Lebendiges Windrad in Tübingen: Boris Palmers Wette führt zum Weltrekord

Insgesamt waren 1230 Leute dabei: das Tübinger Rekord-Windrad von oben.
Ulrich Metz- In Tübingen formten 1230 Menschen das größte lebendige Windrad und stellten einen Rekord auf.
- Boris Palmer hatte gewettet, mindestens 500 Teilnehmende zu mobilisieren, was deutlich übertroffen wurde.
- Gruppen bewegten sich im Takt entlang gespannter Seile, Palmer koordinierte in der Mitte.
- Sternfahrten brachten hunderte Radfahrende aus der Region – darunter aus Stuttgart und Metzingen.
- Ein Bündnis ruft für den 30. Mai in Hamm zum nächsten Rekordversuch auf.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es drehte sich, wenn auch langsam. Strom wurde mit diesem Windrad nicht erzeugt, ein Zeichen setzen sollte es trotzdem. Dafür waren sie da. Insgesamt 1230 Menschen versammelten sich am Samstagnachmittag auf dem Tübinger Festplatz und bildeten das größte lebendige Windrad, das je geformt wurde. Im Takt bewegten sich die Teilnehmer, die einen Platz in den Rotorblättern zugewiesen bekommen hatten, vorwärts. Für einen gleichmäßigen Ablauf folgte jede Gruppe einem gespannten Seil. In der Mitte stand Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer und hielt die Seile zusammen.
Eine Wette des Oberbürgermeisters war es auch, die viel Aufmerksamkeit für die Aktion gebracht hatte. Mindestens 500 Menschen, hatte Palmer gesagt, würden sich auf dem Tübinger Festplatz zu einem lebendigen Windrad zusammenstellen. Laut Bernd Schott von der Stabstelle Umwelt- und Klimaschutz der Stadt Tübingen, war der Weltrekord nicht das ursprüngliche Ziel. „Ich dachte, wir bräuchten eine Aktion, bei der wir die beiden großen Herausforderungen unserer Zeit – eine nachhaltige Energieversorgung und eine nachhaltige Mobilität – miteinander verbinden können“, sagte Schott zur SÜDWEST PRESSE. Da Herrenberg im Vorjahr mit 598 Menschen einen Weltrekord aufgestellt hatte, wurde die Wette auf 500 Teilnehmer in Tübingen abgeschlossen. Dann aber seien im Laufe der Vorbereitungen immer mehr Ehrenamtliche gekommen, „die gesagt haben: Sie machen mit, sie bieten Sternfahrten an.“
Dank dieser Sternfahrten fuhren hunderte Menschen von (weit) außerhalb nach Tübingen. Über die Nord-Route kamen Teilnehmer aus Stuttgart, weitere Routen führten über Sindelfingen und Böblingen beziehungsweise Plochingen und Wendlingen. Die Route ab Metzingen führte die Radfahrer nach Reutlingen und von da über die gesperrte B28 nach Tübingen.
Viel Andrang bei der Kartenausgabe
Christa Tast war aus Stuttgart-Vaihingen gekommen. „Ich fand es einfach reizvoll, so eine Art lebendes Windrad zu sein und damit zu symbolisieren, dass man sich für den Ausbau von regenerativer Energie ausspricht“, sagte Tast, nachdem sie ihren Platz im Windrad gefunden hatte. Ein paar Meter weiter stand Marianne Friessnig, sie war mit Rainer und Sabine Uhl aus Metzingen gekommen. Erstens mache Fahrradfahren Spaß, zweitens wollten sie auf der B28 fahren, drittens den Herrenberger Rekord brechen und viertens Boris Palmer unterstützen – aus diesen Gründen seien sie da.
Am Eingang zum Festplatz bekam jeder Teilnehmer eine Karte, mit der ihm ein entsprechender Platz im Rad zugewiesen wurde. Aufgrund der langen Schlange verzögerte sich der offizielle Beginn um ein paar Minuten, alle sollten mitgezählt werden. In der Zwischenzeit bedankte sich Palmer per Lautsprecher bei den Teilnehmern und bat um einen Sonderapplaus für alle Herrenberger. Wäre die Wette verloren gegangen, hätte der Oberbürgermeister 50 ausgeloste Teilnehmer persönlich durch den Windpark Sonnenbühl geführt – inklusive Busfahrt und Butterbrezel, wie Palmer verriet. Obwohl er die Wette deutlich gewonnen hat, zeigte sich der OB offen, den Ausflug trotzdem zu machen. „Ich werde mal mit den Stadtwerken sprechen, ob die das trotzdem zahlen.“
In seiner Ansprache betonte Palmer den Wert Erneuerbarer Energien – diese schafften unter anderem Unabhängigkeit von der Straße von Hormus. Der OB verwies aber auch auf „laute Gegner“. Im Vorfeld hatte die Stadt Tübingen unter anderem auf Social Media um Teilnehmer geworben. Ein Video, in dem Palmer seine Wette verkündete, erhielt bis zum Samstagvormittag über 1500 Likes. In den mehr als 200 Kommentaren gab es aber auch reichlich Kritik – „vollkommener Unsinn“ war dabei noch ein vergleichsweise harmloser Kommentar.
Die mehr als tausend Teilnehmer ließen sich davon nicht abhalten. Während sich die Reihen im Windrad langsam füllten, sagte Palmer zur SÜDWEST PRESSE: „Bei dem Wetter war ich nicht sicher, ob wir 500 schaffen – bei strahlendem Sonnenschein, glaube ich, wären ein paar Tausend locker drin gewesen.“ Angesichts der vielen Menschen auf dem Festplatz sah Palmer „schon ein starkes Signal“, das weiterhelfe „auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt“.
Der Tübinger Weltrekord könnte dagegen schon in zwei Wochen wieder Geschichte sein. Für den 30. Mai hat ein Bündnis aus Fridays for Future, Greenpeace, Campact und BUND zu einem Rekordversuch im westfälischen Hamm aufgerufen.
Palmer löst Einsatz trotz gewonnener Wette ein
Im Vorfeld war den Teilnehmern freier Eintritt ins Tübinger Freibad versprochen worden – angesichts des eher mäßigen Wetters dürfte kaum ein Radfahrer der Einladung gefolgt sein. Wer Teil des Windrads war, kann sich aber ab Montag auf einen Platz für die Führung durch den Windpark Sonnenbühl bewerben. Möglich ist das über den QR-Code auf der Eintrittskarte. Bei zu hoher Nachfrage entscheidet das Los.






