Bundestagswahl 2025
: Das sagen die Neu-Ulmer Kandidaten zum Thema Klima und Energie

Wahlkampf-Endspurt! Rund eine Woche der Wahl beantworten die Neu-Ulmer Direktkandidaten für den Wahlkreis Neu-Ulm Fragen rund um die Energiepolitik.
Von
swp
Neu-Ulm
Jetzt in der App anhören
Die Kandidaten der Bundestagswahl 2025 im Wahlkreis Neu-Ulm erklären ihre Position zum Thema Klima und Energie. Von links nach rechts: Alexander Engelhard (CDU), Alpay Artun, (Grüne), Andreas Büch, (SPD), Henrik Hecht (FDP), Gerd Mannes (AfD), Vincent Le Claire (Linke), Ahmet Baygül (Freie Wähler).

Die Kandidaten der Bundestagswahl 2025 im Wahlkreis Neu-Ulm erklären ihre Position zum Thema Klima und Energie. Von links nach rechts: Alexander Engelhard (CDU), Alpay Artun, (Grüne), Andreas Büch, (SPD), Henrik Hecht (FDP), Gerd Mannes (AfD), Vincent Le Claire (Linke), Ahmet Baygül (Freie Wähler).

Matthias Kessler, Lars Schwerdtfeger, Volkmar Könneke, privat
  • Bundestagswahl 2025: Neu-Ulmer Kandidaten äußern sich zu Klima und Energie.
  • Themen: Windkraft-Ausbau, Akzeptanz, Klimaschutz, grüne Energieproduktion.
  • Kandidaten: Engelhart (CSU), Artun (Grüne), Büch (SPD), Hecht (FDP), Mannes (AfD), Le Claire (Linke), Baygül (Freie Wähler).
  • Diskussionen über Hochwasserschutz und landwirtschaftliche Proteste.
  • Bedeutung von regionaler Zusammenarbeit und dezentralen Energieprojekten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Streit um Windkraft, mehr oder weniger Klimaschutz und die Energieproduktion von morgen: Die Kandidaten aus dem Neu-Ulmer Wahlkreis beantworten fünf Fragen rund um die Themen Energie, Umwelt und auch Landwirtschaft.

Der Windkraft-Ausbau hat in manchen Gemeinden der Region für Widerstand gesorgt. Wie gelingt es, mehr Akzeptanz zu schaffen?

  • Alexander Engelhard, CSU: Die Sorgen der Betroffenen kann ich nachvollziehen. Aus meiner Sicht gelingt Akzeptanz dadurch, dass die Gemeinden und die Bürger vor Ort von den Windkraftanlagen profitieren.
  • Alpay Artun, Grüne: Jedes Windrad macht den Strom billiger und das Land unabhängiger von fossilen Autokraten. Gemeinden, die Anlagen zulassen, sollen direkt profitieren durch finanzielle Teilhabe. Das ist gut für klamme Kassen. Wo es an Akzeptanz mangelt, können Bürgerbeteiligungen Missverständnisse und Skepsis ausräumen.
  • Andreas Büch, SPD: Es macht einen deutlichen Unterschied, ob die Politik die Menschen von Beginn an mitnimmt und die klaren Vorteile, aber auch Probleme thematisiert. Oder aber, ob Windräder als „hässlich“ und scheinbare Übergangstechnologie bezeichnet werden. Die Kommunikation ist also entscheidend.
  • Henrik Hecht, FDP: Eine Möglichkeit könnte darin bestehen, die Gemeinden an den Gewinnen zu beteiligen. Wenn alle finanziell davon profitieren, steigt auch die Akzeptanz.
  • Gerd Mannes, AfD: Wenn Wallfahrtsorte wie Maria Vesperbild mit Windrädern verschandelt werden, ist mangelnde Akzeptanz klar. Die Bürger wollen keine 200 Meter hohen Ungetüme. Bei uns weht wenig Wind, eine sichere Stromversorgung ist nicht möglich. Wir beenden den einseitigen Ausbau der Windkraft zur Energieversorgung.
  • Vincent Le Claire, Linke: Akzeptanz haben solche Projekte, wenn die Gemeinde selbst von einem Neubau profitiert. Wir schlagen einen Bonus von 25.000 Euro pro Megawatt für die Gemeinden vor, damit kommunale Projekte gefördert werden können. Aber auch genossenschaftliche Windkraftanlagen halte ich für eine gute Idee.
  • Ahmet Baygül, Freie Wähler: Überall, wo die Bürger die Möglichkeit hatten, sich finanziell an den Windkraftanlagen zu beteiligen, war der Widerstand deutlich geringer. Sie gehören in die Hände der Bürger und der Kommunen, nicht von gewinnorientierten Investoren. Es wird auch eine wichtige Komponente für die kommunale Wärmeplanung.

2024 war das heißeste Jahr, wir haben jüngst die 1,5 Grad-Marke überschritten – doch Klima ist als Wahl-Thema eher in die zweite Reihe gerückt. Ein Fehler?

