Fußball-EM 2024: Kein ganz friedliches Fußballfest in Ulm

Feiern und Autokorso nach dem EM-Achtelfinalsieg Deutschlands über Dänemark in Ulm
Samuel TschaffonGroßer Jubel vor und in den Kneipen und Restaurants in der Region: Tausende Fans haben das Spiel gemeinsam geschaut und feiern den Sieg der Deutschen im Achtelfinale der EM über Dänemark. Danach wurde in der Neuen Mitte mit dem obligatorischen Autokorso gefeiert. Die Polizei versuchte, die Feiernden von der Straße zu halten, damit der Verkehr fließen konnte – und hatte dabei ganz schön zu tun.

Fußballfans feiern in der Neuen Mitte den Achtelfinalsieg der Deutschen Elf.
Amelie SchröerNach Angaben der Polizei blieb es bei den Feiern in der Nacht nicht bei Singen, Tanzen und Autokorsos. Es sei zu mehreren Zwischenfällen gekommen, sagte ein Sprecher am Morgen, darunter am Münsterplatz und an der Friedrich-Ebert-Straße. In beiden Fällen seien zerborstene Flaschen als Waffen eingesetzt worden. Eine ausführliche Bilanz folge. Bei dem Zwischenfall am Münsterplatz sei ein Polizeibeamter verletzt worden.
Polizeieinsatz am Münsterplatz
Direkt nach dem Abpfiff hatte es hier einen größeren Einsatz gegeben, mindestens zehn Polizistinnen und Polizisten waren vor Ort. Augenzeugen berichteten davon, dass mehrere Menschen mit abgebrochenen Flaschen aufeinander losgegangen seien.

Polizei im Einsatz nach dem Achtelfinal-Sieg Deutschlands über Dänemark.
Amelie SchröerEin Beteiligter erhielt laut Augenzeugen von der Polizei einen Platzverweis für den Münsterplatz. Damit war er offenbar nicht einverstanden und ging auf die Polizisten los. Beamte brachten ihn zu Boden und hatten Mühe ihn zu bändigen. Fünf Polizisten hielten den Schreienden fest. Weitere Streifen rückten an. Den Umstehenden war angesichts solcher Szenen nicht zum Jubeln zumute.
Gefährliche Szenen
Immer wieder mussten Polizisten in der Neuen Mitte eingreifen, weil Menschen auf die Straße rannten und der Verkehr nicht fließen konnte. Die Beamten wollen Szenen wie nach dem letzten Türkei-Spiel vermeiden. Da hatte der Autokorso ebenso gestockt und die Menschen waren kurzerhand zu Fuß die Neue Straße hinuntergezogen.
Anwohner kritisieren ausschweifene Feiern
Die Feiern im Rahmen der EM waren bereits in der Vorrunde gut besucht. Die Fans vieler verschiedener Nationen feierten die Siege ihrer Teams, teilweise stundenlang. Sehr zum Leidwesen so manches Anwohners. Eine Bewohnerin der Ulmer Neustadt meldete sich in einer E-Mail bei der Redaktion der SÜDWEST PRESSE. Sie bemängelt, die Perspektive „derjenigen, die zwar gerne die Spiele der EM anschauen, aber danach auch ihre Bettruhe benötigen“, würde zu kurz kommen. Nach dem letzten Spiel der Türkei etwa sei dies bis 1 Uhr nachts nicht möglich gewesen, „trotz geschlossener Schallschutzfenster“. Vor allem der ausufernde Autokorso mit stundenlangem Hupen habe sie gestört. „Grundsätzlich ist das Hupen innerorts verboten und Bußgeld pflichtig. Dass die Polizei in Ausnahmefällen mal ein Auge zudrückt, ist verständlich und auch für die Anwohner erträglich. Aber mittlerweile wird ja fast nach jedem Spiel ausgiebig und bis in die Nacht hinein gehupt und es wird zu einer Belästigung und Belastung“, schreibt die Leserin. Sie fordere, dass die Polizei gegen die ausufernden Feiern vorgehe.
Gute Laune in der Neuen Mitte
Wie friedliches Feiern geht, zeigten Fans am Samstagabend in der Neuen Mitte. Sie hüpften, johlten und sangen: „Völlig losgelöst“.
Einige Fans schwenkten schwarz-rot-goldene Fahnen. Rechts und links der Neuen Straße hatten sich einige mit einer großen Deutschlandflagge positioniert und ließen Autos drunter durchfahren. Der Reporter vor Ort: „Das sieht aus, als würden die mit den Fahnen die Autos streicheln.“

