Scham, unter Leute zu gehen
: Von Geburt an schwerstbehindert und nun auch noch ohne Zähne

Angelika P. hat es hart getroffen. Im Sommer mussten aus gesundheitlichen Gründen alle Zähne gezogen werden. Die 52-Jährige hat kein Geld für notwendige Implantate und traut sich nicht mehr zu lachen. Die Aktion 100 000 soll helfen.
Von
Barbara Hinzpeter
Ulm
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Rolli-Fahrerin Angelika P. benötigt rund um die Uhr Hilfe von Assistenzkräften.

Rolli-Fahrerin Angelika P. benötigt rund um die Uhr Hilfe von Assistenzkräften.

Barbara Hinzpeter
  • Angelika P., seit Geburt schwerstbehindert, verlor im Sommer alle Zähne, kann sich Implantate nicht leisten.
  • Ihr Alltag erfordert rund um die Uhr Assistenz, besonders bei der Körperpflege und Mundhygiene.
  • Zahnlosigkeit schränkt ihre Lebensqualität stark ein, sie verlässt kaum noch das Haus.
  • Spendenaufruf gestartet, um Angelika P. zu helfen, acht spezielle Implantate zu finanzieren.
  • Spendenkonten bei Volksbank Ulm-Biberach, Sparkasse Ulm und BW-Bank verfügbar.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Angelika P. ist eine Kämpferin. So schnell bringt sie nichts aus der Fassung. Sie hat sich in ihrem Leben schon einen riesengroßen Traum erfüllt und manche Krise überstanden.  Aber als ihr Zahnarzt ihr im Sommer sagte, dass aus gesundheitlichen Gründen alle ihre Zähne gezogen werden müssen, „da war ich am Boden zerstört“, sagt die 52-Jährige. Sie wurde mit einer Schädigung des zentralen Nervensystems geboren und ist von Geburt an schwerstbehindert, ihre Arme und Beine sind gelähmt.

Doch ihr Verstand ist hellwach, sie hat Humor und lacht  – eigentlich – gern. Aufgewachsen ist sie im Allgäu, sie besuchte eine Schule für Körperbehinderte und lebte viele Jahre im Heim. Als sie den Wunsch äußerte, wie ihre Mitschüler und Mitschülerinnen in eine eigene Wohnung zu ziehen, wurde sie von vielen Menschen in ihrem Umfeld für verrückt erklärt. „Immer wieder musste ich mir anhören: Das schaffst du gar nicht, du bist viel zu schwer behindert“, erinnert sie sich an die Reaktionen. Sie musste viele Widerstände insbesondere von Behörden und Kostenträgern überwinden, um nach Ulm in eine eigene Wohnung ziehen zu können, wo sie rund um die Uhr von Assistenzkräften betreut wird. Seit 2007 lebt sie nun dort, und es macht sie stolz, all die Hürden überwunden zu haben.

Würgereiz verhinderte Mundhygiene

Auf die Frage, ob sie die Entscheidung, selbstständig zu wohnen, manchmal bereut hat, kommt prompt und eindeutig die Antwort: „Nein. Nie!“. Obwohl sie bei allem, was ihren Alltag ausmacht, auf Unterstützung angewiesen ist. „Ich kann nicht einmal ein Glas nehmen, um etwas zu trinken“, beschreibt sie den Hilfebedarf, der natürlich auch die Körperpflege betrifft. Besonders schwierig waren für sie und ihre Helferinnen und Helfer die Mundhygiene und das Zähneputzen. Aufgrund ihres ausgeprägten Würgereizes sei das nicht ausreichend möglich gewesen, worunter das komplette Gebiss im Laufe der Jahre gelitten hat. Mit einer gründlichen Sanierung war zu rechnen.

Sämtliche Zähne in Vollnarkose entfernt

Doch die Diagnose, dass gar nichts mehr zu retten ist, war ein Schock für sie. Im September wurden ihr unter Vollnarkose sämtliche Zähne entfernt. Dazu reiste sie in eine Münchner Zahnklinik, da sie stationär aufgenommen werden und nach der Operation noch eine Nacht beobachtet werden musste.

Seit dem Verlust ihrer Zähne verlässt sie das Haus fast nur noch zu wichtigen Arzt- oder Therapie-Terminen. Dabei liebt sie es, ins Konzert oder Theater zu gehen. Doch „die Scham, unter Leute zu gehen, ist einfach zu groß.“ Wenn sie fotografiert wird, vermeidet sie es zu lachen. Ihr Zahnarzt empfehle acht spezielle Implantate, die leicht zu pflegen seien und an denen der restliche Zahnersatz befestigt werden könnte. „Aber wie soll ich das bezahlen?“, fragt die Wahl-Ulmerin.

Die gesetzliche Krankenkasse komme nicht für die Kosten der Implantate auf. Sie bezahle lediglich die „normale Versorgung“, also eine herausnehmbare Prothese, eine Brücke oder die Konstruktion über den Implantaten. Eine Vollprothese mit Gaumenplatte kommt für Angelika P. jedoch wegen ihres extremen Würgereizes nicht infrage. Sie könnte eine Prothese auch gar nicht selbst einsetzen.

Zahnlosigkeit verhindert Teilhabe am Leben

Die 52-Jährige wünscht sich daher sehnlich wieder feste Zähne, mit denen sie „normal essen“ kann. „Die weiche Kost nervt allmählich“, sagt sie. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung sei sehr erschwert. Außerdem würde sie „gerne mal wieder in eine Wurst beißen“ – und nicht zuletzt wie früher am kulturellen Leben teilnehmen. Ob und wann dieser Traum in Erfüllung geht, „ist eine Frage der Finanzierung“, sagt sie.

Angelika P. direkt helfen

Wer Angelika P. gezielt unter die Arme greifen möchte, schreibt auf seiner Überweisung unter Verwendungszweck das Stichwort  „Angelika P.“.

Die Spendenkonten sind:

Bei der Volksbank Ulm-Biberach: IBAN DE79 6309 0100 0002 3640 18

Bei der Sparkasse Ulm: DE47 6305 0000 0000 1000 03

Bei der BW-Bank: DE05 6005 0101 7439 5013 93