Gefahr im Wasser
: DLRG meldet mehr Badetote und vermisste Schwimmer in BW

Viele Menschen in Baden-Württemberg zieht es zum Baden und Schwimmen in Flüsse und Seen. Doch Vorsicht: Manche Gewässer sind lebensgefährlich!
Von
dpa
Ulm/Hüfingen
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Tag der Wasserrettung: ARCHIV - 12.09.2019, Bayern, Prien: Wasserretter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) fahren in einem Schnellboot über den Chiemsee. Anlässlich des Tags der Wasserrettung hat die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) verschiedene Übungsszenarien auf dem Chiemsee vorgeführt. Nun hat die Organisation die Statistik der Badetoten für das Jahr 2023 vorgelegt. In Bayern ertranken vergangenes Jahr 62 Menschen, die meisten in Flüssen oder Seen. Im Vorjahr waren es der Statistik zufolge 70 Tote. (zu dpa: «DLRG-Rettungsschwimmer gerüstet für die Badesaison») Foto: Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Aktuell gibt es sehr viel mehr Badetote und Vermisste Schwimmer in Baden-Württemberg. Die DLRG legt neue Zahlen dazu vor.

Matthias Balk/dpa

Erst am Wochenende haben mehrere Badeunfälle die Rettungskräfte in Baden-Württemberg in Atem gehalten. So waren die Helfer in Ulm seit Freitag auf der Suche nach einem vermissten 17-Jährigen in der Donau. Die Strömung war so stark, dass sie den Jugendlichen beim Versuch, ans Neu-Ulmer Ufer zu schwimmen, mitgerissen hatte. Laut Zeugen ging der junge Schwimmer unter und tauchte nicht wieder auf. Rettungskräfte starteten umgehend eine umfangreiche Suche mit Rettungstauchern, Sonargerät und sogar Hubschrauber.

Doch die Bedingungen waren so widrig – sehr starke Strömung und extrem trübes Wasser in der Donau –, dass die Suche lange unterbrochen werden musste. Am Mittwochabend dann die traurige Gewissheit: Die Leiche des Jugendlichen wurde aus dem Fluss geborgen.

Immer mehr Badetote in Baden-Württemberg

Bereits im vergangenen Jahr sind in BW deutlich mehr Menschen ertrunken als noch 2022. Die DLRG stellte nun ihre neuen Zahlen zu Badeunfällen vor: Von Januar bis Juli 2024 ertranken in Baden-Württemberg laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mindestens 27 Menschen. Das ist einer mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. „Bei einem beständigeren Sommer wären sicher noch mehr Menschenleben zu beklagen gewesen“, sagte DLRG-Präsidentin Ute Vogt in Düsseldorf bei der Vorstellung der bundesweiten Zahlen, die um 35 auf mindestens 253 Tote gestiegen sind.

Die meisten Badetoten in BW gibt es in Seen

In Baden-Württemberg starben bislang die meisten Menschen in Seen. Markus Mang von der DLRG Württemberg warnt vor allem vor unbewachten Badestellen. „Ertrinken ist leise“, sagte er. „Wenn niemand von Ihnen weiß, kann auch niemand helfen.“ Es sei auffällig, dass dort, wo die Rettungsschwimmer im Einsatz seien, deutlich weniger Menschen gefährdet seien.

„Gehen Sie vor allem dort schwimmen, wo Sie nicht alleine sind, am besten an bewachten Stellen. Gehen Sie nicht alleine. Und nutzen sie am besten eine Schwimmboje.“ Die aufblasbaren und signalfarbenen Bojen können mit einem langen Gurt am Körper befestigt und beim Schwimmen hinterhergezogen werden. Sie dienen bei Notfällen wie einem Krampf als eine Art Rettungsring und können bei Pausen als Polster genutzt werden.

DLRG warnt vor Gefahr in Flüssen

Insgesamt acht Menschen kamen bis Ende Juli in baden-württembergischen Flüssen ums Leben. Die strömenden Gewässer bergen die meisten Gefahren, wie DLRG-Präsidentin Vogt sagte. „Vom Schwimmen in Flüssen kann ich den allermeisten nur abraten.“

Zwei von drei Unfallopfern (18) waren Männer, zehn davon waren älter als 70 Jahre. Bei älteren Schwimmern sind immer wieder gesundheitliche Vorerkrankungen Grund für Badeunfälle. „Vor allem Männer überschätzen sich, sie unterschätzen die Gefahr und sie treffen keine Vorsorge zum Selbstschutz“, sagte Mang.

Vorsicht am, im und auf dem Wasser!

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft mahnt Badegäste und Wassersportler zu mehr Vorsicht im, am und auf dem Wasser. Vor allem an Gewässern im Binnenland gebe es Gefahren, die oft nicht bekannt seien oder falsch eingeschätzt würden - etwa Strömungen, kühle Wassertemperaturen oder Boots- und Schiffsverkehr, teilte die DLRG mit. Ein plötzlicher Sturz oder Sprung mit aufgeheiztem Körper ins kühle Wasser könne lebensgefährlich werden. „Selbst geübte Schwimmer sollten daher immer eine Schwimmweste tragen“, hieß es.

Immer weniger Kinder und Jugendliche können schwimmen

Die DLRG warnt vor allem vor einem „Trend zu immer mehr Nichtschwimmern und schlechten Schwimmern“, den es dringend zu stoppen gelte. Auch württembergische Ausbilder melden laut DLRG zunehmend, selbst in höheren Schulklassen könnten immer weniger Jugendliche gut schwimmen.

Etliche Schwimmbäder klagen laut DLRG über Personalmangel, zahlreiche Gewässer sind weiter unbewacht und die Freiwilligen können inzwischen weniger Zeit für ihr Ehrenamt aufbringen. Mindestens jede fünfte Grundschule kann laut DLRG mangels eines erreichbaren Schwimmbades keinen Schwimmunterricht anbieten, bundesweit ist die Hälfte der Bäder sanierungsbedürftig, künftige Wasserretter können so nicht ausgebildet werden.

Wie groß und wichtig ist die DLRG?

Die DLRG, nach eigenen Angaben die größte Wasserrettungsorganisation der Welt, ist auch die Nummer Eins in der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung in Deutschland. Die baden-württembergischen Lebensretter zählen etwas mehr als 8.000 ehrenamtliche Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer (2022: 6.090), die im vergangenen Jahr fast 229.000 Stunden Dienst in der Wasserrettung geleistet haben (2022: 209.000). Im selben Zeitraum stieg die Zahl der ehrenamtlichen Schwimmausbilderinnen und Schwimmausbilder um rund 200 von auf fast 7.000.