Mann am Rand der Existenz: „Es ist der Wahnsinn, was die Psyche mit einem anstellt“

Sein Hund ist für Jürgen S. „einziger Lichblick, mein Freund und mein Therapeut“.
Barbara Hinzpeter- Jürgen S. leidet unter vielen Krankheiten und lebt in Armut aufgrund seiner psychischen Verfassung.
- Er lebt von einer Erwerbsminderungsrente, die er wegen Burn-out und psychosomatischen Erkrankungen erhält.
- Nach der Scheidung und dem Verlust seiner Eltern an Krebs, ist sein Hund sein einziger Lichtblick.
- Er kauft alles auf Raten, inklusive Lebensmittel und Hundefutter.
- Die Aktion 100.000 sammelt Spenden für ihn.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenn er seinen kleinen Hund nicht hätte, könnte sich der 65-Jährige an diesen trüben Tagen nicht zu einem Spaziergang aufraffen. Möglicherweise käme er gar nicht vom Sofa runter. Das Prachtstück hat er von seinem Onkel geerbt und ordentlich aufgemöbelt. Er hat es frisch bezogen, mit Stoffen, die er günstig erwerben konnte.
Bescheiden eingerichtet und blitzsauber
Fast die komplette Einrichtung in der blitzsauberen Ein-Zimmer-Wohnung besteht aus Gebrauchtmöbeln, die der handwerklich begabte gelernte Elektriker auf seinen Bedarf zugeschnitten hat. Nach der Scheidung seiner Ex-Frau vor etwas mehr als zehn Jahren stand Jürgen S. (Name geändert) buchstäblich vor dem Nichts
Nur die Stereo-Anlage blieb ihm
Lediglich seine Stereo-Anlage ist ihm geblieben. Was er sonst besaß, verkaufte er, um sich mit dem Geld ein neues Bett und einen Teppich anzuschaffen. Schon damals war er knapp bei Kasse, lebte zuerst von Hartz IV, dann von Erwerbsminderungsrente. Allerdings habe es etwas gedauert, bis die Leistung aufgrund seiner psychosomatischen Erkrankung schließlich dann auch gewährt wurde.
Begonnen hat sie mit einem Burn-out im Jahr 2008. S. arbeitete bis dahin als Subunternehmer im Auftrag einer Dienstleistungsfirma für Abrechnungsservice und war an sieben Tagen pro Woche in einem großen Gebiet unterwegs. Er achtete nicht auf Pausen, Erholung und Gesundheit. Die Folgen: Kreislaufkollaps und Nervenzusammenbruch. Burnout.
Probleme beim Laufen und Essen
Dass seine Frau in der Zeit einen Schlaganfall erlitt, belastete ihn zusätzlich. Als er sie in der Klinik besuchen wollte, spürte er erstmals die Veränderung: „Ich war von der Hüfte an abwärts völlig steif und konnte nicht mehr gehen“, erläutert er. Bei wochen- und monatelangen Krankenhausaufenthalten konnten die Ärzte keine körperlichen Ursachen identifizieren. „Sie haben mich aufgeschnitten und nichts gefunden“, sagt S. „Ich konnte ein Jahr lang nicht mehr richtig laufen, bin rumgetappt wie eine Ente“, erzählt der 65-Jährige. Bei jedem Essen kollabierte sein Kreislauf, er nahm extrem ab.
Ehe kaputt und Eltern sterben nacheinander an Krebs
Jahrelang war er zu nichts fähig, war schwer depressiv. Die Ehe zerbrach. Hinzu kommt, dass während dieser Krankheitsphase zuerst sein Vater und kurz darauf die Mutter an Krebs starben. Dank stationärer Klinik- und Kuraufenthalte sowie hochdosierter Medikamente, auf die er auch heute noch angewiesen ist, hat er sich so weit erholt, dass er den Alltag bewältigen kann. Doch seine Kraft reicht gerade für zwei bis drei Stunden Aktivität, danach muss er sich erschöpft ausruhen.
Er leidet an Knochenschwund, wird von Schmerzen geplagt. „Länger als eine halbe Stunde kann ich nicht gehen“, sagt er. Er ist auf ein Auto angewiesen. Doch sein Kleinstwagen ist derzeit nicht fahrbereit. Er hofft, ihn zusammen mit einem Kumpel reparieren und dann verkaufen zu können, um mit dem Erlös ein gebrauchtes Ersatzfahrzeug finanzieren zu können – zumindest teilweise.
Nur einmal pro Woche ist Brot vom Bäcker drin
Ohnehin kauft er alles auf Raten, sogar die Schuhe, die er sich im Versandhandel bestellt. Das Geld, das er im Monat zur Verfügung hat, „reicht höchstens drei Wochen“. Er trägt gebrauchte Kleidung, Lebensmittel kauft er im Tafelladen oder im Discounter. Einmal pro Woche gönnt er sich ein Brot vom Bäcker. Denn vom Gebäck aus dem Supermarkt bekomme er Magenschmerzen. Die kriegt er im übertragenen Sinn auch in der Bäckerei-Filiale, wenn er die verlockenden Kuchen und süßen Stückle sieht, die er sich nicht leisten kann. „Dabei liebe ich Süßes.“
Armut und Krankheit treiben in die Isolation
Aber er muss die Cents zusammenhalten, nicht zuletzt, um das Hundefutter für seinen an Arthrose leidenden Vierbeiner bezahlen zu können. Der ist Allergiker und benötigt Spezialnahrung. „Aber er ist mein einziger Lichtblick, mein Freund und mein Therapeut“, sagt Jürgen S. Denn auch das hat er erfahren: Wer arm und krank ist und nicht mehr ausgehen kann, hat nicht mehr viele Freunde.
Direkte Unterstützung
Wer Jürgen S. gezielt helfen möchte, vermerkt auf seiner Überweisung unter Verwendungszweck das Stichwort „Jürgen S.“.
Die Spendenkonten sind:
Bei der Volksbank Ulm-Biberach: IBAN DE79 6309 0100 0002 3640 18
Bei der Sparkasse Ulm: DE47 6305 0000 0000 1000 03
Bei der BW-Bank: DE05 6005 0101 7439 5013 93

