Fußball-EM 2024: Wenn der Autokorso zum Fußmarsch wird – türkische Fans feiern Achtelfinaleinzug

Als der Autokorso in Ulm wegen der vielen Feiernden nicht weiterkam, zogen die türkischen Fans kurzerhand zu Fuß durch die Innenstadt.
Ralf ZwieblerDas 2:1 der Türkei über Tschechien am Mittwochabend (26.06.2024) löste in der Region Jubel aus. Denn die türkische Nationalmannschaft sicherte sich bei der EM 2024 den Einzug ins Achtelfinale des Turniers. Die Mannschaft hatte ihre Fans lange zittern lassen. Trotz Unterzahl ab der 20. Spielminute konnten die Tschechen das Spiel bis zum Ende offen gestalten – doch das war bei den Feierlichkeiten nach dem Spiel schon wieder komplett vergessen.

Der Hans-und-Sophie-Scholl-Platz an der Neuen Mitte glich nach Abpfiff einer Fanmeile.
Yasmin NalbantogluViele Menschen mit türkischen Wurzeln feierten lautstark an öffentlichen Plätzen in der Region. In Ulm vor allem in der Neuen Mitte. Hier wehte allerorten die rote Flagge mit Halbmond und Stern. Einige Fans zündeten Pyrotechnik, sie jubelten mit Tröten und „Türkiye!“-Chören.
Parallel zur Feier in der Neuen Mitte gab es auch die obligatorischen Autokorsos. Teilweise staute es sich durch die Autoparade auf dem Altstadtring massiv, nichts ging mehr voran. Eine Gruppe türkischer Fans entschloss sich deshalb kurzerhand, den Korso zu Fuß voranzutreiben. Sie marschierten laut Polizei von der Neuen Mitte zum südlichen Münsterplatz und zurück.
Bei einigen Teilnehmern des Autokorsos dürfte die Freude allerdings schnell verflogen sein, gegen 23.15 Uhr standen auf Höhe des Landgerichts in der Olgastraße zwei Fahrzeuge, die Polizei rückte an. Offenbar hatte es im Freudentaumel einen Auffahrunfall gegeben. Laut Polizei kam es nach Abpfiff des Spiels zu insgesamt vier kleineren Verkehrsunfällen im Bereich des Altstadtrings. Es entstand jeweils geringer Sachschaden. Verletzt wurde niemand.
Schon bei den vorherigen Spielen der Türkei hatte es Feiern und Autokorsos in Ulm gegeben – selbst nach der 0:3-Niederlage gegen Portugal.
Jubel auch in Ehingen
Auch in Ehingen leben viele Menschen mit türkischen Wurzeln. Dementsprechend gab es auch hier spontanen Jubel über den Achtelfinal-Einzug der türkischen Elf. Zuletzt hatte die türkische Community in Ehingen sich über ihrer Meinung nach zu harte Kontrollen der Polizei beschwert.

Fans mit türkischen Flaggen vor dem Theodul-Brunnen auf dem Ehinger Marktplatz.
Martin TrösterZeitweise sperrte die Polizei mehrere Straßen, die zum Marktplatz führen – vereinzelt zogen die Beamten am Marktplatz Autofahrer raus.
Zwei Verletzte bei Auseinandersetzung in Stuttgarter Fanzone
Beim Public Viewing in der Fanzone auf dem Stuttgarter Schlossplatz hat es eine Auseinandersetzung mit Verletzten gegeben. Nach ersten Erkenntnissen soll auch ein Messer zum Einsatz gekommen sein, teilte die Polizei auf der Plattform X weiter mit. Wenig später hieß es: „Der Schlossplatz ist inzwischen weitestgehend leer und es besteht hier KEINE aktuelle Gefahrenlage.“ Es sei ein Hinweisportal eingerichtet worden, in dem Zeugen ihre Bilder, Videos und Hinweise hochladen können. Zu der Auseinandersetzung sei es beim Public Viewing des Spiels Tschechien-Türkei gekommen. Die Türkei hatte mit 2:1 gewonnen - und es damit mühevoll ins Achtelfinale geschafft.
Vor dem letzten EM-Vorrundenspiel in Stuttgart hatte ein Unwetter das Public Viewing auf dem Schlossplatz unterbrochen - aber es gab nur eine kurzzeitige Räumung. Die Fans auf dem Marktplatz und dem Karlsplatz waren wegen eines Unwetters gebeten worden, Schutz in Gebäuden zu suchen. Das Public Viewing auf dem Schlossplatz bietet Platz für bis zu 30.000 Fans.
Für die Türken geht es im Achtelfinale am Dienstag (21.00 Uhr) in Leipzig gegen Österreich weiter. 2008 waren sie erst im Halbfinale an Deutschland gescheitert. „Wir werden uns gut vorbereiten und möchten natürlich gewinnen“, sagte Tosun über die schwere Aufgabe gegen das Team von Ralf Rangnick.
Mit Material von dpa.

