Straßennamen in Kellmünz
: Füchse als Archäologen aktiv

Auch im bayerischen Kellmünz erzählen Straßennamen eigene Geschichten, wie etwa Am Brenner, Kohlstatt, Zur Kälberweide oder Lustgarten. Wir haben nachgeforscht, was es damit auf sich hat und was Füchse ausgegraben haben.
Von
Karin Mitschang
Kellmünz
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Eine interessante Adress im bayerischen Kellmünz ist Am Brenner.

Eine interessante Adresse im bayerischen Kellmünz ist Am Brenner.

Karin Mitschang/Montage: Beniamino Raiola
  • Straßennamen in Kellmünz erzählen Geschichten, z.B. Am Brenner und Zur Kälberweide.
  • Am Brenner stammt von "Im Brennberg", wo Kohlen gebrannt wurden.
  • Füchse gruben ein bronzezeitliches Hügelgrab aus, das auf 1500 v. Chr. datiert wird.
  • Am Sandberg wurde bis ins letzte Jahrhundert Sand abgebaut.
  • Auf dem Johannisberg stand ein Schloss, verbunden mit dem Lustgarten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Etwas voreilig – und für ein paar Anwohnerinnen und Anwohner in Kellmünz bitter – war offenbar die Benamung des Alpenwegs in Kellmünz. Wie Jannik Mayerhofer berichten kann, ist diese halbrund verlaufende Straße gegen Süden ausgerichtet. Sie „bot vor der gänzlichen Bebauung einen herrlichen Blick auf das Alpenpanorama“. Er hat auch weitere Geschichten zu Straßennamen in Kellmünz auf Lager. So hat der heutige Straßenname Am Brenner seinen Ursprung in der früheren Bezeichnung „Im Brennberg“, „Brennerberg“. Mayerhofer: „Dies war ein Waldgebiet, in dem nach früherem Handwerk, der Kohlenbrenner sein Gewerbe ausübte.“ Außerdem war dort eine Quelle, die gefasst und zum Wasserschöpfen verwendet wurde. „Im Zuge der Bebauung wurden hier auch Gräber aus der Hallstattzeit um zirka 800 vor Christus gefunden.“

An der Iller ließ es sich freilich schon weitaus früher gut leben. Der Fund eines bronzezeitlichen Hügelgrabs belegt dies um 1500 vor Christus. Das Grab hatten Füchse ausgegraben. „Fuchsbühl“ heißt auch die dortige Anhöhe östlich von Kellmünz. Nahe am Brenner liegt übrigens die Kohlstatt, auch dies war der Platz, an welchem der Köhler Holz zu Kohle brannte. „Interessant ist die Frage, ob es demnach mehrere Köhler in Kellmünz gab“, sagt Mayerhofer.

Früher Sandabbau

Am Mühlberg im Mühlbergweg stand die einstige Kellmünzer Mühle. Auch Am Sandberg ist wörtlich zu nehmen: „Noch ins letzte Jahrhundert hinein wurde hier natürlich gewachsener Sand von der Bevölkerung abgebaut“, weiß der Lokalhistoriker. Dieser wurde unter anderem als Zusatz zum Mörtel gegeben, beispielsweise für Ziegelbauten. Die Lerchenhöhe wurde einst als Theresienhöhe bezeichnet. Beim Suchen nach einem neuen Namen waren die früheren Lerchenkolonien in Kellmünz für den Namen ausschlaggebend, da sie sich in dem Gebiet aufhielten.

Zur Kälberweide: In früheren Zeiten wurden die Kälber eigens auf die Weide getrieben, getrennt vom Großvieh. Solche Kälberweideplätze lagen meist um oder in der Nähe einer Kapelle, so auch in Kellmünz am Fuße des Heubergs. Der trug nämlich bis ins 17. Jahrhundert hinein eine Kapelle. Auf der anderen Anhöhe von Kellmünz liegt der Johannisberg, getrennt von der Staigstraße, welche zur Illerbrücke hinunterführt. „Auf dem Johannisberg stand unser einstiges Schloss“, ein mittelalterlicher Herrschaftssitz. Mit einer Brücke über die Staigstraße war die „Gartenanlage zum Lustwandeln und Spaziergang unter dem Schatten der Bäume“ mit dem Schloss verbunden – daher die Adresse Lustgarten.