Rottenburger Bürgermedaillen
: Diana Walz sagt: „Der Chor ist schon mein Baby.“

Diana Walz leitet seit 28 Jahren den Dettinger Kinder- und Jugendchor St. Johannes. Als sie ihn übernahm, sangen dort 19 Kinder mit. Inzwischen sind es mehr als dreimal so viel.
Von
Margarethe Henning
Dettingen
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Diana Walz übernahm im Alter von 18 Jahren den Kinder-  und Jugendchor St. Johannes der Kirchengemeinde Dettingen. Jetzt ist die Grund- und Hauptschullehrerin 46. Den seit 1998 enorm angewachsenen Chor leitet sie immer noch.

Thomas Kiehl
  • Diana Walz leitet seit 28 Jahren den Kinder- und Jugendchor St. Johannes in Dettingen.
  • Der Chor wuchs von 19 auf 70 Mitglieder in vier Altersgruppen – Walz nennt ihn „mein Baby“.
  • Sie erhielt beim Bürgerempfang im März 2026 die bronzene Bürgermedaille der Stadt Rottenburg.
  • Chorarbeit stärkt Selbstbewusstsein; Musicals, Reisen und Konzerte fördern Verantwortung.
  • Jungen sind rar, Organisation ist aufwendig, Walz wünscht Unterstützung für eine Chorgruppe.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Alter von nur 18 Jahren übernahm Diana Walz den Kinder- und Jugendchor St. Johannes der Kirchengemeinde Dettingen. Jetzt ist die Grund- und Hauptschullehrerin 46. Den enorm angewachsenen Chor leitet sie immer noch. Für dieses ehrenamtliche Engagement, das auch mit viel erzieherischer und organisatorischer Arbeit verbunden ist, verlieh die Stadt Rottenburg Walz beim Bürgerempfang im März 2026 die bronzene Bürgermedaille.

Die Dettingerin lernte noch Chorleitung an der Rottenburger Kirchenmusikschule (heute Hochschule), als sie vor 28 Jahren die erste Probe mit dem damals 19-köpfigen Dettinger Chor ansetzte. Heute singen unter ihrer Leitung 70 Kinder, Jugendliche und mehr oder weniger junge Erwachsene, aufgeteilt in vier Altersgruppen.

Inzwischen singen die Kinder ehemaliger Chorkinder mit

„Inzwischen sind Kinder der ehemaligen Kinder im Chor“, freut sich Walz und lacht hell. „Es sind auch 30-Jährige dabei, die haben als Kind bei mir angefangen und dann einfach nie aufgehört.“ Da seien Studierende und fertige Juristinnen, die zur Chorprobe zurück in ihr Heimatdorf Dettingen kämen. „Der Chor“, sagt sie, „ist schon mein Baby.“

Das Singen im Chor fördere das Selbstbewusstsein der Kinder, weiß die Mutter von zwei Söhnen. Die Stimme sei mehr als ein Musikinstrument. „Das ist man selbst. Man steht da mit seinem ganzen Körper und seinem Atem, wird aber auch getragen und mitgenommen vom Chor.“ Zur Gruppe der Kleinen gehören bereits Vierjährige. Wenn sie die Klassenstufe 6 erreicht haben, lernen sie das mehrstimmige Singen.

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„Wir sind ein musikalischer Haushalt“

Diana Walz studierte Deutsch, Sport und Musik und ist Grund- und Hauptschullehrerin an der Grundschule im Kreuzerfeld. Dort ist sie zurzeit nur für den Musikunterricht in den ersten, zweiten und vierten Klassen zuständig. Ihr Mann Frank Schlichter, ebenfalls Musiklehrer sowie Chorleiter, bestreitet regelmäßig Konzerte, Konzertreisen und Workshops mit unterschiedlichen Formationen, unter anderem dem Tübinger Semiseria-Chor.

