Sender in Ulm
: Radio free FM braucht Hilfe – und geht auf den Friedhof

Der Sender benötigt Spenden, um seine Arbeit wie gewohnt fortsetzen zu können. Aufmerksamkeit soll die Reihe „Sperrstunde 2.0“ an besonderen Orten bringen.
Von
Marcus Golling
Ulm
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"Gib Geld": Johanna Gutmann und Erik Kasenow von Radio free FM zeigen das Spendenplakat.

„Gib Geld“: Johanna Gutmann und Erik Kasenow von Radio free FM zeigen das Spendenplakat.

Marcus Golling
  • Radio free FM in Ulm hat eine jährliche Finanzierungslücke von 20.000 Euro.
  • Der Sender startet eine Spendenkampagne: „Gib Geld. Freies Radio ist nicht umsonst“.
  • Einnahmen kommen überwiegend von der LFK, doch steigende Kosten und Technik belasten.
  • „Sperrstunde 2.0“ soll Aufmerksamkeit bringen – drei Konzerte an besonderen Orten.
  • Termine: 17.10. Parkhaus Bahnhof, 7.11. Feuerwehr Söflingen, 28.11. Aussegnungshalle.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Schön, wenn man den eigenen Hörerinnen und Hörern etwas bieten kann. Auch denen, die noch gar keine sind und vielleicht nur selten Live-Musik erleben. Rund 1000 Menschen kamen am Jahresbeginn zu den drei Konzerten der von Radio free FM in Kooperation mit der Popbastion organisierten Reihe „Sperrstunde“ in der Wengenkirche, in der Pionierkaserne, in einem Waschsalon. „Wir erreichen die Leute“, sagt Erik Kasenow, der Geschäftsführer des unabhängigen Senders. Nicht nur im Äther oder online, sondern im echten Leben.

Das ist für Radio free FM wichtiger denn je, denn wie andere freie Lokalradios ist auch die Welle aus dem Ulmer Büchsenstadel finanziell in einer schwierigen Situation. „Wir sprechen aktuell von einer Lücke von 20.000 Euro“, sagt Kasenow, pro Jahr wohlgemerkt. Wenn man diese nicht schließen könne, seien Einschnitte im Programm irgendwann unvermeidlich. Neben steigenden Kosten seien auch technische Investitionen ein Thema, etwa in eine Übertragung auf DAB.

Finanziert mit dem Rundfunkbeitrag

Wie vergleichbare Angebote wird Radio free FM überwiegend von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) aus Mitteln aus dem Rundfunkbeitrag finanziert. Nur 2,5 hauptamtliche Stellen gibt es im Sender, neben der Geschäftsführers noch die Ehrenamts- und die Ausbildungskoordination, dazu einige Minijobs, einen Auzubi und zwei Bundesfreiwilligendienstleistende.

Dass so überhaupt ein 24-Stunden-Programm produziert werden kann, liegt vor allem an den Ehrenamtlichen, die eigene Sendungen machen. Das Spektrum reicht von experimentellen Elektro-Sounds bis zu den „Stimmen aus der Ukraine“. Das Tagesprogramm wird vor allem von Praktikantinnen und Praktikanten gewuppt.

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Laut Ausbildungskoordinatorin Johanna Gutmann kommen so rund 40 junge Leute pro Jahr erstmals in Berührung mit dem Radio und der Medienwelt überhaupt. „Wir leisten einen wichtigen Beitrag zur Medienbildung“, sagt sie. Radio free FM trage zum gesellschaftlichen Austausch in der Stadt bei, bilde als Bürgermedium neben den Öffentlich-Rechtlichen und den Privaten die dritte Säule der Medienlandschaft. „Aber diese Säule steht nicht mehr auf einem stabilen Fundament.“

Um dieses zu stärken, läuft aktuell eine Spendenkampagne, auf die auch Plakate in der Stadt hinweisen. „Gib Geld. Freies Radio ist nicht umsonst“, steht auf gelbem Grund. Spenden kann man über PayPal, per Überweisung oder per Bankeinzug, einmalig oder monatlich. Und natürlich wird auch auf Veranstaltungen die Spendenbox (beziehungsweise das Kartenlesegerät) aufgestellt. Zum Beispiel bei der „Sperrstunde 2.0“, wo das Publikum wegen des freien Eintritts spendabel sein könnte.

Schwierige Suche nach Orten

Finanziert werden die drei Konzerte mit einer Landesförderung aus dem Programm „Perspektive Pop“ (15.000 Euro) und aus dem städtischen Kulturetat (5000 Euro). Wie bei der ersten Runde haben Radio free FM und die Popbastion wieder nach Off-Locations gesucht – was laut Popbastion-Leiter Laurin Basler ziemlich schwierig war. Geholfen hat die Kommune, so dass diesmal drei „halb-städtische“ Orte bespielt werden.

Start der Reihe ist am 17. Oktober, 19 Uhr, mit einem Live-Techno-Abend auf der untersten Ebene im Parkhaus am Bahnhof (Zugang bei den Fahrradständern am ZOB). Es spielen Kimber aus Ulm, dazu Scttrd aus Augsburg und das Pulsar Collective aus Berlin. Zwischen Punk und New Wave bewegt sich dann die zweite „Sperrstunde“ am 7. November bei der Feuerwehr in Söflingen, mit Euroteuro aus Wien, Das Manische Magazin aus Augsburg und Noise Church aus Ulm.

Beim dritten Abend sind die Organisatoren selbst ein bisschen von ihrem Mut überrascht: Der findet am 28. November in der Aussegnungshalle auf dem Neuen Friedhof statt, musikalisch bewegt sich das Programm zwischen Synth-Pop und Neo-NDW, vertreten von Ulla Suspekt aus Nürnberg sowie Der Assistent und Carlo Karacho aus Berlin. Kasenow und Basler betonen, dass man die besondere Umgebung ernst nehmen werde, im Rahmenprogramm würden sich auch Initiativen präsentieren, die sich mit dem Thema Trauer beschäftigen. „Das soll nicht makaber sein“, sagt Kasenow.

Er und seine Mitstreiter hoffen auf großes Interesse an „Sperrstunde 2.0“, auch mit Blick auf eine mögliche Ausgabe 3.0 im kommenden Jahr – dann wahrscheinlich mit etwas verändertem Konzept. Eine Landesförderung ist dann laut Basler nicht mehr möglich, das mit dem freien Eintritt könnte dann schwierig werden. Freies Radio ist nicht umsonst, interessante Konzerte nur ausnahmsweise.

Spenden – oder mitarbeiten

Spenden kann man online auf freefm.de/spenden. Radio free FM wurde 1995 gegründet und wird von zwei Vereinen getragen, einem für die Redaktion und einem für Freunde und Förderer. Insgesamt gibt es aktuell rund 300 Mitglieder, gut ein Drittel davon engagiert sich aktiv, unter anderem auch mit eigenen Sendungen. Laut Geschäftsführer Erik Kasenow freut sich das Radio jederzeit über neue Mitglieder.