SEK-Einsatz am Ulmer Münster
: Diese Form von Protest braucht keiner

Wer in einer Demokratie etwas ändern will, muss andere überzeugen. Illegale und gefährliche Kletter-Aktionen bewirken eher das Gegenteil, meint Alexander Kern in seinem Kommentar.
Kommentar von
Alexander Kern
Ulm
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Ulmer Münster - Klimaprotest

Mit einem Hubsteiger holten SEK-Kräfte die Aktivisten vom Turm.

Matthias Kessler

Nun hing es also doch. Das große Banner am Ulmer Münster, mit dem drei Klimaaktivisten die Frage aufwerfen, ob Jesus einer von ihnen gewesen wäre. Ein Kämpfer für die Umwelt, ein Aktivist, der Plakate malt und bei Demonstrationen mitmacht. Es ist ein Gedankenspiel, das die – nach eigenen Angaben – christlichen Klima-Kletterer gerne mit führenden Theologen durchdiskutieren können. Die illegale und vor allem hochriskante Aktion auf dem Münster geht jedoch entschieden zu weit.

Gefahr klettert immer mit

Die Aktivisten sehen sich moralisch im Recht, für sie heiligt der Zweck die Mittel. Dass sie dabei nicht nur sich selbst in Lebensgefahr begeben, sondern auch die Einsatzkräfte in eine heikle Situation bringen, stört sie ganz offensichtlich kaum. Stattdessen üben sie sich vor allem in Überheblichkeit: Absturz-Gefahr? Man habe ja eine Kletterzertifizierung. Fragiler Münster-Sandstein? Man braucht nur die richtigen Schoner. Alles halb so wild, alles kein Problem, alles im Griff – von wegen. Die Gefahr klettert immer mit.

Wer in einer Demokratie etwas ändern will, muss andere überzeugen. Aktionen wie diese bewirken eher das Gegenteil. Sachliche Anliegen rücken in den Hintergrund, Sympathien in der Mitte der Gesellschaft werden verspielt. Diese Form von Protest braucht keiner.