, Folkestone: Das Orkantief «Emir» (international: Ciaran) hat Europa mit voller Wucht getroffen.

Gareth Fuller/dpa

Mit extremen Sturmböen und Wellen ist das Orkantief „Ciaran“ in der Nacht zum Donnerstag über den Nordwesten Frankreichs und den Südwesten Englands hereingebrochen, ehe der Herbststurm die Niederlande und Deutschland erfasste. Auch Italien wurde schwer getroffen. Mindestens zwölf Menschen kamen in Europa ums Leben und etliche wurden verletzt, wie Behörden mitteilten.

Tote und Verletzte in Frankreich, Aufräumen nach Sturm dauert an

Nach Durchzug des Orkantiefs „Ciaran“ dauert in Frankreich das Aufräumen an. „Die Bilanz ist schlimm“, konstatierte auch Frankreichs Premierministerin Elisabeth Borne. In Frankreich habe es zwei Tote und 47 Verletzte gegeben. Am Vormittag waren im Land noch mehr als eine halbe Million Haushalte ohne Strom, davon die Hälfte in der Bretagne. Vor allem im Finistère, im Westen der Bretagne, seien manche Stromleitungen durch umstürzende Bäume „geradezu zerhackt“, sagte Regierungssprecher Olivier Véran. Dort waren in der Nacht zum Donnerstag Windstöße von mehr als 200 Stundenkilometern gemessen worden.

Im Département Hauts–de–France nördlich von Paris fielen am Freitag noch zahlreiche Regionalzüge aus. „Die Fernverbindungen sind kaum beeinträchtigt“, sagte Verkehrsminister Clément Beaune. Am Wochenende enden die französischen Herbstferien, es werden 1,5 Millionen Reisende erwartet.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollte am Freitag in die Bretagne fahren, um den Nothelfern zu danken und mit Betroffenen zu sprechen. An der französischen Atlantikküste wurde mit einem weiteren, aber schwächeren Sturmtief gerechnet.

Frankreich, Penmarc‘h: Das Orkantief «Emir» (international: Ciaran) bedroht Teile von Europa.

Fred Tanneau/dpa

Flutwarnung und Hagelkörner wie Golfbälle in England

Auch an der Südküste Englands sorgte der Sturm für Probleme. Tausende Haushalte hatten zwischenzeitlich keinen Strom, wie die Nachrichtenagentur PA meldete. Bäume stürzten um, Straßen waren blockiert. Hunderte Schulen blieben geschlossen. Bahnbetreiber im Großraum London riefen die Menschen auf, nur wirklich notwendige Reisen anzutreten.

Auf der Insel Jersey im südwestlichen Ärmelkanal wurden der Polizei zufolge Windgeschwindigkeiten von bis zu 164 Stundenkilometern gemessen. „Bitte bleiben sie drinnen. Es ist sehr gefährlich da draußen“, warnte die Jersey Police. Eine Frau berichtete PA von großen Hagelkörnern: „Die Hagelkörner waren schwerer und größer als ein Golfball und haben uns drei Fenster beschädigt.“

Großbritannien, Downpatrick: Menschen schauen sich die Überschwemmungen in der Market Street an. Nach tagelangen heftigen Regenfällen erreichten einige Flüsse in Nordirland Rekordpegelstände.

Liam Mcburney/dpa

Sturm fordert Todesopfer in Belgien und den Niederlanden

Auch in den Niederlanden und in Belgien kamen Menschen durch das Unwetter ums Leben. In der belgischen Stadt Gent starb am Freitag ein fünf Jahre altes ukrainisches Kind, das draußen spielte und von einem herabstürzenden Ast getroffen wurde. Ebenfalls in Gent wurde eine 64–jährige Frau aus Deutschland getötet, die in Belgien zu Besuch war.

Auch Spanien bleibt nicht verschont

Das Orkantief traf auch Teile der iberischen Halbinsel und forderte ein Menschenleben. Eine junge Frau wurde in Madrid von einem umstürzenden Baum erschlagen, wie der Rettungsdienst mitteilte. Drei weitere Menschen wurden leicht verletzt. In Mitleidenschaft gezogen wurden von „Ciaran“ vor allem der Norden Portugals sowie der Norden und das Zentrum Spaniens. Es gab viel Regen und Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern, die zu Beeinträchtigungen des Bahn– und Luftverkehrs führten. In Madrid wurde der auch bei Touristen beliebte Stadtpark Retiro aus Sicherheitsgründen geschlossen. Auf den Balearen mit der vor allem bei Deutschen beliebten Urlaubsinsel Mallorca wurde mit Alarmstufe Orange in erster Linie vor hohem Wellengang gewarnt. Spanien rief für die Region Galicien und für das Baskenland am Freitag die höchste Alarmstufe aus.

Toskana wurde hart getroffen — Tote und Verletzte in Italien

Schwere Unwetter mit heftigen Regenfällen haben die mittelitalienische Region Toskana in der Nacht zum Freitag heimgesucht. Mindestens drei Menschen kamen dabei ums Leben, wie der Präsident der Region, Eugenio Giani, am Morgen mitteilte. Alle Infos gibt es hier:

Ciaran erreicht Deutschland — Frau von Baum erschlagen

Das Orkantief Ciaran trifft auch Deutschland: Der Deutsche Wetterdienst hat am frühen Donnerstagmorgen eine Sturm– und Unwetterwarnung für die deutsche Nord– und Ostseeküste herausgegeben. Im niedersächsischen Goslar starb eine 46–jährige Frau aus Bayern durch einen umstürzenden Baum, wie die örtliche Polizei mitteilte. Alle Infos hier:

(mit Material von dpa und AFP)