Veranstaltung ausgebucht!: Nur Tübinger dürfen zum Streitgespräch von Boris Palmer mit der AfD

Boris Palmer (parteilos) und Markus Frohnmaier (AFD).
Markus Ulmer / Michael Kappeler (dpa)- Streitgespräch Palmer vs. AfD am 5. September, 19 Uhr, in der Hermann-Hepper-Halle Tübingen.
- Anmeldung nur für Tübinger Bürger*innen, Online-Formular erforderlich, 750 Plätze verfügbar.
- Livestream für externe Zuschauer*innen unter www.tuebingen.de/streitgespraech abrufbar.
- Besucher*innen können Fragen über eine Los-Box einreichen, ausgewählte Beiträge werden diskutiert.
- Anreise per Tübus oder Fahrrad empfohlen, Parkplätze vor Ort nicht verfügbar.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Unter anderem aus Sorge um den lokalen Einzelhandel hatte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer einen Deal mit der AfD gemacht: Die Partei sagte in der Folge ihre für Samstag, 19. Juli, geplante Kundgebung kurzfristig wieder ab. Dafür ließ sich der OB darauf ein, in Tübingen öffentlich mit der AfD zu debattieren. Das „Streitgespräch“ mit Markus Frohnmaier, dem stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag und Co-Vorsitzenden des AfD-Landesverbandes Baden-Württemberg, ist für Freitag, 5. September, 19 Uhr, in der Tübinger Hermann-Hepper-Halle geplant.
Am vergangenen Freitagnachmittag teilte die Stadt nun mit, dass sich für das Streitgespräch zwischen Palmer und Frohnmaier nur Personen mit Wohnsitz in Tübingen anmelden können, da die Veranstaltung in erster Linie für die Tübinger Bürgerinnen und Bürger gedacht sei. Wer dabei sein wollte, konnte sich mit Name, Vorname, Anschrift und Geburtsdatum über ein Online-Formular registrieren (www.tuebingen.de/streitgespraech). Die persönliche Anmeldebestätigung sei Voraussetzung für den Einlass zu der Veranstaltung und müsse am Eingang gedruckt oder digital vorgezeigt werden, betonte die Stadt. Die Veranstaltung war dann bereits nach wenigen Stunden komplett ausgebucht.
Windhundprinzip: schnell überbucht
Die Hepper-Halle in der Tübinger Westbahnhofstraße 23 bietet Platz für rund 750 Zuhörerinnen und Zuhörer. Bei der Anmeldung galt deshalb das „Windhundprinzip“: Die Schnellsten kommen zum Zuge. Am Samstagmorgen standen schon mehr als 250 Überbuchungen auf der Online-Warteliste. Die Stadt will jedoch alle Anmeldungen bezüglich des Wohnsitzes überprüfen. „In begründeten Fällen behält sich die Stadtverwaltung vor, einzelne Personen von der Teilnahme auszuschließen“, heißt es in einem weiteren Schreiben. Es ist also möglich, dass noch die ein oder andere Anmeldung zurückgewiesen wird und Personen von der Warteliste nachrücken. „Die Leute machen vorsichtshalber einfach weiter, in der Hoffnung noch dranzukommen“, so Palmer am Samstagmorgen gegenüber dem TAGBLATT.
Palmer nennt bei Facebook drei mögliche Erklärungen für die vielen Anmeldnungen binnen kürzester Zeit: 1. „Fake oder Falsch-Anmeldungen“ – die werde die Stadtverwaltung aber am Montag identifizieren; 2. „Die AfD hat es geschafft, in Tübingen 1000 Anhänger zu mobilisieren“ oder 3. „Es gibt in der Stadt mit dem niedrigsten Anteil an AfD-Wählern bei der letzten Bundestagswahl ein überwältigendes Interesse an diesem Streitgespräch zwischen dem eigenen Oberbürgermeister und dem AfD-Landesvorsitzenden“, was Palmer für die wahrscheinlichste Option hält.
