Vor dem Weltrekordversuch am Samstag: Ein menschliches Windrad? In Tübingen gab es noch viel skurrilere Weltrekorde

Wimmelbild mit Flöten (links): 2007 gelang Tübingen der Weltrekord für das größte Flötenensemble. Am Wochenende könnte TÜbingen mit dem größten menschlichen Windrad nachlegen.
Ulrich Metz (Archiv)/Privatbild- Tübingen plant am Samstag ein „lebendiges Windrad“ auf dem Festplatz – Ziel ist ein Rekord.
- Mindestens 599 Menschen sind nötig, um Herrenberg mit 598 Teilnehmenden zu übertreffen.
- Anlass ist ein Zeichen für nachhaltige Mobilität und regionale Energieversorgung.
- Sternfahrten sind angekündigt, die B28 wird gesperrt, bunte Kleidung ist erwünscht.
- Dankeschön der Stadtwerke: freier Eintritt ins Freibad, Getränke und ein Eiswagen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es geht um ein sichtbares Zeichen für nachhaltige Mobilität und regionale Energieversorgung: Die Stadt Tübingen startet am Samstag (16. Mai) auf dem Festplatz einen Weltrekordversuch. Ein „lebendiges Windrad“ soll entstehen, geformt aus Menschen. Mindestens 599 Leute wären notwendig, um den Rekord aus Herrenberg zu knacken. Verschiedene Gruppen haben eine Sternfahrt mit dem Rad aus Richtung Reutlingen organisiert, für die die B28 gesperrt wird. Der Tübinger OB Boris Palmer hat eine Wette angeboten (siehe Infobox). Und jeder, der mitmacht, bekommt eine Überraschung. Der Weltrekord für das größte menschliche Windrad: ein Selbstläufer! Die Frage ist nicht, ob es klappt, sondern wie. Werden es Tausende oder gar Zehntausende, die mitmachen?
Mit skurrilen Weltrekorden kennen sich die Tübinger ja gut aus. Eine Überraschung wäre es jedenfalls nicht, hielte Tübingen den Weltrekord für die meisten skurrilen Weltrekorde. Hier ein kleiner Blick in die jüngere Tübinger Rekord-Geschichte – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Den vermutlich bekanntesten unter den skurrilen Weltrekorden erreichte Tübingen am 22. Dezember 2007: 1701 Flötenspieler versammelten sich auf dem Tübinger Marktplatz, um gemeinsam „Mach hoch die Tür“ zu spielen. Organisiert hatte den Auftritt des Riesen-Flötenensembles das SCHWÄBISCHE TAGBLATT – mit dem Ziel, einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde zu bekommen. Und den gab es: Die Guinness-Zentrale in London gab im September 2008 grünes Licht. Bloß: Die Flötenkonkurrenz schläft nicht. 2009 schnappte die chinesische Stadt Fushun Tübingen den Rekord weg (1975 Flöten). Flötenweltrekord in China? Das konnten die USA nicht auf sich sitzen lassen und stellten nur einen Monat später in New York ein Ensemble mit 1989 Flöten auf die Bühne.
Immerhin: Den Weltrekord für die älteste Blockflöte der Welt verteidigt Tübingen eisern. Die hat ein Tübinger Forscherteam 2009 auf der Schwäbischen Alb entdeckt. Sie ist 35.000 Jahre alt und besteht aus einem Gänsegeierknochen. Und wenn es um Weltrekorde für die ältesten Kunstwerke geht, ist Tübingen sowieso Spitzenreiter.

1701 Menschen spielen gleichzeitig „Mach hoch die Tür“ auf der Blockflöte. Ein Weltrekord, der allerdings nicht allzu lange hielt.
Ulrich Metz /ArchivBleiben wir im Ressort Kultur. Der Weltrekord, der in Tübingen im März 2012 gelang, klingt ein bisschen nach Hogwarts: Hundert Zauberer wollte der Tübinger Zauberer Julius Frack, selbst Weltmeister, versammeln. Am Ende waren es sogar 106 Zauberer auf der Bühne. Weltrekord! In diesem Fall kam die Bestätigung vom Guinness-Kommitee schneller. Die angereiste Guinness-Richterin Seyda Subasi-Gemici erkannte die Leistung noch am Abend mit entsprechender Urkunde an.
Und nochmal Kultur: Bei der Kulturnacht am 7. Mai 2016 kam der größte Gebärdensprachchor der Welt auf dem Marktplatz zusammen. „La-Le-Lu mit 1200 Händen“ titelte das TAGBLATT am Folgetag zum neuen Tübinger Weltrekord. Fazit der Organisatoren: „Tübingen ist geil.“
Im Bereich Sport hat Tübingen freilich viele Rekorde zu bieten. Einen ungewöhnlichen Weltrekord stellte der Tübinger Thilo Hagendorff 2021 auf: die meisten gefahrenen Höhenmeter mit dem Fahrrad in zwölf Stunden. Los ging es in der Früh um 4.04 Uhr, am Ende schaffte er 11.850 Höhenmeter. Weltrekord! Aufgestellt wurde der zwar an der Schönbuchsteige, die genau genommen auf der Gemarkung Kirchentellinsfurt liegt, wir verbuchen den Rekord dennoch für Tübingen.
Den skurrilsten Tübinger Sport-Weltrekord stellte der Duisburger Marcel Gurk 2015 bei der Sport-Gala der TSG in Tübingen auf, und zwar in der Disziplin Ball-auf-dem-Schienbein-Balancieren. 1 Minute und 55 Sekunden galt es zu übertrumpfen. Den Rekord knackte Gurk locker – mit sagenhaften zehn Minuten! Dem TAGBLATT verriet der 18-Jährige nach der Show, dass er im Training jedes Mal nach zwei Minuten Krämpfe im Oberschenkel bekommen habe. „Dieses Mal habe ich mein Bein irgendwann gar nicht mehr gespürt – und immer weitergemacht.“

