Bosch in Reutlingen: Kampf den Jobkillern – 900 Menschen protestieren gegen Stellenabbau

Protest gegen Entlassungen bei Bosch in Reutlingen: Rund 900 Angestellte des Konzerns machten sich nach einer Betriebsversammlung in der Stadthalle zu Fuß zurück auf den Weg zurück in den Betrieb.
Mathias Grimm- Bosch streicht in Reutlingen bis zu 1100 Stellen, Protest mit rund 900 Teilnehmenden in der Stadt.
- IG Metall fordert Transparenz, weniger Entlassungen und Sicherheit für Auszubildende nach 2027.
- Beschäftigte kritisieren planlosen Stellenabbau und sorgen sich um ihre Zukunft und Familien.
- Bosch baut weltweit fast 15.000 Stellen ab, betroffen sind vor allem deutsche Autozulieferer.
- Konzern investiert in Halbleiterproduktion, doch in Reutlingen wächst die Unsicherheit.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Regen hörte gerade auf, als sich am Montagvormittag rund 900 Bosch-Beschäftigte von der Reutlinger Stadthalle in Richtung Werk aufmachen. In der Halle hatten sie einer Betriebsversammlung beigewohnt. Der Protest richtet sich gegen die angekündigten 1100 Stellenstreichungen am Standort, der mit rund 10.000 Mitarbeitenden zu den größten Arbeitgebern der Region zählt. Bosch begründet den Abbau mit sinkenden Stückzahlen, hartem Wettbewerbsdruck und einer Steuergerätefertigung, die aus Sicht des Konzerns „nicht mehr wettbewerbsfähig“ ist. Während der Weltkonzern zugleich in den Ausbau der Halbleiterproduktion investiert, wächst in Reutlingen die Sorge um die industrielle Zukunft.
Für die IG Metall ist die Lage eindeutig: Sie spricht von einem „massiven Angriff auf die Beschäftigten“ und verlangt vom Unternehmen vollständige Transparenz über alle geplanten Schritte. Die Stimmung, berichten viele, sei seit Monaten „eskaliert“. Eine „Horror-Meldung nach der anderen“ präge den Arbeitsalltag, sagt ein Beschäftigter. Der Vorwurf, die Firma „dränge sich hinein“ und treffe Entscheidungen ohne erkennbare Linie, zieht sich durch viele O-Töne. „Planloser Abbau, keine Zukunftsperspektive – und alles auf den Schultern der Mitarbeiter“, klagt Murat Yilmaz, der seit 28 Jahren im Betrieb arbeitet. Viele sorgten sich inzwischen, wie es weitergehe.
„Bin ich künftig überhaupt noch in der Lage, meine Familie zu ernähren?“ – Diesen Gedanken, sagt Yilmaz, hörten Kolleginnen und Kollegen immer häufiger laut ausgesprochen. Unter den Demonstrierenden ist auch Cyrille Foka, seit mehr als einem Jahr arbeitet er in der Fertigung, zuvor war er bei Porsche angestellt. Der 33-Jährige kam vor 12 Jahren aus Kamerun nach Deutschland. „Keiner weiß, wie es weitergeht“, sagt er. „Ich habe Angst, meinen Job zu verlieren.“
Die Gespräche zwischen Management und Arbeitnehmerseite laufen seit September. Forderungen sind unter anderem eine unbefristete Übernahme der Auszubildenden, mehr Beschäftigungssicherheit nach 2027 und insgesamt deutlich weniger Entlassungen.

Cyrille Foka (33) kam vor zwölf Jahren nach Deutschland. Nun hat er Angst, seinen Job bei Bosch in Reutlingen zu verlieren.
Mathias GrimmUnterstützung kommt aus der Region und von weiteren Betrieben: Delegationen von Bosch Ansbach, Renningen, Waiblingen, aber auch von umliegenden Firmen wie Elring-Klinger und Marelli. Auf einem der Plakate steht: „Stoppt die Jobkiller“. Ein Nachbarbetrieb-Beschäftigter, Matthias Ott, kritisiert, die Manager wollten die Krise „auf dem Rücken der Leute austragen“.
Die IG Metall, vertreten durch Claudia Hülsken, 1. Bevollmächtigte der Geschäftsstelle Reutlingen/Tübingen, sprach von einer „bombastischen Stimmung“ und kündigte an, die Belegschaft in den kommenden Wochen eng in die weiteren Verhandlungen zum Stellenabbau einzubinden. „Jede Stelle zählt“, sagte sie.
Konzern mit weltweitem Stellenabbau
Der weltgrößte Autozulieferer Bosch baut weiter Personal ab. Seit Ende 2023 laufen zahlreiche Programme zum Stellenabbau, insgesamt sollen weltweit fast 15.000 Arbeitsplätze wegfallen – betroffen sind vor allem die Autozuliefersparte in Deutschland, aber auch die Hausgeräte-Tochter BSH und die Werkzeugsparte. Bosch-Chef Stefan Hartung stellt wegen der schwachen Wirtschaftslage und des Strukturwandels in der Autobranche weitere Einschnitte in Aussicht. Ende 2024 beschäftigte der Konzern weltweit 417.900 Menschen, rund 11.600 weniger als ein Jahr zuvor. In Deutschland sank die Zahl der Beschäftigten auf 129.600 – ein Rückgang um 4500 Stellen beziehungsweise 3,4 Prozent.

