Open Air 2024 in Neu-Ulm: Musikerin Ariane Müller will Böhse Onkelz mit Petition stoppen

Ariane Müller (l.) will den Auftritt der Böhsen Onkelz in Neu-Ulm verhindern.
Dieter Düvelmeyer, Alexander Prautzsch/dpa; Collage: befunkyAriane Müller macht als Teil des erfolgreichen Duos Suchtpotenzial bissige Musik-Comedy. Auf den Mund gefallen ist sie jedenfalls nicht, schon gar nicht, wenn ihr etwas stinkt. „Wir müssen endlich im großen Stil abschieben. Und zwar die Onkelz Konzerte. Hinter die Alpen. Da können sie mit Gabalier und Freiwild hinter den Bergen machen, was sie wollen“, schrieb sie vor einigen Tagen auf Facebook. Und weil sie das so sieht, hat sie eine Online-Petition („Onkelz raus aus unserer Stadt!“) gestartet, die sich an die Neu-Ulmer Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger und ihren Ulmer Kollegen Gunter Czisch richtet.
Am 2. und 3. September 2024 sollen die Böhsen Onkelz im Neu-Ulmer Wiley-Sportpark auftreten, die beiden Konzerte mit rund 50.000 Besuchern waren schon nach wenigen Stunden ausverkauft. Die „Onkelz“ sind eine der erfolgreichsten Rockbands Deutschlands, sie füllen Festivals und Stadien.
Die Frankfurter haben aber auch eine rechte Vergangenheit: Anfang der 80er schrieben sie Songs wie „Türken raus“, ihr erstes Album wurde beschlagnahmt. Mitte des Jahrzehnts begannen sie, sich nach eigenen Angaben von der Skinhead- und Neonazi-Szene zu distanzieren. Mit den 90ern begann ihre Karriere im Deutschrock-Mainstream.
Doch auch jetzt, 30 Jahre später, gibt es immer noch Kritikerinnen und Kritiker, die der Band die politische Kehrtwende nicht abnehmen oder ihr die Nazi-Jahre nicht verzeihen. Widerstand gegen die Neu-Ulmer Auftritte war also zu erwarten, auch von Seiten der Konzertveranstalter und der Kommune. Ariane Müller findet: „Ulm ist eine progressive und multikulturelle Großstadt und nicht der richtige Ort leider für Deutschrock mit Nazi-Vergangenheit. Schade, aber wir haben hier keine Kapazitäten für euch frei.“ Mit Ulm meint Müller offenbar auch Neu-Ulm.
Sorge um die Sicherheit der Menschen in der Stadt
Auf der Seite openpetition.de bringt sie einige Argumente gegen die Onkelz im Wiley vor, nicht nur politische. Die Konzerte fänden im Stadtgebiet statt, es seien neben friedlichen Fans auch Neonazis und Rechtsradikale zu erwarten, bei früheren Auftritten habe es Ausschreitungen gegeben. „Wie soll die Sicherheit der Bürger*innen an diesen Tagen gewährleistet werden? Können Polizei und Security das leisten, an mehreren Tagen, innerhalb eines Stadtgebietes? Besonders PoC, Menschen aus der Queer Community und Frauen sind besorgt.“
Sie halte es gerade in diesen politisch aufgeheizten Zeiten für eine schlechte Idee, so eine umstrittene Band nach Ulm/ Neu-Ulm zu holen, so Müller. „Ich befürchte, dass nicht nur unter den Fans einige aggressive Rechtsradikale dabei sind (…), sondern diese Band wird zusätzlich Gegendemos und Antifa auf den Plan rufen.“ Als Musikerin wünsche sie sich, dass Musik die Menschen zusammenbringt, aber dieses Konzert spalte. „Niemand fordert die Onkelz zu verbieten, aber bitte das Konzert räumlich verschieben!“
Für ihre Initiative bekommt Müller auf der Petitionsseite und in den sozialen Medien viel Zustimmung: von anderen, die in den Böhsen Onkelz eine rechte Band sehen, aber auch von Anwohnern, die mit Sorge auf das kommende Großevent blicken. Heftigen Widerspruch gibt es aber auch: Müller und ihren Unterstützerinnen und Unterstützern werden sowohl RAF-artiger linker Wahn als auch Intoleranz in der Tradition der NS-Kulturpolitik unterstellt.
Fans fordern nun: „Ariane M. raus aus der Stadt“
Sie hat offenbar einen Nerv getroffen. Inzwischen gibt es sogar eine Gegenpetition, gestartet von einem Fan der Band. „Ariane M. raus aus der Stadt, Böhse Onkelz willkommen!“ Initiator Pierre Strigl findet: Die Böhsen Onkelz könnten nichts für einzelne Ausschreitungen auf Konzerten in Großstädten und täten alles, um rechte Gruppe von ihren Konzerten fern zu halten. Die Gegenposition hatten (Stand 10. November, 15.30 Uhr) gut 1900 Menschen unterzeichnet, Ariane Müllers Aufruf nur gut 380.
Ihre Posts in den sozialen Medien hat die Musikerin mittlerweile aus dem Netz genommen. Die negativen Kommentare hätten überhandgenommen, es hätten sie üble Hassbotschaften und Morddrohungen erreicht, berichtet Müller auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE.