  • Alexander Engelhard, CSU: Wettbewerbsfähigkeit ist zu Recht die erste Priorität. Die Unternehmen brauchen finanzielle Spielräume, um in Klimaschutz zu investieren. Wir können die Menschen nur für Klimaschutz begeistern, wenn sie sich keine Sorgen um ihren Job machen müssen. Doch natürlich bleibt Klimaschutz ein zentrales Thema für uns!
  • Alpay Artun, Grüne: Ja. Gleichzeitig ist es menschlich, eine existenzbedrohende Krise verdrängen zu wollen. Aber: Noch können wir das Schlimmste verhindern. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, sollten wir nie vergessen, warum wir Klimaschutz betreiben: Damit auch unsere Kinder und Enkel in Freiheit und Wohlstand leben können.
  • Andreas Büch, SPD: Definitiv! Das Problem ist, dass wir die unmittelbaren Folgen des Klimawandels nicht immer sofort spüren. Doch der nächste Hitze/Trocken- Sommer wird kommen oder die nächste Flutkatastrophe. Die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse mit all ihren Folgen steigt von Jahr zu Jahr.
  • Henrik Hecht, FDP: Das Klimathema ist und wird auch in den kommenden Jahrzehnten relevant bleiben. Wir müssen uns kontinuierlich verbessern und vor allem einen langen Atem beweisen.
  • Gerd Mannes, AfD: Die Politik muss sich endlich wieder mehr auf die echten Probleme der Bürger fokussieren. Die Abwanderung der Industrie, die hohen Energiepreise, die eskalierende Gewalt und die ungebremste illegale Migration sind viel wichtiger als irgendeine 1,5-Grad-Marke. Genau um diese Dinge werde ich mich daher kümmern.
  • Vincent Le Claire, Linke: Klima ist kein zweitklassiges Thema im Wahlkampf! Für Die Linke ist das Thema Klima aber untrennbar mit der sozialen Frage verbunden: Einen Umbau der Industrie und Energiegewinnung können wir schaffen, wenn wir auch auf die Menschen achten, die keine Rücklagen haben, um ihre Heizungsanlage zu erneuern.
  • Ahmet Baygül, Freie Wähler: Leider hat die Ampelregierung durch ihren ideologisch geprägten Energiewandel die Bereitschaft der Bürger, diesen mitzutragen, zu sehr überanstrengt. Hier muss erst wieder viel Vertrauen aufgebaut werden. Die Bürger müssen diesen Wandel als Gewinn kennenlernen.

Öl, Gas und Kohle sollen als Energierohstoffe wegfallen. Wie wollen Sie gewährleisten, dass im Kreis Neu-Ulm ausreichend grüne Energie produziert wird?

  • Alexander Engelhard, CSU: Der Landkreis Neu-Ulm wird seinen Energiebedarf weder kurz- noch mittelfristig aus eigener Kraft mit erneuerbarer Energie decken können. Darum werden wir Energiepartnerschaften mit anderen Regionen in Deutschland, Europa und speziell auch Afrika brauchen.
  • Alpay Artun, Grüne: Wir wollen 80 Prozent erneuerbare Energien bis 2030. Es ist gut, dass nach Jahrzehnten der Lethargie etwas passiert. Wir dürfen nicht auf die Bremse treten, sondern brauchen mehr dezentrale Solar- und Windenergie, ein größeres Fernwärmenetz. Tiefengeothermieprojekte wie in Neu-Ulm sind eine gute Ergänzung.
  • Andreas Büch, SPD: Es reicht nicht, beispielsweise nur auf Solarenergie zu setzen, obwohl Bayern hier Vorreiter ist. Wir brauchen mehrere Standbeine. Dazu zählen die Geothermie genauso wie die Windkraft. Auch gilt es Speicherkapazitäten und Stromnetze auszubauen. Möglichkeiten gibt es genug, wir müssen es nur wollen.
  • Henrik Hecht, FDP: Ich befürworte eine CO2- Bepreisung, die die grüne Transformation planbar macht. Darüber hinaus müssen wir wieder verstärkt auf den freien Markt setzen.
  • Gerd Mannes, AfD: Ich will das Kernkraftwerk Gundremmingen erhalten, sofern technisch möglich. Denkbar ist auch ein Reaktor neuester Bauart, mit dem vorhandener Atommüll energetisch genutzt werden kann. Um den Industriestandort zu erhalten, brauchen wir grundlastfähige Kraftwerke zur Stromerzeugung.
  • Vincent Le Claire, Linke: Das Potential ist sicherlich noch nicht ausgereizt: Eine „Solarpflicht“ mit vernünftigen Förderprogrammen beim Neubau von Gebäuden und bei Dachsanierungen kann die Energieerzeugung vor Ort stärken.
  • Ahmet Baygül, Freie Wähler: Wenn wir keine großen Wind- und Solaranlagen wollen, dann helfen nur kleine Anlagen für jedes Haus, die für den Eigenverbrauch ausgelegt sind. Die Forschung für bessere Stromspeicher und zur effektiven Wasserstoffgewinnung läuft auf Hochtouren. Neue Lösungen sind nur eine Frage der Zeit.