Livestream geplant
Damit auch alle Interessierten, die nicht selbst in die Halle kommen, das Streitgespräch verfolgen können, soll es einen Livestream geben. Mit der Übertragung der Veranstaltung „auf einer unabhängigen Internetseite“ sei ein externer Dienstleister beauftragt worden. Der Link zum Stream werde am Veranstaltungstag unter www.tuebingen.de/streitgespraech abrufbar sein. Einlass zum Streitgespräch in der Hepper-Halle ist am 5. September um 18 Uhr. Parken vor Ort sei nicht möglich, warnt die Stadt und empfiehlt die Anreise mit dem Tübus oder mit dem Fahrrad.
Bei der Veranstaltung mit Boris Palmer und Markus Frohnmaier sollen die Zuhörerinnen und Zuhörer auch Fragen und Statements über eine Los-Box einreichen können. Eine Auswahl davon werde dann in der Halle vorgelesen und in die Diskussion auf der Bühne einfließen.
Viel Kritik
Nach Ankündigung der später wieder abgesagten AfD-Kundgebung vom 19. Juli in der Tübinger Karlstraße hatten viele Gruppen und Organisationen Gegenkundgebungen geplant, zu denen weit mehr Teilnehmer erwartet wurde als zur eigentlichen AfD-Kundgebung. Als sich Tübinger Einzelhändler in Sorge um den beginnenden Sommerschlussverkauf hilfesuchend an OB Palmer wandten, versuchte dieser, die AfD-Demo räumlich oder zeitlich zu verlegen. Das lehnte die Partei allerdings ab und machte stattdessen den Gegenvorschlag einer Diskussionsveranstaltung mit Palmer, worauf sich der OB einließ.
Viele Kritiker warfen dem OB in der Folge Erpressbarkeit vor, was Palmer von sich weist. „Wenn man es ernst meint, dass einem Innenstadthandel und Altstadt wichtig sind, kann man das an so einer Stelle beweisen und nicht zulassen, dass die Altstadt zum Daueraufmarschgebiet für Kulturkampfauseinandersetzungen wird“, sagte er im TAGBLATT-Interview.
Zurück zu Diskussion und Debatte
Darin warb Boris Palmer auch dafür, eine breite, solidarische Unterstützung der Tübinger Zivilgesellschaft gegen die AfD zu organisieren „und ihr zu zeigen: Mit euren Argumenten kommt ihr bei uns nicht durch.“ Zur Vorbereitung des Streitgesprächs kündigte Palmer auch an, das Bündnis für Demokratie und Menschenrechte sowie alle Gruppen, die demonstrieren wollen, zu einem Gespräch ins Tübinger Rathaus einladen zu wollen: „Lasst uns versuchen zusammenzuarbeiten. Wie können wir aus dieser Veranstaltung einen Erfolg für uns alle machen, die wir der AfD kritisch gegenüberstehen?“ Inzwischen hat der Oberbürgermeister mit dem Bündnis gesprochen, berichtete Palmer am Samstag: „Es gab Vorschläge, aber keine konkreten Vereinbarungen. Das wäre auch nicht richtig.“
Vielleicht, so Palmers Hoffnung, könne man die „kulturkampfartige Konfrontation“ ja auflösen, wenn man ernsthaft mit der AfD redet, und so „wieder dahin kommen, wie in der Demokratie Entscheidungen getroffen werden: über Diskussion und Debatte“.
Die AfD bezahlt
Bei dem Streitgespräch zwischen Boris Palmer und Markus Frohnmaier handle es sich formal um eine städtische Veranstaltung, so die Tübinger Stadtverwaltung, die somit das Hausrecht habe und den Einlass in der Hepper-Halle selbst steuern könne. Alle Kosten der Veranstaltung, auch für die Security am Veranstaltungstag und für die Planung und Betreuung des Streitgesprächs durch städtische Beschäftigte, trage die AfD, so die Stadt. Genauere Informationen zum Sicherheitskonzept macht die Stadt nicht.