Weltrekord mit „Mampf-Moderator“: Im April 2008 entsteht in Tübingen der längste Schaschlik-Spieß der Welt.
Erich SommerÄhnlich schmerzbefreit waren auch die Teilnehmer bei einem Weltrekord, den Tübingen Ende April 2008 aufstellte: Bei Regen trafen sich rund 40 Grill-Fans auf den Weilheimer Wiesen, um den längsten Schaschlik-Spieß der Welt zu grillen. Begleitet wurde das Spektakel von einem (O-Ton TAGBLATT) „schwergewichtigen Mampf-Moderator des Privatsenders Pro7“. Für den 120 Meter langen Spieß musste mit dem Bagger eine entsprechend lange Glut-Straße ausgehoben werden, 600 Kilo Kohle waren notwendig. Auf einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde musste das Team um Grillexperte Peter Dölker aber verzichten: die Frist zu kurz, die Bildrechte beim Fernsehsender, nichts Belegbares. Schade.
Bleiben wir bei der Kulinarik. Bekannt ist Tübingen weit über die Stadtgrenzen hinaus für das älteste erhaltene Riesenweinfass, das, gut bewacht von einer Fledermauskolonie, im Keller des Schlosses Hohentübingen lagert. Ab 1546 wurde es gebaut und hat ein Fassungsvermögen von rund 85.000 Litern. Das reicht eine Weile.

85.000 Liter Fassungsvermögen, gebaut im 16. Jahrhundert: Das Tübinger Weinfass ist ein riesiger Weltrekord!
Sebastian Gollnow/dpaUnd auch das ein köstlicher Weltrekord: Ende November 2011 entstand (wo sonst) auf dem Tübinger Schokofestival der größte Schokokeks der Welt. 135 Kilo Mehl und 900 Eier waren dafür notwendig, fast eine halbe Tonne Teig – für einen vier mal sechs Meter großen Keks. Klar, einen so großen Backofen gab es nicht mal in der Rekorde-Stadt Tübingen. Deshalb wurde der Riesen-Keks in mehreren Etappen quadratmeterweise gebacken und am Ende zusammengesetzt. Für den Eintrag ins Guinnessbuch langte es dennoch nicht. Drei Tage hätte eine Guinness-Oberaufsicht dabei sein müssen, jeder Tag kostete seinerzeit aber 4000 Euro. Das war den Rekord-Bäckern zu teuer. Tübingen hält angeblich auch den Weltrekord im Sparen.

135 Kilo Mehl, 900 Eier, fast eine halbe Tonne Teig: In Tübingen entsteht 2011 der größte Schokokeks der Welt.
Ulrich Metz (Archiv)Und noch ein Tübinger Rekord-Highlight aus dem Bereich Kulinarik. Im September 2003 entstand im Tübinger Baumarkt Hornbach aus 25 Paletten Bier ein siebeneinhalb Meter hoher Bier-Turm. Beim letzten Versuch waren es nur 7,32 Meter, berichtete Turmbauer Jochen Chaloupka. Für den Bau in Tübingen benötigte er mit dem Gabelstapler knapp zehn Stunden. Prost!
Zurück zur Hochkultur: Der Tübinger Verein Streitkultur, mehrfacher Deutscher Debattiermeister, stellte im Juni 2011 seinen eigenen Weltrekord im Dauerdebattieren aus dem Jahr 2007 ein, mit dem er übrigens zuvor (2002) ebenfalls den eigenen Weltrekord übertrumpft hatte. Thema der 44-stündigen Debatte: „Muss sich Deutschland neu erfinden?“ Rückblickend interessant, dass man im Jahr 2011 so lange über diese Frage debattieren konnte. Heute wäre die Antwort vermutlich schneller gefunden.
Eine Belohnung gibt es für alle Teilnehmer
Am Samstag, 16. Mai, soll ab 15 Uhr ein „lebendiges Windrad“ auf dem Festplatz in Tübingen entstehen. Den Weltrekord hält Herrenberg mit 598 Beteiligten. Das gilt es zu schlagen: Als Dankeschön laden die Stadtwerke Tübingen alle Teilnehmer an diesem Tag ins Freibad ein. Zusätzlich stehen Getränke bereit und ein Eiswagen sorgt für Erfrischung. Mehrere Initiativen und Radelgruppen aus dem Umland haben bereits angekündigt, im Rahmen einer Sternfahrt das Windrad gemeinsam anzusteuern. Bunte Kleidung ist erwünscht. Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer wettet, dass sich mindestens 500 Menschen auf dem Festplatz versammeln. Sollte die Wette verloren gehen, wird er 50 ausgeloste Teilnehmer persönlich durch den Windpark Sonnenbühl führen.
