Bundestagswahl 2025 Neu-Ulm: So denken die Neu-Ulmer Kandidaten über Gesundheitsfragen
Hausarztmangel, Klinikschließungen, Krankenkassenbeiträge. Sieben Direktkandidaten aus dem Wahlkreis Neu-Ulm beantworten Fragen zum Thema Gesundheit.

Die Kandidaten der Bundestagswahl 2025 im Wahlkreis Neu-Ulm beantworten Fragen zum Thema Gesundheit. Von links nach rechts: Alexander Engelhard (CSU), Alpay Artun, (Grüne), Andreas Büch, (SPD), Henrik Hecht (FDP), Gerd Mannes (AfD), Vincent Le Claire (Linke), Ahmet Baygül (Freie Wähler).
Matthias Kessler, Volkmar Könneke, dpa, privat, Parteien- Bundestagswahl 2025: Kandidaten aus Neu-Ulm äußern sich zu Gesundheitsfragen.
- Themen: Hausarztmangel, Klinikschließungen, Krankenkassenbeiträge.
- Reformvorschläge: Prävention, Digitalisierung, Bürgerversicherung, Bürokratieabbau.
- Zukunft der kleinen Krankenhäuser: regionale Gesundheitsverbünde, Spezialisierung.
- Pflegeberufe attraktiver machen: bessere Arbeitsbedingungen, weniger Bürokratie.
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Kliniken, Krankenkassen, Pflege, Hausärzte-Notstand: Die Kandidaten aus dem Neu-Ulmer Wahlkreis für die Wahl am 23. Februar beantworten Fragen rund ums Thema Gesundheitsversorgung. Sie haben unterschiedliche Rezepte.
Welche Reform in der Gesundheitspolitik halten Sie für die dringlichste?
- Alexander Engelhard, CSU: Die Finanzierung des Gesundheitswesens auf gesunde Beine zu stellen, die das System langfristig tragen. Das kann gelingen, indem wir zum Beispiel Prävention, Digitalisierung und Synergien stärken.
- Alpay Artun, Grüne: Eine zentrale Reform ist die Stärkung der Primärversorgung, besonders durch Hausärzte, um eine bessere Behandlungsqualität zu gewährleisten. Darüber hinaus sollen unterversorgte Gebiete stärker unterstützt und die Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung durch Kooperation überwunden werden.
- Andreas Büch, SPD: Eine Reform hin zu einer Bürgerversicherung, in die sowohl Gesetzlich- als auch Privatversicherte einzahlen. Eine solide Finanzierung ist nur möglich, wenn alle ihren gerechten Beitrag leisten. Immer unter der Maßgabe der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Auch die Beitragsbemessungsgrenze muss reformiert werden.
- Henrik Hecht, FDP: Wir müssen unbürokratischer werden. Wir haben zu wenige Ärzte und deshalb sollen diese möglichst viel Zeit mit der Versorgung von Patienten verbringen.
- Gerd Mannes, AfD: Ich würde die ambulante Versorgung in den Facharztpraxen verbessern. Die Wartezeiten von mehreren Monaten bei wichtigen Behandlungen muss reduziert werden, indem wir die Fachärzte entlasten. Ein Bonussystem für Patienten wäre sinnvoll. Insgesamt müssen wir an Krankenhaus- und Pfelgereform arbeiten.
- Vincent Le Claire, Linke: Die Zwei-Klassen-Medizin von gesetzlicher und privater Krankenversicherung muss abgeschafft werden: Eine einzelne solidarische Krankenversicherung, in der alle einzahlen, ist gerecht und hilft, die Missstände zu beheben.
- Ahmet Baygül, Freie Wähler: Die Reform der gesetzlichen Krankenversicherungen. Wozu braucht es viele verschiedene Versicherungen, wenn doch die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen bei allen gleich sind? Das spart viele Vorstandsposten.
Auch im Kreis Neu-Ulm wackeln die Kliniken. Sehen Sie für kleine Krankenhäuser eine Zukunft?
- Alexander Engelhard, CSU: Das kann man nicht pauschal beantworten, sondern muss man sich im Einzelfall anschauen. Tendenziell brauchen wir eine stärkere Konzentration von spezialisierten Leistungen und gleichzeitig eine flächendeckende Grundversorgung. Ich halte das Konzept der Medizinischen Versorgungszentren für sinnvoll.
- Alpay Artun, Grüne: Ja, kleine Krankenhäuser haben eine Zukunft, wenn sie in regionale Gesundheitsverbünde eingebunden werden. Hier sollen Versorgungsberufe zusammenarbeiten, um eine effiziente und wohnortnahe Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Die Krankenhausreform wird so gestaltet, dass die Grundversorgung bleibt.