Autokorso in der Neuen Mitte nach Achtelfinalsieg Deutschlands.
Niko DirnerRückblick auf die zweite Halbzeit
Halbzeit zwei begann für viele mit dem nächsten Getränk. Anfangs wurden mehr Biere geleert als Tore fielen. Dann eine kurze Schrecksekunde, als der Ball im Tor von Manuel Neuer landete. Als der Schiedsrichter nach Videobeweis entschied: kein Tor für Dänemark, brandete Jubel auf, als hätte Deutschland selbst ein Tor geschossen. Und dann mehr Jubel, als Deutschland einen Elfmeter nach Handspiel zugesprochen bekam. Und prompt verwandelte.
Auch das 2:0 wurde in den Ulmer Kneipen lautstark gefeiert. Kurz vor Abpfiff sangen Fans vor der „Zill“: „Oh, wie ist das schön!“
Guckst du noch oder jubelst du schon?
Was bei den Toren deutlich zu hören war: Einige Übertragungen hatten eine leichte Verzögerung. Am Q-Muh am Fuß des Lautenbergs wurde immer einige Minuten später gejubelt oder gestöhnt als vor dem M-Club. Am Extrablatt am Münsterplatz auch: Drinnen jubelten sie früher als draußen, wieder ein paar Sekunden später reagierten die Fans in der Marktbar.
Ähnliches Bild im Vöhringer Sportpark: Drinnen Jubel, draußen schauten einige Fans auf ihren Handys. Sie sahen das Tor leicht zeitversetzt und jubelten entsprechend ein paar Sekunden später.

Impressionen aus dem Glacis-Park in Neu-Ulm.
Samuel TschaffonLetzte Italien-Fans auf dem Weg nach Hause
Vor der Eisdiele Voi am Anfang der Hirschstraße brachen in der Halbzeit des Deutschland-Spiels die letzten Fans der Italiener auf. Die Italienfahne klemmte zusammengerollt unterm Arm. Die Köpfe hingen etwas, aber die Stimmung war nicht allzu traurig.
Halbzeit. Durchschnaufen bei den Fans. Insgesamt war die Stimmung allerdings ein wenig eingeschlafen, sicherlich hatte auch die Spielunterbrechung dazu beigetragen. Die Gastronomen dürften sich dafür freuen, denn je länger das Spiel geht, desto mehr geht natürlich über die Theken.
Spielunterbrechung wegen Gewitter
Viele Fans in Ulm nutzten die Spielunterbrechung des EM-Achtelfinales Deutschland-Dänemark für eine Pinkelpause. Während sie bei bestem Wetter in Kneipen, Restaurants und anderen Locations zusammensaßen, schüttete es um 21.40 Uhr in Dortmund wie aus Kübeln, es donnerte und blitzte. Sogar Hagel fiel. Erst kurz vor 22 Uhr war Wiederanpfiff der Partie.
Im Glacis-Park nutzten viele die Pause für den Klogang oder um sich ein weiteres Bier zu holen. „Auf Schalke hätten sie das Dach zugemacht und weitergespielt“, fachsimpelt ein Public-Viewing-Besucher mit seinem Kumpel. Hier im Glacis haben die Fußballfans eher mit Schnaken als mit Regen zu kämpfen. Es gibt unfassbar viele davon, und sie stechen blitzschnell.
Mit dem Wetter hatten Ulm und Neu-Ulm richtig Glück. Kurz nach Anpff des Spiels war kein Regen in Sicht.

