Kandidaten-Porträt
: Michael Bulander – warum will er Mössingens OB bleiben?

„Aller guten Dinge sind drei“, hat er bei der Kandidatenvorstellung zu einer weiteren Amtszeit gesagt. Aber wer ist der Mensch hinter dem Oberbürgermeister?
Von
Benjamin Breitmaier
Mössingen
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Michael Bulander, 30. Juni 2026, Dachterrasse Rathaus Mössingen

Auf die Dachterasse des Mössinger Rathauses kommt Michael Bulander zum Nachdenken.

Benjamin Breitmaier
  • Michael Bulander kandidiert für eine dritte Amtszeit als Mössingens Oberbürgermeister.
  • Seine Prioritäten: Bauhof-Verlagerung, Wohnraum im Rathausviertel und am Stadtwerke-Standort.
  • Er betont Bürgerbeteiligung, weist Intransparenz-Vorwürfe zurück – viel werde öffentlich diskutiert.
  • Die neue Stadtmitte mit GZM gilt ihm als Erfolg, auch wenn nicht allen die Gestaltung gefällt.
  • Persönlich: Familienessen sind ihm wichtig, er fährt oft Rad und geht spazieren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Auf die Dachterrasse kommt Michael Bulander, wenn er einen Ort zum Nachdenken braucht. Von hier oben sieht er nahezu das gesamte Mössingen. Nur Talheim versteckt sich irgendwo in der Weite hinter den Häusern. Der Oberbürgermeister sieht hier vom Rathausdach, wie das Haus der Region langsam zu wachsen beginnt, sieht die Breitestraße mit ihrer eigenartigen Fahrradverkehrsführung. Von hier kann er Mössingens neue Mitte erahnen, sein Meisterstück – aus der Sicht Michael Bulanders.

16 Jahre des Oberbürgermeisterseins stecken in seinen Knochen. Am liebsten würde der 54-Jährige diesen noch acht weitere Jahre hinzufügen. Doch so einfach wird es dieses Mal nicht. Ohne zu tief in eine Glaskugel zu blicken, lässt sich feststellen: Das Ergebnis der Wahl am kommenden Sonntag wird anders aussehen als 2010 mit knapp 98 Prozent für ihn bei 22 Prozent Wahlbeteiligung.

Bauhof raus aus der Stadt, Wohnraum am Rathaus

Wenige Minuten vor dem Fototermin auf der Dachterrasse sitzt Bulander am Tisch in einem der Besprechungszimmer in einem oberen Stockwerk des Rathauses. In seinem Büro herrsche noch zu viel Chaos.

Er schaue nicht gern in die Vergangenheit, sagt er, ihn interessiere die Zukunft. Dorthin führt schnell das Gespräch. Der Baubetriebshof könnte raus aus der Innenstadt, ins neue Gewerbegebiet Schlattwiesen II, dann wird wieder Land für weiteren Wohnraum frei. Gleiches gilt für das Rathausviertel. Wo jetzt noch ein Schotterparkplatz ist, könnten Wohnungen entstehen. Mössingen und die Regionalstadtbahn: Was muss gebaut werden, wenn die Stadt zum „Mobility Hub“ wird? „Wir müssen die Menschen auf den Zug kriegen“, sagt er. Müssen die Stadtwerke eigentlich an dem Platz bleiben, wo sie gerade sind? An der Stelle ließe sich weiterer Wohnraum schaffen.

Die Ideen füllen schnell weitere acht Jahre aus. Ob er sie umsetzen kann, wird sich zeigen. Doch ein Bürgermeister ist mehr als Ideen, die sich in Beton gießen lassen.

Viel möchte er nicht über die Privatperson Michael Bulander preisgeben. Wer ist der Mensch hinter dem Amtsträger? Im Gespräch gibt er doch einige Einblicke. Wie wichtig ihm die gemeinsamen Essen mit der Familie sind. Wie schön es war, in dieser Woche zu fünft an einem Tisch zu sitzen, erzählt der Vater von drei erwachsenen Kindern. „Es ist ein Privileg, dass ich in der Mittagspause nach Hause zum Essen kann, das hatte ich davor in Stuttgart nicht.“

Wenn er Zeit für sich hat, findet man ihn beim Spazierengehen, beim Joggen. Wobei er Letzteres in der vergangenen Zeit etwas vernachlässigt hat, wie er zugibt. In der Stadt ist er oft auf seinem Gobax-Fahrrad unterwegs, mit der schwarzen Aktentasche auf dem Gepäckträger. Das hat er 2010 gekauft. Die Mössinger Firma hat mittlerweile den Betrieb eingestellt.