- Andreas Büch, SPD: Natürlich, doch sehe ich kleine Kliniken hier als Nahversorger für die kleineren, weniger schweren Fälle. In ländlichen Räumen kommen wir über eine Spezialisierung nicht hinweg. Das heißt Grundversorgung vor Ort, komplizierte Eingriffe übernehmen die größeren und spezialisierten Fachkliniken.
- Henrik Hecht, FDP: Ja, ich halte kleine Krankenhäuser für sehr wichtig, auch wenn sich deren Aufgaben in Zukunft ändern werden. Schwierige Operationen sollten in zentralen und großen Krankenhäusern durchgeführt werden, da diese darin erfahrener und oft kostengünstiger sind.
- Gerd Mannes, AfD: Kleine Krankenhäuser in der Region müssen möglichst erhalten bleiben, um die Grundversorgung bei uns abzudecken. Die kostenintensive Überbürokratisierung des Gesundheitswesens müssen wir zurückdrängen. Wir müssen auch prüfen, ob eine landkreisübergreifende Zusammenlegung Sinn macht.
- Vincent Le Claire, Linke: Wir brauchen eine flächendeckende Gesundheitsversorgung. Fallpauschalen haben da jahrelang falsche Anreize gesetzt. Wenn Krankenhäuser wieder als staatliche Infrastruktur statt als Investitionsobjekte gesehen werden, können wir auch kleine Kliniken bedarfsgerecht erhalten.
- Ahmet Baygül, Freie Wähler: Ich halte nichts vom Klinikabbau. Gerade hier in der ländlichen Gegend ist es wichtig, dass die Krankenhäuser in erreichbarer Nähe sind.
Die Kliniken suchen händeringend Pflegepersonal, teils müssen deswegen Abteilungen geschlossen werden. Wie kann der Beruf attraktiver gemacht werden?
- Alexander Engelhard, CSU: Wie in vielen anderen Bereichen müssen wir auch hier die Dokumentationspflichten auf ein Mindestmaß stutzen. Das Pflegepersonal wird dringend von den Patienten gebraucht und darf nicht zusätzlich durch überbordende Bürokratie belastet werden. Die Arbeitsbedingungen müssen weiter verbessert werden!
- Alpay Artun, Grüne: Wir möchten die Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen verbessern, indem Bürokratie abgebaut und höhere Personalschlüssel umgesetzt werden. Zudem wollen wir Rückkehrer gewinnen, indem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert wird. Dazu kommen attraktivere Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.
- Andreas Büch, SPD: Eine gute Bezahlung ist selbstverständlich. Immer wichtiger werden aber die Arbeitsbedingungen. Bürokratieabbau durch Digitalisierung und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind hier wichtig. Eine breite Palette an Mitarbeiterboni (Benefits) können auch einen Beitrag leisten.
- Henrik Hecht, FDP: Das Pflegepersonal ist teilweise extrem gut ausgebildet und sollte dafür mehr Anerkennung, mehr Verantwortung und auch eine bessere Bezahlung erhalten. Außerdem müssen bessere Einstiegsmöglichkeiten geschaffen werden, auch für Menschen, die noch nicht gut Deutsch sprechen.
- Gerd Mannes, AfD: Ich will, dass die Arbeit mit dem Patienten wieder im Vordergrund steht. Statt aufwendiger Dokumentationspflichten soll es wieder um die medizinische Versorgung gehen. Vertrauen statt teurem Kontrollwahn - damit und mit flexiblen Arbeitszeitmodellen wird die Pflege wieder attraktiver.
- Vincent Le Claire, Linke: Die Pflege hat teils menschenunwürdige Arbeitsbedingungen. Wir unterstützen gerade die Gewerkschaften, die seit Jahrzehnten um bessere Bedingungen kämpfen. Ursache ist der von der Regierung geschaffene Kostendruck auf Ärzte und Ärztinnen und Kliniken. Ökonomisierung hat aber in der Gesundheit keinen Platz.
- Ahmet Baygül, Freie Wähler: Für alle Berufe muss gelten: Anstatt einen zusätzlichen Nebenjob aufnehmen zu müssen sollten Überstunden bis 550 Euro steuerfrei sein.
Gerade auf dem Land haben viele Probleme, einen Hausarzt zu finden. Was kann die Politik dagegen tun?
- Alexander Engelhard, CSU: Anreize schaffen, dass sich dort Ärzte ansiedeln. Dazu gehört auch, den ländlichen Raum als Ganzes zu stärken. Die Ampel hat nur eine Politik für Städte gemacht. Zudem brauchen wir größere Praxen, in denen sich Ärzte zusammenschließen und so die Möglichkeit zu Synergien und flexibleren Arbeitszeit- Modellen zu schaffen.