Regenradar zum Achtelfinale der EM Deutschland-Dänemark.
wetteronline.deGute Stimmung und kleine Pannen am Münsterplatz

Die Ulmer Restaurants und Kneipen sind zum Achtelfinale gegen Dänemark gut gefüllt.
Amelie SchröerFans in Deutschlandtrikots bevölkerten zum Achtelfinale die Kneipen und Restaurants in Ulm. Überall liefen die TV-Übertragungen. Extrablatt, Marktbar und Ciao Bella am Münsterplatz waren rund 20 Minuten vor Anpfiff restlos gefüllt. Die angekündigten Unwetter schienen die Menschen nicht davon abzuhalten, einen Platz Open Air zu suchen. Mit Aperol Spritz, Bier und Co. stimmten sie sich auf einen - hoffentlich - erfolgreichen Fußballabend ein. Dänemark-Fans waren nicht dabei ...
Kleiner Fail am Münsterplatz: Schon Sekunden, bevor das Tor zu sehen war, verkündete der Ton im Extrablatt das vermeintliche 1:0 für Deutschland. Verwirrung bei den Zuschauern … hier schien die Technik nicht richtig mitzuspielen.
Mitfiebern – von wo auch immer
In der City waren sich die Fans einig: ein deutscher Sieg wird's. Nur übers exakte Ergebnis wurde noch diskutiert. Von 2:0 über 2:1 bis 3:2 war alles dabei.

Euro 2024 Full House auch beim Kellys und M-Club am Lautenberg. Wer keinen Sitzplatz mehr bekommt, schaut einfach von der Wand gegenüber aus zu.
Amelie SchröerViele Gastronomen hatten sich mit Außenbestuhlung und Fernsehern auf einen Besucheransturm vorbereitet. Das Kellys und der M-Club am Lautenberg waren auch gut besucht. Nicht alle Fußballfans haben einen Sitzplatz bekommen.
Stadionfeeling in der Arena

Die Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm ist voll besetzt.
Niko DirnerBeliebter Ort zum Public Viewing, gerade bei unsicherer Wetterentwicklung, ist die Ratiopharm-Arena. Die war heute voll besetzt. So mancher hat wohl ein Dach über dem Kopf dem Regenrisiko vorgezogen. Die Zuschauer in Schwarz-Rot-Gold machten Stimmung wie im Stadion. Jede gute Aktion der Deutschen wurde beklatscht, jede Schiri-Entscheidung gegen die deutsche Elf ausgebuht.
Biergärten waren gut gefüllt

Impressionen aus dem Glacis-Park in Neu-Ulm.
Samuel TschaffonAuch in den Biergärten der Region wurde heute Abend Fußball geschaut. Der Barfüßer-Biergarten im Neu-Ulmer Glacis war gut gefüllt, die Stimmung prächtig. Nur ein Tor fehlte in der ersten Halbzeit zum Glück der Besucher.
Public Viewing auch bei Dorffesten und Sportvereinen

Jubel im Vöhringer Sportpark über deutsches Tor im Achtelfinale der EM
Werner GallbronnerFußball ist überall. Auch bei Vereins- und Dorffesten wurde das Spiel übertragen. In Vöhringen hatten sich Mitglieder und Gäste des SC zum Sportpark-Sommerfest versammelt. Statt selbst Sport zu machen, wurde gemeinsam zugeguckt.
Flaggen-Günter hat Italien schon abgehängt

Flaggen-Günter aus Neu-Ulm hat Freunde und Kollegen zum Public Viewing des Achtelfinales Deutschland-Dänemark eingeladen. Die italienische Flagge hat er nach dem Ausscheiden des Titelverteidigers schon abgehängt.
Niko DirnerBeste Stimmung bei Flaggen-Günter in Neu-Ulm. Günter Kreißl, der sein Haus zum Start der EM mit allen Teilnehmer-Flaggen bestückt hatte, war nach einem Video einer Nachbarin viral gegangen. Am Samstagabend hatte er 30 Freunde und Kollegen zum Public Viewing eingeladen – und feierte obendrein seinen 63. Geburtstag. Sein Tipp: 3:1. Italien hat er nach der Niederlage gegen die Schweiz früher am Abend und dem damit einhergehenden Ausscheiden schon abgehängt.
Junggesellinnenabschied suchte einen Platz

