Bootshaus in Ulm: Urteil bestätigt: Ebbo Riedmüller bekommt Schadensersatz

Das Bootshaus gilt wegen des Wasserschadens seit vielen Jahren als Geister-Location, gelegentlich finden dort Events statt.
Volkmar KönnekeLange war es ein Reizthema für den Ulmer Großgastronom Ebbo Riedmüller. Immer wieder wurde der Barfüßer-Chef gefragt, wie es mit seinem Bootshaus an der Gänslände denn nun weitergeht. Und immer wieder hatte er nur eine Antwort: Keine Ahnung, man müsse warten, bis der Rechtsstreit um den Wasserschaden am Ponton geklärt ist.
Nach rund acht Jahren juristischem Hin und Her atmet Riedmüller auf. Es gibt eine Entscheidung. Das Oberlandesgericht in Stuttgart hat vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass das Ulmer Landgericht mit seinem Urteil richtig gelegen habe. Die Berufung wurde zurückgezogen, teilt eine Sprecherin mit. Bedeutet: Die von Riedmüller damals beauftragte Heizungs- und Sanitärfirma muss Schadensersatz leisten.
Abwasser drang in verschiedene Bereiche
Konkret geht es um einen Defekt an der Fettabscheider- und Hebeanlage, der sich 2015 ereignete. Infolge gelangte Abwasser über den Bodenaufbau in verschiedene Bereiche des Restaurant-Schiffs, unter anderem in Lounge, Küche und Lagerräume. Ein Sachverständiger erklärte vor Gericht, dass die Montage einer zur Hebeanlage zugehörigen Warnvorrichtung samt Warnton „nicht den anerkannten Regeln der Technik“ entsprochen habe. Die Warnanlage war von der Firma unterflur eingebaut worden – mit der Folge, dass man die optischen Warnsignale nicht sehen konnte und die Wahrnehmung des akustischen Warnsignals zumindest eingeschränkt war. Die beklagte Firma ging in Berufung und betonte, dass der Warnton der Anlage durchaus zu hören gewesen sei.
In der mündlichen Berufungsverhandlung wies der 13. Zivilsenat allerdings darauf hin, dass die Berufung keine Aussicht auf Erfolg habe. Ein echtes Mitverschulden seitens Riedmüllers Barfüßer-Betriebs-GmbH „werde man nicht annehmen können“, heißt es.
Mehrere Interessenten für langfristige Pacht
Es gibt jedoch keinen Grund zur Hoffnung, dass dem Bootshaus nun schnell wieder Leben eingehaucht wird. Um welche Schadensersatz-Summe es sich nun handelt, stehe nämlich noch nicht fest, sagt Riedmüller. Es würden von beiden Seiten Gutachten für die Versicherung erstellt. Der Boden müsse „komplett aufgemacht werden“, auch das Holz des Restaurant-Schiffs könnte angegriffen sein. Die Summe könne bis in die Millionenhöhe gehen, so Riedmüller. Auch ein Totalschaden stehe im Raum, aber das sei eher unwahrscheinlich. Fest stehe zumindest: Allzu lange warten könne die Gegenseite mit dem Gutachten nicht.
Wie lange es dauert, bis die Reparaturen abgeschlossen sind und das Bootshaus wieder langfristig verpachtet werden kann, könne Riedmüller nicht abschätzen. Derzeit organisiert die Neu-Ulmer Firma Settele übergangsweise einzelne Events aus dem Schiff, der Vertrag läuft bis Ende 2024. Es gebe nach wie vor „mehrere Interessenten„, die das Schiff gerne langfristig gastronomisch betreiben würden, sagt Riedmüller. Einen Favoriten habe er noch nicht.
Teures Gastro-Projekt auf der Donau
Der 2014 eröffnete Gastronomiebetrieb hat eine Gesamtfläche von fast 900 Quadratmetern und kommt auf ein Gewicht von etwa 480 Tonnen. Das Bootshaus setzt sich aus 14 miteinander verbundenen Einzelteilen zusammen und ist mit Stahlpfählen am Flussufer befestigt, die neun Meter tief in den Flussufer-Bereich hineingetrieben wurden. Die Pfähle ragen über dem normalen Flusspegel hinaus und sind auf extremes Hochwasser angelegt. Der Bau hat laut Inhaber Ebbo Riedmüller etwa 3,2 Millionen Euro gekostet. Zu Spitzenzeiten hatte der Betrieb bis zu 60 Mitarbeiter.
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