Böhse Onkelz in Neu-Ulm: Petition soll Konzerte verhindern – das Netz reagiert: „Nazi bleibt Nazi“

Auf Social Media gibt es zahlreiche Reaktionen um die Petition, die die Konzerte der Böhsen Onkelz in Neu-Ulm verhindern soll.
Alexander Prautzsch/dpa/Screenshots von openpetition.deDie Band Böhse Onkelz soll im kommenden Jahr 50.000 Menschen im Neu-Ulmer Wiley begeistern. 25.000 pro Abend. Für Neu-Ulm ist das eine gewaltige Hausnummer. Für Fans ein absolutes Highlight. Nicht alle sehen das aber so. Die Ulmer Musikerin Ariane Müller möchte die Konzerte der Böhsen Onkelz in Neu-Ulm verhindern und schlägt vor, sie ins Umland zu verlagern. Die Gründe: die rechte Vergangenheit der Band und Sicherheitsbedenken. Dafür hat sie die Online-Petition „Onkelz raus aus unserer Stadt“ gestartet.
Die Bürgerinnen und Bürger aus Neu-Ulm und Ulm sind sich uneinig, was die Auftritte der Onkelz angeht. Das Thema wird heiß diskutiert – und der Konflikt auch in den Sozialen Medien ausgetragen. Anhänger der Onkelz sind wütend über die Petition, Gegner unterschreiben fleißig.
„Ich bin seit fast 30 Jahren Onkelz-Fan und nie rechts gewesen“, schreibt Sven Müller als Kommentar zu der Petition. „In meinen Augen zeugt eine Aktion, wie sie diese Ariane M. losgetreten hat, von Unwissenheit und Dummheit. Ich stamme zwar nicht aus der Umgebung Neu-Ulm, gönne den Fans dort aber ihr Onkelz-Konzert.“ Die Userin Sandra Rank findet: „Jeder sollte die Musik hören können und dürfen, die er mag.“ Ein anonymer User findet, dass die Onkelz eine Chance verdient haben, bevor sie aus der Stadt verbannt werden. „Gebt dem Ganzen doch erstmal eine Chance, bevor verlagert wird. Jeder hatte mal Dreck am Stecken in der Jugend! Aktuell aber ist Fakt, dass die Onkelz nichts mit Rechts am Hut haben und rechte Fans haben fast alle Deutschrockgruppen.“
Ein anonymer User vertritt die gegenteilige Meinung und schreibt: „Nazis sollten in keiner Stadt eine solche Möglichkeit bekommen.“ Die aus Frankfurt stammenden Musiker produzierten Anfang der 80er Jahre Musik, die dem Rechtsrock zugeordnet wurde. Da gab es Titel wie „Türken raus“ und „Deutschland den Deutschen“. Angenommen und stark verbreitet wurden diese Lieder in der Skinhead-Szene. Ihr erstes Album galt als jugendgefährdend und wurde beschlagnahmt. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften warf der Band unter anderem nationalsozialistische Texte und pornografische und gewaltverherrlichende Inhalte vor.
Nach eigenen Angaben hat sich die Band in den Folgejahren von der Neonazi-Szene distanziert. Doch vergessen oder gar verziehen scheinen das viele User nicht zu haben. „Ich will keine Band mit rechter Vergangenheit in meiner Heimatstadt“, schreibt Sönmez Tokmak auf openpetition.de. Nina Mayer kommentiert: „Ich komme selbst aus der Nähe von Ulm und habe die Stadt immer als weltoffen und tolerant erlebt. Bands, welche politisch rechte Bezüge aufweisen, sollten hier keine Bühne haben.“
Scharfe Kritik gegen die Böhsen Onkelz im Netz: „Nazis raus“
Scrollt man die Kommentarspalte der Petition weiter hinunter, tauchen immer wieder Aussagen wie „gegen Rechts“, „gegen Nazis“ und „Nazis raus“ auf. Dass die Böhsen Onkelz seit den 90ern dem Deutschrock-Mainstream zugeordnet werden, scheint hier nicht zu zählen. „Nazi bleibt Nazi. Null Toleranz!“, kommentiert eine anonyme Person. Einige User sorgen sich sogar um die Sicherheit ihrer Familie. „Ich möchte keinen Auflauf rechtsdenkender Menschen in meiner Nähe. Als Mutter zweier Kinder mit ausländischem Vater fürchte ich Anfeindungen“, schreibt eine Nutzerin.
Fans der Rockgruppe wehren sich gegen die Petition von Ariane Müller. „Stopt Ariane Müller“, schreibt ein Nutzer. „Das ist der richtige Weg.“ Und auch auf dem Facebook-Account der SÜDWEST PRESSE üben sich die Userinnen und User in Kritik gegen die Organisatorin der Petition. „Wenn das ihr einziges Problem ist, anderen versuchen vorzuschreiben, welche Konzerte stattfinden, die sie selber nicht mag und welche nicht, dann muss es ihr ziemlich gut gehen“, schreibt eine Person. Auch scheinen zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer der Meinung zu sein, dass die Musikerin die Konzerte der Böhsen Onkelz aus Neid auf den Erfolg der Band verhindern wollen würde. „Wichtigmacherei und sich ins Bild rücken wollen“, schreibt eine Person. Kritische Stimmen den Onkelz gegenüber finden sich hier kaum. Ein User ergreift doch auch hier Partei für Müller und findet: „Wie ekelhaft hier manche Kommentare sind. Das zeigt, dass Ariane Müller mit ihrer Petition genau richtig liegt.“
Für Fans der Böhsen Onkelz steht fest: Sie wollen, dass die Konzerte 2024 stattfinden. Da dauerte es nicht lange, bis die Gegenpetition „Ariane M. raus aus der Stadt, Böhse Onkelz willkommen!“ gestartet wurde.
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