Eine Gruppe um Braut Isa (Pinkes Trikot in der Mitte) ist aus Stuttgart angereist. Sie suchen in Ulm einen Platz, um das Achtelfinale zu gucken.
Amelie SchröerEine Gruppe aus Stuttgart war zum Junggesellinnenabschied aus Stuttgart angereist. Wobei eigentlich nicht direkt, denn vorher waren sie beim Malle-Festival. Sie suchten noch spontan einen Platz, um das Spiel zu gucken.
Ulmer Italien-Fans enttäuscht

Ganz tapfer laufen diese vier Italien-Fans durch die Platzgasse und schwenken ihre Fahne, nachdem sie ihr Achtelfinale gegen die Schweiz verloren haben.
Amelie SchröerItalien ist raus! Die Squadra Azzurra schied am Samstag (29.06.2024) gegen die Schweiz im Achtelfinale der EM aus. Auch in Ulm lebende Italien-Fans waren traurig – kein Jubel in Rot-Weiß-Schwarz, kein Autokorso.
Vorfreude auch auf dem Zelt-Flohmarkt

Das Achtelfinale wirft seine Schatten voraus. Dieser Bär war schon am Samstagfrüh auf dem Zeltflohmarkt mehr als bereit.
Kerstin AuernhammerNicht nur Fußballfans freuen sich auf den Abend. Um 21 Uhr steigt das Achtelfinalspiel der EM zwischen Deutschland und Dänemark. Viele Menschen begannen den Samstag so wie jeden Samstag: Ausschlafen, ein gemütliches Frühstück, vielleicht ein Besuch auf dem Ulmer Zelt-Flohmarkt. Der war schon frühmorgens gut besucht, schließlich war für später am Tag Hitze vorhergesagt. Zwischen den üblichen Flohmarkt-Artikeln, wie Klamotten, ausrangierten Kuscheltieren, Uhren, Schmuck und Bildern, waren auch ein paar Deutschland-Fanartikel zu sehen: Flaggen, Käppis und T-Shirts. Die Fußball-EM zieht also ihre Kreise in den Alltag.
Schwarz-Rot-Gold auf dem Wochenmarkt

Fahnen waren gestern: Schwarz-Rot-Gold geht auch mit Blumenschmuck. Gesehen auf dem Ulmer Wochenmarkt bei Blumen Klimmer.
Michael ScheifeleSelbst auf dem Ulmer Wochenmarkt konnte man dem Thema nicht entkommen. Natürlich war die EM neben dem Wetter Gesprächsthema Nummer eins in den Warteschlangen vor den Ständen. Aber auch optisch setzte die EM Zeichen. Bei Blumen Klimmer konnten sich Fußballfans passend zum Achtelfinalspiel mit einem Blumentopf in Deutschland-Farben eindecken. Vielleicht ja das ideale Mitbringsel für all diejenigen, die am Abend zu einem privaten Fußballabend eingeladen waren.
Public-Viewing-Plätze begehrt
Für alle anderen, die nicht allein schauen wollen, gibt es die üblichen Public-Viewing-Locations in der Doppelstadt. Allerdings war es zuletzt nur schwer möglich, spontan einen Platz zu ergattern – das dürfte an einem Samstagabend bei gutem Wetter noch schwieriger werden.
Also doch daheim allein schauen? Hier gibt es alle Infos zum Spiel: Wo es gezeigt wird, wann es losgeht und wie stark Gegner Dänemark ist.
Public Viewings wegen des Wetters abgesagt
In einigen Orten Baden-Württembergs sind die Public Viewings zur EM witterungsbedingt abgesagt worden, etwa in Bad-Säckingen im Landkreis Waldshut-Tiengen. Grund sei die Wetterlage mit vorhergesagtem Gewitter, Starkregen und Hagel, teilte die Polizei mit. Die Veranstaltung sollte im Schlosspark der Stadt stattfinden. In ihrer Mitteilung bat die Polizei, auf einen Besuch dort zu verzichten.
Zuvor hatte bereits Freudenstadt nach Rücksprache mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und der Feuerwehr sein Public Viewing abgesagt. Meteorologen des DWD rechnen im Westen Baden-Württembergs am Samstagabend mit Orkanböen, Großhagel und Regenmassen.
Mit Material von dpa. Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.


