Straßennamen in Allmendingen: Seidenproduktion war einst geplant

Der Rupert-Kniele-Weg erinnert an den ersten Arzt in Allmendingen, der sich auch mit der Weltsprache Volapük beschäftigt hat und darin Oberlehrer wurde.
Karin Mitschang/Montage: Beniamino Raiola- Straßennamen in Allmendingen spiegeln historische Ereignisse wider, z.B. Seidenproduktion im 19. Jh.
- Archivarin Ursula Erdt erklärt, dass Maulbeerbäume für Seide gepflanzt wurden, aber das Klima ungeeignet war.
- Lustige Adressen wie "Am Grünen Zipfel" und "Zum Laile" haben historische oder geografische Bedeutungen.
- Rupert-Kniele-Weg erinnert an den Esperanto-Befürworter und Arzt Rupert Kniele.
- Namen wie „Galgenweg“ und „Finstergasse“ haben historische Bezüge.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Straße Am Seidenspinner in Allmendingen weist laut Archivarin Ursula Erdt auf die Zeit des Königreichs Württemberg (ab 1806) hin. „Damals wurden Versuche gemacht, Maulbeerbäume anzupflanzen, um in die Produktion von Seide einzusteigen“, berichtet die Mitarbeiterin, die auch über die Archive von Blaubeuren,
Schelklingen und Munderkingen wacht. „Meist blieb es bei den Versuchen, das hiesige Klima eignete sich nicht für die Maulbeer-Produktion – die Flurnamen blieben.“
Nette Adressen ohne besondere Anekdoten sind in Allmendingen etwa Am Grünen Zipfel, Zur Tollmaid (in Hausen ob Allmendingen), Heilenberg und Katzensteige. Beim Osterholz heißt die Straße am gleichnamigen Waldstück, An Der Springe wohnt man in Großallmendingen und auch Blümelenweg und Haselweg haben als Adressen was für sich.
Kongress für Volapük
Der Rupert-Kniele-Weg ist nach dem Wundarzt und Geburtshelfer Rupert Kniele benannt, der zeitweise in Allmendingen lebte, berichtet Ortshistoriker Walter Kneer. Kniele war ein Anhänger der Kunstsprache Volapük, die von Johann Martin Schleyer entwickelt wurde. Der wollte eine einheitliche Orthographie fördern und den internationalen Frieden stärken. Kniele spielte eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Volapük und organisierte Kongresse und Veranstaltungen dazu, 1889 sogar einen Weltkongress in Allmendingen, zu dem 255 Volapükisten aus ganz Europa kamen. Er war auch Mitbegründer der Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins. Kniele wurde in der Gemeinde ein angesehener Mann und war der erste ansässige Arzt.
Trotz seines Engagements für Volapük wandten sich viele später der Kunstsprache Esperanto zu, was zum Niedergang von Volapük führte. „Kniele blieb jedoch in Erinnerung“, weiß Kneer: auch für seine Beiträge zur Gemeinde. Er hatte eine kostengünstigere ärztliche Versorgung für die Armen und die Arbeiter des Zementwerks ermöglicht.


