Aktion 100 000 und Ulmer helft
: Neun Stunden versteigern am Stück? Für die Hammerfrau kein Problem

Ein Barhocker, zwei Cola und ein Hammer:  Das reicht Susanne Rothfuß-Wamsler, um ohne Pause von abends 18 Uhr bis morgens um 3 Uhr bei der großen Benefiz-Auktion durchzuhalten. Wie schafft sie das bloß?
Von
Birgit Eberle
Ulm
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Immer hoch konzentriert bei der Sache: Susanne Rothfuß-Wamsler ist das Gesicht der großen Benefiz-Versteigerung zugunsten der Aktion 100 000 und Ulmer helft.

Matthias Kessler
  • Susanne Rothfuß-Wamsler versteigerte neun Stunden für Aktion 100 000 und Ulmer helft.
  • Über 91.000 Euro gesammelt aus rund 1100 Posten.
  • Versteigerung fand am 30. November statt, mit einer Pause um 17.55 Uhr.
  • Ulms OB Martin Ansbacher lobte Rothfuß-Wamslers Engagement.
  • Durch Konzentration und zwei Cola-Flaschen hielt sie durch.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Zum ersten, zum zweiten, zum dritten und nieeemand mehr“: Das „nieeemand mehr“ kommt fast immer ein bisschen gesungen aus dem Mund von Susanne Rothfuß-Wamsler, die am Samstag, 30. November, Waren und Gutscheine so geschickt verklopft hat, dass bei rund 1100 Posten mehr als 91.000 Euro zusammengekommen sind.

Das Versteigern an sich ist schon eine anstrengende Sache. Was tun, wenn kein Arm nach oben geht? Susanne Rothfuß-Wamsler heizt das Publikum dann mit flotten Sprüchen an. Diese Gabe hat sie in den Genen. Bereits ihr Vater Friedrich Rothfuß, der in den Siebziger Jahren im Alten Theater für den guten Zweck versteigerte, glänzte durch eine kesse Lippe.

„Stellen Sie sich nicht so an!“

Planen könne sie ihre frechen Aufforderungen zum Mitbieten nicht, sagt Rothfuß-Wamsler, die seit rund 30 Jahren für den Benefiz klopft. „Das kommt bei mir spontan.“ Den Mufflon-Kopf, der am Samstag nach einem Bieterduell schnell vom Podium ins Publikum wechselt, hätte sie, wenn’s schleppend gelaufen wäre, zum Beispiel knallhart so angepriesen: „Stellen Sie sich nicht so an, der ist schon tot.“

So ganz unvorbereitet geht Susanne Rothfuß-Wamsler, die mit ihrem Mann Gunnar im Hafenbad das Ulmer Pfandkredit-Institut betreibt, aber nicht in den Benefiz-Abend. Manche Lose – die bei einer Versteigerung angebotenen Gegenstände werden als Lose bezeichnet – haben es in sich. Um sie gut bewerben zu können, ist es von Vorteil, sich vorher schlau zu machen. „Vormittags habe ich schon ein paar Sachen gegoogelt, wo ich nicht wusste, was sie kosten“, erzählt die Frau, die als einer der größten Fans von Robbie Williams bezeichnet werden darf und darauf wartet, endlich eine Überfahrt mit der Queen Mary2 nach New York versteigern zu können. Auch die Beschreibungen der Auktions-Highlights hat sie genau studiert. Bereits am Freitag schleppt sie ihren Barhocker vom Keller im Hafenbad rüber zum Saal im Kornhaus und bringt ihn gleich in die Pole-Position.

Hammer hatte einmal Günther Jauch in der Hand

Am Samstag selbst marschiert sie dann lediglich mit dem Versteigerungs-Hammer in der Tasche über die Straße. Die Holzarbeit hat eine besondere Geschichte: Ihr Schwiegervater, ein Drechsler im Ort Billericay bei London, hat ihn gefertigt. Sie habe den Hammer seit 1989 und ihn nur einmal verliehen – an Günther Jauch. Im Jahr 2008 borgte ihn ein Unternehmer in der Region, damit Jauch bei einer Benefizauktion während der Landesgartenschau in Ostfildern auftreten konnte. „Jetzt bekommt den aber niemand mehr“, ist Rothfuß-Wamsler fest entschlossen.