- Alpay Artun, Grüne: Die Verteilung von Ärzten und Ärztinnen muss enger mit der Krankenhausplanung abgestimmt werden. Wir setzen auf regionale Gesundheitszentren, in denen Ärzte und Pflegepersonal unter einem Dach arbeiten, und fördern mobile Gesundheitsdienste. Dort, wo der Mangel eklatant ist, kann Telemedizin helfen.
- Andreas Büch, SPD: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist gerade für junge Ärzte durch gute Kinderbetreuung zu gewährleisten. Bürokratie und fehlende Beratung sind ebenfalls ein Problem, denn eine Arztpraxis zu leiten ist eine unternehmerische Aufgabe, auf die ein Medizinstudium kaum vorbereitet.
- Henrik Hecht, FDP: Wir müssen mehr Ärzte ausbilden. Es gibt viele Abiturienten, die Ärzte werden möchten, aber keinen Studienplatz finden.
- Gerd Mannes, AfD: Wir brauchen mehr Studienplätze und müssen Mediziner als Hausärzte binden. Das Umfeld muss für Praxen auskömmlich sein. Die gesellschaftliche Überalterung wollen wir mit einer kinderfreundlichen Politik aufhalten und die unkontrollierte Zuwanderung beenden, um Druck vom Gesundheitssystem zu nehmen.
- Vincent Le Claire, Linke: Kommunale Versorgungszentren können einen entscheidenden Beitrag leisten: Eine zentrale Anlaufstelle mit Allgemein- und anderen oft benötigten Fachärzte und Fachärztinnen unter einem Dach sollte vom Bund gefördert werden.
- Ahmet Baygül, Freie Wähler: Hier hat die Ampel vor kurzem die längst überfällige Budgetierung der Arztpraxen aufgehoben. Es darf doch keinen wundern, dass keine Patienten mehr behandelt werden, wenn man für diese Mehrarbeit nicht nur nicht bezahlt wird, sondern dafür auch noch Strafen bezahlen muss.
Die Krankenkassenbeiträge steigen und steigen. Wie kann das gebremst werden?
- Alexander Engelhard, CSU: Es fließt schon sehr viel Geld in das Gesundheitssystem. Deshalb muss es darum gehen, effizienter mit den vorhandenen Mitteln umzugehen. Außerdem müssen wir dafür sorgen, dass mehr Menschen in Arbeit kommen und ebenfalls in das System einbezahlen.
- Alpay Artun, Grüne: Wir wollen die Kosten durch eine solidarische Bürgerversicherung gerechter verteilen und die Zweiklassenmedizin beenden. Versicherungsfremde Leistungen sollen wieder stärker aus Steuermitteln finanziert werden. Zudem möchten wir Kapitaleinnahmen in die Finanzierung einbeziehen.
- Andreas Büch, SPD: Durch eine Bürgerversicherung, in die alle einzahlen. Außerdem eine Reform der Beitragsmessungsgrenze, sodass jeder seinen gerechten Beitrag leistet. Anderseits gilt es Kosten zu reduzieren. Bürokratieabbau durch Digitalisierung ist hier eine Möglichkeit.
- Henrik Hecht, FDP: In einer alternden Gesellschaft ist das eine Herausforderung, aber wir können versuchen, effizienter zu werden. Ich halte Vorbeugungsmaßnahmen für äußerst wichtig. Krankheiten lassen sich im Anfangsstadium leichter behandeln. Das ist kostengünstiger und auch besser für die Lebensqualität.
- Gerd Mannes, AfD: Wir müssen die Effizienz unseres Gesundheitssystems steigern, in Österreich und der Schweiz hat man geringere Beitragssätze bei gleichen Leistungen. Neben der demographischen Wende können wir nicht auf Dauer so viele Flüchtlinge mit maximaler Leistung versorgen, ohne dass diese je einzahlen.
- Vincent Le Claire, Linke: Wir brauchen eine Krankenversicherung, in der alle einzahlen, unabhängig von der Einkommensart. Auch Kapitalerträge zählen dazu. Wenn wir auf eine Beitragsbemessungsgrenze verzichten, sinken die Beiträge von jetzt 17,1 % auf etwa 13 % und Menschen mit einem Monatseinkommen unter 7100 Euro werden entlastet.
- Ahmet Baygül, Freie Wähler: Der Staat sollte zunächst für Bürgergeldempfänger auch den Mindestbeitrag an die Krankenkassen zahlen. Bei der Technikerkrankenkasse wäre dieser für einen Erwerbslosen, der seine Versicherung selbst bezahlen muss bei 205 Euro. Für einen Bürgergeldempfänger zahlt der Staat fast 100 Euro weniger.



