Rottenburger Bürgermedaillen
: Warum Pietro Scalera Post von Udo Lindenberg bekam

Bereits mit 23 Jahren ist der Rottenburger in so vielen Vereinen engagiert, dass leicht der Überblick verloren geht. Für sein Engagement wurde er dieses Jahr mit der Bürgermedaille geehrt.
Von
Benjamin Breitmaier
Rottenburg
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Pietro Scalera ist erst 23 Jahre alt und hat Stadt Rottenburg nachhaltig geprägt.

Thomas Kiehl thomaskiehl.de
  • Der 23-Jährige Pietro Scalera erhält dieses Jahr die Rottenburger Bürgermedaille.
  • Er engagiert sich u. a. bei DLRG seit dem 14. Lebensjahr und leitet heute die Ortsgruppe.
  • Als Stadtjugendring-Vorsitzender vertritt er junge Menschen – 80 Vereine sind beteiligt.
  • Herzensprojekt ist das „Schulprojekt gegen Rassismus“ mit über 2500 Schüler*innen in fünf Jahren.
  • Udo Lindenberg schickte ihm dafür eine Zeichnung mit Widmung – ein Auftritt war terminlich nicht möglich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Pietro Scalera zeigt das Beweisfoto. Da ist sie, eine Zeichnung von Udo Lindenberg – inklusive persönlicher Widmung. „Ich war damals 18 Jahre alt. Ich hab’ erst gedacht, ein paar Freunde machen einen Scherz“, sagt der heute 23-Jährige an einem Sommerabend auf dem Rottenburger Marktplatz.

Das Interview mit der Redaktion ist wenige Wochen her. Damals stand der Rottenburger Gemeinderat kurz davor, über die Widmung des Hedwig-Baur-Platzes zu entscheiden. Scalera ist Teil der Initiative, die den Stein ins Rollen brachte. Die Entscheidung im Rat fiel einstimmig positiv aus. So hinterlässt Scalera seine Spuren in Rottenburg. Aber warum darf er eine Zeichnung von Udo Lindenberg sein Eigen nennen?

Es muss wohl großer Suchaufwand betrieben werden, um jemanden zu finden, der in so vielen Ehrenämtern eine tragende Rolle spielt. Für sein Engagement wurde der 23-Jährige dieses Jahr mit der Bürgermedaille der Stadt Rottenburg ausgezeichnet.

Seit seinem 14. Lebensjahr ist er Trainer und Schwimmkursleiter beim DLRG, übernimmt seit mittlerweile mehr als zehn Jahren Verantwortung als Jugendvorstand und ist heute Vorsitzender der Ortsgruppe.

Als Vorsitzender des Stadtjugendrings kümmert er sich gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus 80 Vereinen um die Belange junger Menschen in der Stadt. Er war Schülersprecher, war Mitglied der Jugendvertretung, er ist Stadtverbandsvorsitzender und stellvertretender Kreisvorsitzender der Jungen Union, Vorstandsmitglied der CDU Rottenburg, jüngstes Vorstandsmitglied des Integrationsbeirats in Rottenburg. Allein die Aufzählung aller Ämter des Rottenburgers würde einen Artikel füllen.

Herzenssache „Schulprojekt gegen Rassismus“

Seine Herzenssache ist das „Schulprojekt gegen Rassismus“. Die Reihe läuft bereits seit fünf Jahren. Insgesamt konnten mehr als 2500 Schülerinnen und Schüler erreicht werden – 23 Schulklassen pro Jahr. Das Prinzip: In jede neunte Klassenstufe an jeder weiterführenden Schule Rottenburgs kommt einmal im Jahr eine Person, die definitiv etwas zu erzählen hat. Norbert Lammert war da, Hertha Däubler-Gmelin, daneben Kickbox-Weltmeister Gökhan Arslan – allgemein Menschen, die von ihren Erfahrungen mit Diskriminierung berichten. Womit wir bei der Post von Udo Lindenberg angekommen sind.

"Ahoi Pietro Scalera, gut, was Ihr da macht", schreibt Udo Lindenberg an den jungen Rottenburger.

"Ahoi Pietro Scalera, gut, was Ihr da macht", schreibt Udo Lindenberg an den jungen Rottenburger.

Pietro Scalera

Die Rock-Ikone war einer der Promis, die Scalera angeschrieben hat. Terminlich hat es nicht gepasst, dafür schickte der Künstler eine außergewöhnliche Zeichnung, um dem jungen Rottenburger Mut für das Projekt des Integrationsbeirats zu machen. Lindenbergs Urteil ist eindeutig: „Gut, was ihr da macht“, schreibt Lindenberg neben die Zeichnung.

In der Würdigung zur Verleihung der Bürgermedaille heißt es über Scalera: „In vielen kommunalpolitischen Themen bringt er sich aktiv ein, sucht den öffentlichen Diskurs und setzt neue Impulse, etwa mit der Initiative, am Europatag an allen Rottenburger Rathäusern die Europaflagge zu hissen.“

Elternhaus prägt sein Engagement für Frauenrechte

Sein Engagement für die Rechte von Frauen – er ist auch Teil der Initiative „Rottenburger Frauentage“ – wurde durch sein Elternhaus geprägt. Scalera: „Meine Mutter mit Migrationshintergrund hat uns Geschwister nach der Trennung meiner Eltern fast allein großgezogen. Ich habe miterlebt, welchen Herausforderungen sie sich stellen musste – von alltäglichem Rassismus bis hin zu den enormen Belastungen, die viele alleinerziehende Frauen tragen.“

Was nicht vergessen werden darf: Das alles passiert nebenberuflich. Scalera arbeitet Vollzeit als Beamter im Ministerium der Justiz und für Migration Baden-Württemberg im Büro des Landesministers in Stuttgart. Er pendelt regelmäßig zwischen Rottenburg und der Landeshauptstadt.

Im Sommer geht er auftanken, oft auf Sizilien bei den Großeltern. Nächstes Jahr wird die Reihe „Schulprojekt gegen Rassismus“ weitergehen. Seine Ziele? Scalera: „Ich lass’ mich da überraschen, was kommt. So vieles geschieht einfach über Begegnungen.“ Wie wäre es mit einem zweiten Anlauf für den Gemeinderat? „Das würde mich schon reizen“, sagt er.

Die Serie „Rottenburger Bürgermedaillen“

Eine Gesellschaft lebt von Engagement, von Menschen, die mehr tun, als sie eigentlich müssten. Seit 2014 zeichnet die Stadt Rottenburg solche Menschen mit der Bürgermedaille aus. In einer Serie erzählen wir ihre Geschichten. In Szene gesetzt wurden die Medaillen-Trägerinnen und -Träger durch die Fotografen Thomas Kiehl und Amelie Tress.