Mitte 2024 traten die Gewässer im Landkreis Neu-Ulm über die Ufer und sorgten für das höchste Hochwasser seit langem. Wie wollen Sie tun, damit der Schutz künftig verbessert wird?

  • Alexander Engelhard, CSU: Wir müssen uns bei jedem Fluss den ganzen Verlauf anschauen und kommunenübergreifend zusammenarbeiten. Unsere Landrätin Eva Treu hat dazu die Initiative ergriffen. Der Bund muss Geld und Planungsrecht zur Verfügung stellen, damit schnell was vorangehen kann.
  • Alpay Artun, Grüne: Der beste Hochwasserschutz ist die Renaturierung von Flüssen, Auen und Rückhalteflächen. Dazu zählt, dass wir die Natur nicht weiter zubetonieren und überlegen, wo wir entsiegeln können. Wir verstärken den Deichbau, den Katastrophenschutz und den Versicherungsschutz gegen Elementarschäden.
  • Andreas Büch, SPD: Es braucht grenzüberschreitende Hochwasserschutzkonzepte durch eine enge Zusammenarbeit von Kommunen, Ländern und dem Bund. Beginnend beim Städtebau über mehr ausgewiesene Überflutungsflächen bis zu einer bundesweit geltenden Elementarschutzversicherung bei Schäden.
  • Henrik Hecht, FDP: Leider werden wir in Zukunft häufiger mit solchen Hochwassern rechnen müssen. Deshalb sollten wir uns besser darauf vorbereiten und beispielsweise Auwälder anlegen, die kurzfristig Wasser aufnehmen können.
  • Gerd Mannes, AfD: Wir können aus Deutschland das Weltklima nicht mit CO2-Reduzierung beeinflussen. Wir müssen vielmehr unsere Siedlungen schützen. Im Landtag habe ich mich für den Hochwasserschutz eingesetzt. Ich will zukünftig vor allem den Grundschutz ausbauen, auch weil das viel schneller geht als Mega-Projekte.
  • Vincent Le Claire, Linke: Die bayerische Regierung hat am Hochwasserschutz gespart. Der Katastrophenschutz ist eine Kernaufgabe des Staats und braucht entsprechende öffentliche Gelder; das spart auch Kosten für Nothilfe. Ganz konkrete Maßnahmen werden von der örtlichen Geographie abhängen.
  • Ahmet Baygül, Freie Wähler: Gerade meine Heimatstadt Burgau war sehr schwer vom Hochwasser betroffen. Es gibt schon länger eine Hochwasserplanung, dieses Jahr ist endlich Baubeginn. Wir müssen gerade dort, wo Hochwassergefahr besteht, in den Hochwasserschutz investieren.

Vor gut einem Jahr sind viele Landwirte auf die Straße gegangen. Was muss passieren, damit das nicht noch einmal passiert?

  • Alexander Engelhard, CSU: Es ist ihr gutes Recht, durch Proteste auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Die Landwirtschaft braucht klare Perspektiven und verlässliche Rahmenbedingungen, sie will verstanden werden. Daher begrüße ich es, dass die Union mit einem designierten Landwirtschaftsminister ins Rennen geht, der die Branche versteht.
  • Alpay Artun, Grüne: Wir Grüne wollen Perspektiven für Bäuerinnen und Bauern. Die prekäre Lage vieler liegt an der „Wachse oder Weiche“-Politik der letzten Jahrzehnte, die die Großen begünstigt hat. Als Bündnispartner stärken wir die Landwirtschaft durch faire Erzeugerpreise, weniger Bürokratie und Investitionen ins Tierwohl.
  • Andreas Büch, SPD: Ich stehe dazu, dass ich Einsparungen lieber in anderen Bereichen statt der Landwirtschaft gesehen hätte. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Landwirtschaft der am stärksten subventionierte Wirtschaftszweig ist. Wir täten dennoch gut daran, unsere Landwirte vor weiteren Belastungen zu schützen.
  • Henrik Hecht, FDP: Wir müssen die Sorgen und Wünsche der ländlichen Bevölkerung ernster nehmen. Das gelingt nur, wenn man miteinander spricht.
  • Gerd Mannes, AfD: Wir werden in erster Linie die EU-Bürokratie zurückdrängen. Aus Brüssel kommen völlig weltfremde Vorschriften für landwirtschaftliche Betriebe, wie eine Geschlechterquote in der Landwirtschaft. Wir setzen auf das Wissen heimischer Lebensmittelerzeuger statt sinnloser Vorschriften und deren Überwachung.
  • Vincent Le Claire, Linke: Zu demonstrieren, ist ein Grundrecht – das sollte man nicht verhindern wollen. Landwirtinnen und Landwirte ernähren uns und leisten eine überlebenswichtige Arbeit in der Gesellschaft. Daher wollen wir ihre Grundstücke vor Spekulationen bewahren, sie sozial absichern und kleine Betriebe vor Monopolisten schützen.
  • Ahmet Baygül, Freie Wähler: Der Meldewahnsinn muss reduziert werden, der Dieselpreis steuerlich wieder reduziert werden. Die Landwirte übernehmen ja nicht nur ganz viel Landschaftspflege. Sie unterstützen auch regelmäßig beim Winterdienst.