Straßennamen in Elchingen
: Milchgasse, Fähreweg und Zahngasse

Es gibt interessante Straßennamen im Großraum Ulm. Heute geht's um Elchingen, wo wir mit Historiker Stefan Kopp über Zahngasse, Heerstraße und Meerholzweg geplaudert haben.
Von
Karin Mitschang
Elchingen
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Eine Zahngasse gibt es in Unterelchingen (Symbolfoto). Wir haben auch dazu beim Lokalhistoriker nachgefragt.

Eine Zahngasse gibt es in Unterelchingen (Symbolfoto). Wir haben auch dazu beim Lokalhistoriker nachgefragt.

Montage: Beniamino Raiola/Karin Mitschang
  • Elchingen hat interessante Straßennamen wie Zahngasse und Fähreweg.
  • Historiker Stefan Kopp untersuchte ihre Ursprünge; Zahngasse ist mit Hotel Zahn verbunden.
  • Fähreweg erinnert an eine historische Fähre, als Brücken im Krieg zerstört wurden.
  • Arbeiterlager "Seerose" befand sich dort bis in die 60er Jahre.
  • Straßennamen spiegeln die Geschichte Elchingens wider.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Durchsicht der 187 Straßennamen Elchingens für unsere Serie ging dank Hilfe einer künstlichen Intelligenz schnell. Zahngasse, Fähreweg und Milchgasse fielen unter anderem auf. Für Lokalhistoriker Stefan Kopp ging danach die Spurensuche im Archiv los. „Unterlagen habe ich nur teilweise in den Altakten der früheren Gemeinden Thalfingen, Ober- und Unterelchingen gefunden“ – bis Ende April 1978 selbständige Gemeinden, vor der bayerischen Gebietsreform. Bis 1993 sorgten doppelte und dreifache Straßennamen, wie etwa Gartenstraße und Bahnhofstraße, immer wieder für Verwechslungen und Probleme beim Rettungsdienst. Mit der Postleitzahlenänderung in jenem Jahr wurde dies beseitigt.

Wie Kopp weiß, hängt die Zahngasse in Unterelchingen mit dem heute noch bestehenden Hotel-Restaurant Zahn in der Hauptstraße zusammen – ein jahrhundertealtes Anwesen, bis in die 1960er Jahre mit eigener Brauerei und Landwirtschaft und auch heute noch von der Familie Zahn geführt. In der Milchgasse in Unterelchingen gab es vermutlich früher viele landwirtschaftliche Betriebe mit Milchkühen.

Eine Fähre für die Landwirte

Am Geisenberg in Oberelchingen gab es schon immer landwirtschaftliche Betriebe, vermutlich auch Weideflächen für Ziegen. Interessant ist die Geschichte zum Fähreweg in Thalfingen: „Die frühere Thalfinger Donaubrücke (Betonbrücke) wurde von der deutschen Wehrmacht in den letzten Kriegstagen 1945 vor dem Einmarsch der Amerikaner gesprengt“, informiert Kopp. Da die Thalfinger Landwirte auch Flächen südlich der Donau bestellten, mussten diese irgendwie über die Donau kommen. Doch die Brücke in Oberelchingen wurde ebenfalls gesprengt. Also behalf man sich mit einer Fähre, die die landwirtschaftliche Gespanne, Pferde- und Ochsengespanne, über die Donau brachte. Es war eine Fähre ohne Motor, dafür mit Seilen, eine sogenannte Gierfähre. „Ich kann mich als Kind noch erinnern, dass die stählerne Unterkonstruktion der Fähre im Fähreweg am Donauufer lag, wo jetzt die neue Donaubrücke steht.“

Im Fähreweg (heute nur noch vom Kreisverkehr in der Industriestraße bis zur neuen Brücke) stand auch bis zum Bau der neuen Brücke das ehemalige Arbeiterlager der Firma Schwenk, das als Zwangsarbeiterlager entstand und den Namen „Seerose“ trug. „Es war bis zum Abbruch ab den 60er Jahren vorwiegend durch ausländische Arbeitnehmer der Firma Schwenk bewohnt, überwiegend italienischer und türkischer Abstammung“, weiß Kopp.

Wichtige Namen von einst

Im Hirtenweg waren vermutlich früher am Unterelchinger Ortsrand Weideflächen. Kopp: „In Thalfingen gab es früher auch einen Hirtenweg, dort kam der Name von dem dortigen Anwesen Hirtensölde, in dem die Gemeindehirten wohnten.“ Die Neystraße in Oberelchingen kommt vom Befehlshaber der französischen Truppen während der Schlacht von Elchingen 1805, dem Feldmarschall Michel Ney, Herzog von Elchingen – ein Titel, der von Napoleon verliehen wurde.

Der Josef-Hucker-Weg in Unterelchingen kommt vom früheren Meisterringer des KSV-Unterelchingen Josef „Sepp“ Hucker, der unter anderem mehrere Deutsche-Meister-Titel errang. Der Kapellenweg in Thalfingen kommt von der Apollonia-Kapelle auf dem naheliegenden Thalfinger Friedhof, der Wettiner- und der Ravensteiner Weg in Oberelchingen hängt mit den Klostergründern des ehemaligen Benediktiner-Reichsstiftes Oberelchingen (aufgelöst 1803) zusammen. Bei passender Witterung sieht man vom Donaublick und Alpenblick in Unterelchingen die Donau und die Alpenkette, schließt der Lokalhistoriker.