Ulm, Kornhaus, Aktion 100.000 Versteigerung: Auktionshammer

Aktion 100.000 Versteigerung im Kornhaus

Hier ist das gute Stück: Susanne Rothfuß-Wamslers inzwischen verstorbener englischer Schwiegervater hat den Auktions-Hammer gedrechselt.

Schwerdtfeger Lars

Neun Stunden ohne Boxen-Stopp

Angenehme Kleidung und bequeme Sneakers geben der Auktionatorin den Freiraum, um stundenlang wie eine Dompteurin mit dem Hammer das Publikum in die richtige Richtung zu lotsen: nach vorne, zur Kasse. Seit der Versteigerung am 30. November ist der Hauptversteigerung, die um 18 Uhr beginnt, eine Kids-Time (ab 17 Uhr) vorgeschaltet, bei der Mädchen und Jungen in Begleitung eines Erwachsenen mitbieten können. Die fünf Minuten Pause um 17.55 Uhr nutzt Rothfuß-Wamsler zu einem für den Abend finalen Stopp auf der Toilette. Was sie noch nicht weiß: Der nächste Besuch der sanitären Anlagen, ohne Unterbrechung der Versteigerung, wird erst kurz vor drei Uhr in der Früh möglich sein.

Aktion 100 000-Versteigerung im Kornhaus

Ulms OB Martin Ansbacher, Schirmherr der Aktion 100 000 und Ulmer helft, war zum ersten Mal bei der Benefiz-Versteigerung im Kornhaus zu Besuch.

Matthias Kessler

Dickes Lob vom Oberbürgermeister

Jede Auktion ist besonders. Das liegt am Angebot und am Publikum. Am Samstag spiegelt das Publikum die Waren. Die Bandbreite ist groß. Viele sind zum ersten Mal dabei. Das Kind sitzt neben dem Opa, der Innenstadtbürger neben der Frau vom Land. Der Riesenteddy ist genauso zu haben wie das iPad und ein nagelneues Auto. Plötzlich schneit sogar einer der beiden Schirmherren der Aktion 100 000 und Ulmer helft in den Saal: Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher verfolgt sichtlich amüsiert, und zum ersten Mal, das Benefiz-Geschehen im Kornhaus. „Das übertrifft meine Erwartungen“, sagt er. Für die Auktionatorin gibt es ein dickes Lob: „Frau Rothfuß-Wamsler macht das hervorragend.“

Die Konzentration macht’s

Der vergangene Samstag sei der Abend mit dem bisher größten Lautstärkepegel gewesen, sagt Rothfuß-Wamsler.  Mit Cassis-Lutschbonbons habe sie versucht, ihre Stimme geschmeidig zu halten. Dazu ab und an ein Schluck Cola, das war’s. Der Treibstoff für zehn Stunden Versteigerungsleistung: zwei kleine Flaschen Cola. Wie schafft sie das bloß, solange zu stehen und zu reden? Rothfuß-Wamsler zuckt mit den Schultern. „Darüber wundere ich mich manchmal selber. Aber ich bin da einfach so konzentriert, dass ich nicht im Entferntesten an eine Pause denke.“

Am Sonntag ist die Hammerfrau nach einem Glas Sekt und einem Wecken mit Paprika-Lyoner, den Aktionsleiter Chris Mertl serviert, dann endlich im Bett – morgens um 3.30 Uhr. Wenige Stunden später zischt sie bereits mit einem Sohn auf der Autobahn in Richtung Stuttgart, zur Comic-Con.  Toiletten-Betreiber in den Raststätten haben bestimmt keine Kohle an Rothfuß-Wamsler verdient.

Aktion 100 000 und Ulmer helft

Die Benefizaktion gibt es seit 1971. Träger sind die SÜDWEST PRESSE und die Stadt Ulm. Unterstützt werden Menschen in Not sowie sozial-karitative Einrichtungen im Verbreitungsgebiet der SÜDWEST PRESSE bei ihrer Arbeit.

Im vergangenen Aktionszeitraum 2023/2024 kam ein Rekordergebnis von 1.300.000 Euro zusammen. Insgesamt hat die Aktion seit ihrem Bestehen Spenden in Höhe von 21.901.013 Euro eingesammelt.

Die Spendenkonten sind:

  • Bei der Volksbank Ulm-Biberach: IBAN DE79 6309 0100 0002 3640 18
  • Bei der Sparkasse Ulm: DE47 6305 0000 0000 1000 03
  • Bei der BW-Bank: DE05 6005 0101 7439 5013 93