Tübinger Windrad-Weltrekord
: Boris Palmer freut sich über „Windkrafthasserkommentare“ im Netz

Am Samstag, 16. Mai, holte Tübingen seinen neuesten Weltrekord: Oberbürgermeister Boris Palmer wettete, dass über 500 Leute ein lebendiges Windrad bilden würden. Das klappte – im Netz gibt es Häme und Begeisterung.
Von
Jonas Bleeser
Tübingen
Dank seiner Wette auf mehr als 500 Leute, die gemeinsam ein lebendiges Windrad bilden, hat Tübingen einen neuen Weltrekord: Tübingens OB Boris Palmer freut sich jetzt auch über Windrad-Hasser-Kommentare im Netz.

Dank seiner Wette auf mehr als 500 Leute, die gemeinsam ein lebendiges Windrad bilden, hat Tübingen einen neuen Weltrekord: Tübingens OB Boris Palmer freut sich jetzt auch über Windrad-Hasser-Kommentare im Netz.

www.imago-images.de/Ulrich Metz
  • Tübingen stellte am Samstag, 16. Mai, einen Rekord mit einem „lebendigen Windrad“ auf.
  • 1230 Menschen formten ein Windrad, die Flügel bewegten sich – Vogelperspektive zeigte Drehung.
  • OB Boris Palmer hatte auf mindestens 500 Teilnehmende gewettet und die Aktion online beworben.
  • Online folgten Zustimmung und Kritik, auch zur Sperrung der B28 für anreisende Radfahrer.
  • Palmer reagierte teils scharf auf Kommentare und betonte Unterstützung für Windenergie.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Aktion auf dem Tübinger Festplatz hatte am vergangenen Samstag viele Menschen nach Tübingen gelockt: Sie bildeten gemeinsam die Form eines Windrads, die Leute, die die Flügel bildeten, liefen los, sodass es aus der Vogelperspektive aussah, als drehte sich das Windrad. Viele waren mit dem Fahrrad angereist, trotz des kalten Wetters. Dafür wurden zeitweise Straßen gesperrt, unter anderem die B28 von Reutlingen her. Und weil mit 1230 Leuten mehr teilnahmen als bei einer ähnlichen Veranstaltung in Herrenberg, reichte es für einen weiteren Weltrekord aus Tübingen.

Das Ganze sollte Spaß machen und ein Zeichen für den Ausbau erneuerbarer Energien setzen. So hatte es Tübingens OB Boris Palmer auf Facebook im Vorfeld auch beworben und auf mindestens 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewettet. Die Reaktionen auf Facebook waren dann erwartbar: Als Palmer das Ergebnis unter der Überschrift „Wir Tübinger l(i)eben Windräder“ veröffentlichte, sammelten sich dort viele Kommentare von Windkraft-Gegnern. „Windräder sind einfach schrecklich“, schrieb eine, „Show statt Argumente“ ein anderer. Manche sprachen der Demonstration ihren politischen Charakter ab: Es sei nur „Klamauk“. Oder unterstellten, nur der freie Eintritt ins Freibad habe Menschen dazu gebracht mitzumachen. Oder fragten: „Warum die Zerstörung des Rammert feiern?“ In dem Wald bei Tübingen sollen mehrere Windkraftanlagen gebaut werden.

Palmer hatte davon offenbar irgendwann genug und legte unter dem Titel „OB macht Wind...“ nach. Er schrieb: „Kann ich gut, ich weiß! Vielen Dank für die vielen Windkrafthasserkommentare, die dafür sorgen, dass auch Windkrafthasser mitbekommen, dass sie eine laute Minderheit sind. Die meisten Menschen haben längst verstanden, dass es klüger ist, Energie beim Nachbarn auf der Alb zu produzieren und zu kaufen, als beim Scheich im Persischen Golf.“

Viel Kritik an Straßensperrung für radelnde Teilnehmer

Viel Kritik gab es auch an der kurzzeitigen Straßensperrung für die anreisenden Radfahrer. Das sei eine Verschwendung von Steuergeldern und benachteilige Autofahrer. „Wir sind daran vorbeigefahren, die Sperrung wurde von der Polizei vorgenommen und die Autos wurden an der Fahrt gehindert! Ich hoffe, dass die Kosten der Sperrung von Boris Palmer persönlich übernommen werden! Alternativ von den 1300 Radfahrern!“, schrieb ein Nutzer. Der sonst um keine inhaltliche Auseinandersetzung verlegene OB hatte offensichtlich keine Lust, darauf einzugehen: Palmer kommentierte das mit einem kurzen „heul doch“.

Aber es gab auch Zustimmung: „Windenergie zeigt eindrucksvoll, wie stark sich die Haltung in der Gesellschaft verändert hat. Vor 10 bis 20 Jahren wäre es vielerorts kaum vorstellbar gewesen, dass Bürgerinnen und Bürger erneuerbare Energien so aktiv unterstützen. (...) Ein Umdenken hat stattgefunden – und das ist großartig“, freute sich ein Nutzer. „Schöne Aktion, gut dass es Menschen gibt, die sich begeistern lassen und nicht nur meckern und miesmachen“, kommentierte ein weiterer.