„Wir sind ein musikalischer Haushalt“, so die 46‑Jährige. „Bei uns daheim ist immer irgendjemand am Klavier.“ Ihre Mutter Maria Walz wurde 2025 mit der Rottenburger Bürgermedaille ausgezeichnet. Die heute 71-Jährige ist nicht nur Blockflötenlehrerin, sondern erledigt auch viel Organisatorisches im Zusammenhang mit dem Kinder- und Jugendchor Dettingen.

Ihr siebenjähriger Sohn singe „den ganzen Tag“, erzählt Diana Walz. In ihrem Chor, der der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes angegliedert ist, habe sie dagegen auch mit Kindern zu tun, die vorher noch nie gesungen haben. Und deren Eltern, die gar nicht singen (können), nach zwölf Jahren erstaunt sind, „wie toll ihre Töchter im Chor singen können“.

Viele Kinder kennen keine Lieder mehr

Nur ganz wenige Familien sängen aktiv mit ihren Sprösslingen, so Walz. „Sehr viele Kinder kennen kein traditionelles Liedgut mehr“, sei es nun ‚Alle Vögel sind schon da‘ oder ‚Der Mond ist aufgegangen‘. „Ich habe das Gefühl, dass die Welt stiller wird.“

Dabei tue den Kindern das Singen gut. „Es ist schön, wenn man die strahlenden Augen nach der Chorprobe sieht.“ Und während der sechswöchigen Sommerferien „fragen sie immer, wenn ich sie im Dorf treffe, wann die nächste Chorprobe ist“.

Der Persönlichkeitsentwicklung der Kleinen und auch der größeren Chormitglieder dienen Walz zufolge auch die Musicals, bei denen die Kinder und Jugendlichen unter ihrer Anleitung die Choreografie entwickeln, das Bühnenbild gestalten und die Kostüme entwerfen. Konzerte sowie nationale und internationale Chorreisen und -freizeiten trügen dazu bei, die Zuverlässigkeit der Sängerinnen und Sänger und ihr soziales Miteinander zu trainieren. „Das ist auch mit viel Erziehungsarbeit verbunden.“

Jungen sind im Dettinger Kinder- und Jugendchor Mangelware. Der Jugendchor (14 Jahre und älter) besteht derzeit nur aus Mädchen und Frauen. Die Altersgruppe der Sechs- bis Zehnjährigen hat immerhin 30 Prozent Jungen. Die Frage, sagt Walz, ist allerdings: Wechseln sie später in den gemischten Chor, oder „hören sie auf, weil’s mit dem Fußball kollidiert?“ Die Chorleiterin ist über jeden Jungen froh. „Die haben beim Singen den besonderen Peng.“ So eine Knabenstimme sei viel klarer und kraftvoller. Die Mädchen seien da oft schüchterner.

„Unterstützung wäre schon gut“

Denkt Diana Walz darüber nach, den Chor irgendwann abzugeben? Diese Gedanken gebe es immer wieder, „weil es sehr kräftezehrend ist“, sagt sie. Da seien ja nicht nur die Proben und die Auftritte, sondern auch die Organisation der Konzerte, Reisen und Musicals und viele Elterngespräche. Dazu komme der Schulunterricht. Zudem müsse sie sich um ihre beiden Söhne kümmern – ihr Mann sei ebenfalls sehr viel in Sachen Musik unterwegs.

„Es grenzt manchmal schon rein zeitlich ans Unmögliche“, bilanziert die Chorleiterin. Sie wolle aber auf keinen Fall den ganzen Chor auf einmal abgeben, betont die Dettingerin. „Aber Unterstützung für eine der Chorgruppen, das wäre schon gut.“

Die Serie „Rottenburger Bürgermedaillen“

Eine Gesellschaft lebt von Engagement, von Menschen, die mehr tun, als sie eigentlich müssten. Seit 2014 zeichnet die Stadt Rottenburg solche Menschen mit der Bürgermedaille aus. In einer Serie erzählen wir ihre Geschichten. In Szene gesetzt wurden die Medaillen-Trägerinnen und -Träger durch die Fotografen Thomas Kiehl und Amelie Tress. Bisher in der Serie erschienen sind:

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