Warum greift ein Mensch offenbar völlig unvermittelt zwei Schulmädchen an und sticht sie mit einem Messer brutal nieder? Am Donnerstag, den 05.01.2023, ist es genau einen Monat her, dass im beschaulichen Illerkirchberg bei Ulm ein schreckliches Verbrechen verübt wurde. Der Angriff kostete ein 14 Jahre altes Mädchen das Leben, ihre 13 Jahre alte Freundin wurde schwer verletzt. Der Fall erschütterte ganz Deutschland.

Das Motiv für den Mord in Illerkirchberg ist noch unklar

Seither fragen sich die Menschen in der Region – und vor allem die Angehörigen, Freunde und Nachbarn der getöteten 14-jährigen Ece und ihrer schwer verletzen Freundin: Wo lag das Motiv für die Tat? Den Ermittlern zufolge gab es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Opfer und der Tatverdächtige einander kannten. Dem 27-Jährigen wird Mord und versuchter Mord vorgeworfen. Er hatte zunächst zu den Vorwürfen geschwiegen, sich aber nach einer ersten Vernehmung aussagebereit gezeigt.

Was die Staatsanwaltschaft zur Aussage des Verdächtigen sagt

Informationen zum Motiv wird die Öffentlichkeit wohl auch nach der Vernehmung am Donnerstag, 05.01.2023, nicht bekommen. Michael Bischofberger, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ulm, teilt auf Nachfrage mit: „Mit Sicherheit wird heute nichts zum Inhalt bekannt gegeben.“ Man müsse die Aussagen des mutmaßlichen Täters erst einmal verschriftlichen und mit bisherigen Erkenntnissen abgleichen. Außerdem solle verhindert werden, dass Zeuginnen und Zeugen, die später eventuell vor Gericht aussagen, durch Angaben des Verdächtigen in den Medien beeinflusst werden.

Tatverdächtiger macht Aussage bei Vernehmung im Krankenhaus

Bischofberger erklärt, dass die Vernehmung zudem lange dauern könnte. Sie findet wohl im Krankenzimmer des 27-Jährigen statt: Nach der Tat war er mit erheblichen Verletzungen ins Krankenhaus gekommen und wurde stundenlang operiert. Aktuell befindet er sich in einem Justizvollzugskrankenhaus. Für die Vernehmung müsse in dem Krankenzimmer Technik aufgebaut werden, sie werde auf Video aufgenommen, sagt Bischofberger. Auch ein Dolmetscher werde womöglich anwesend sein. „Das kann sich eventuell ziehen.“

Aktuelle Infos zur Aussage des mutmaßlichen Angreifers aus Illerkirchberg

Am späten Donnerstagnachmittag sagt Bischofberger auf Nachfrage: Auch eine kurze Mitteilung dazu, ob der Tatverdächtige überhaupt ausgesagt hat, wird es an diesem Tag wahrscheinlich nicht mehr geben. Er habe selbst noch keine Rückmeldung von seinen Kollegen erhalten. Zuvor hatte der Oberstaatsanwalt mitgeteilt, dass eventuell eine knappe Presseinfo verschickt werde: „Das wird abhängig davon gemacht, wie die Vernehmung läuft.“

Fakten: Was zur Messer-Attacke auf die zwei Mädchen bekannt ist

  • Den Ermittlern der Kriminalpolizei zufolge gab es keine Anhaltspunkte dafür, dass die beiden Mädchen und der Asylbewerber einander kannten.
  • Die medizinischen Untersuchungen haben laut Staatsanwaltschaft und Kripo keine Anhaltspunkte ergeben, dass der Beschuldigte bei der Tat unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen gestanden hätte.
  • Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft hatte erklärt, dass es nach wie vor keine Hinweise auf eine psychische Erkrankung des mutmaßlichen Täters gebe.

Appell der Eltern gegen Hass und Hetze nach der Messerattacke

Die Eltern des getöteten Mädchens hatten in einem Brief gefordert, die Tat nicht für Hetze zu instrumentalisieren. Und sie appellierten im Namen ihrer getöteten Tochter: „Lassen wir es nicht zu, dass das abscheuliche Verbrechen unsere Gesellschaft weiter spaltet. Neben der Politik hat vor allem die Presse eine große Verantwortung. Geben wir Hass, Hetze und Rassismus keinen Raum, ansonsten stirbt auch unser gemeinsames Miteinander.“
Nuray und Mesut S. führen weiter aus: „Auch in den dunkelsten Stunden sollten wir den Frieden zwischen allen Menschen und ihren Kulturen und Religionen suchen. Ohne diesen Frieden gibt es keine Zukunft.“