Was rät er seinem 38-jährigen Selbst?

Was würde er dem 38-jährigen Michael Bulander raten, der damals frisch die erste Wahl gewonnen hat? Er überlegt lange. Man könne es nicht jedem rechtmachen, sagt er später im Gespräch, das wäre ein Rat. „Bürgerbeteiligung heißt, Menschen mitnehmen, nicht jeden erhören“, erklärt er. Es gebe immer Menschen, die sich in Entscheidungen nicht wiederfinden. „Und dass man sich nicht über Dinge aufregen sollte, die man nicht ändern kann.“ Noch ein Rat an das 38-jährige Selbst.

Ein Gespräch mit dem Amtsträger ist immer auch ein Gespräch über Erfolge. Bei Bulander führt dabei kein Weg am Thema Innenstadt-Umbau vorbei. Es war eines der wichtigsten Themen in seiner Kandidaten-Rede am vergangenen Donnerstag.

Nach zwölfeinhalb Jahren ist das Projekt abgeschlossen. „Wo ist Mössingens Mitte?“ Die Frage stellte er bei seinem ersten Wahlkampf. Die Antwort liegt vor, nur gefällt sie nicht jedem. Hat ihn die verhaltene Reaktion bei der Kandidatenvorstellung auf die Frage: „Wem gefällt die neue Mitte?“ geschmerzt? „Es muss nicht jedem gefallen“, sagt Bulander. Das hat er auch in den 16 Jahren gelernt. Aus anderen Quellen habe er sehr viel Zuspruch erhalten. Vor allem das Gesundheitszentrum (GZM) gelte als Frequenzbringer für die gesamte Innenstadt. Groß war die Erleichterung, als feststand, dass es mit der Steinlach-Klinik als Ankermieter in irgendeiner Form weitergeht.

Damals hätte es auch erbitterten Widerstand gegen die GZM-Pläne gegeben, Räte seien unter Druck gesetzt worden. Aus heutiger Perspektive sei es ein großer Erfolg, dass der Rat damals fast geschlossen für das Gesundheitszentrum stimmte, im Jahr 2012. „Heute werden wir von vielen beneidet“, sagt er.

„Viel wird öffentlich diskutiert“

Die Gestaltung der neuen Mitte ist nicht der einzige Kritikpunkt, den seine Konkurrentin äußert. Immer wieder taucht das Thema „Intransparenz“ auf. Bulander kann das nicht nachvollziehen: „Wir sind eine Gemeinde, die sehr viel öffentlich diskutiert.“ Das zeige sich allein an den Tagesordnungen der Sitzungen, die weniger Punkte umfassen als in anderen Gemeinden. „Bei uns wird viel diskutiert.“

Für manche Projekte müsse es jedoch möglich sein, sie nicht öffentlich vorzuberaten. Er sieht außerdem eine Informations-Holschuld bei den Bürgerinnen und Bürgern. Gerade über soziale Medien, die Webseite, im Amtsblatt kommuniziere sein Haus permanent.

Prozesse wie Step 2030 hätten gezeigt, welchen Stellenwert die Bürgerbeteiligung in Mössingen hat. Eine Evaluation hätte gezeigt, dass die meisten Ziel-Bereiche sind abgearbeitet sind. Die Ergebnisse wurden in einer Gemeinderatsklausur vorgestellt.

Offene Baustellen gibt es immer. Bästenhardt wartet weiterhin auf sein Stadtteilzentrum, die Zukunft des Sporthallen-Neubaus ist unklar. Weitere Gewerbegebiete müssten laut Bulander schnellstmöglich erschlossen werden.

Zwischen ihm und den Projekten steckt jedoch eine Wahl mit ungewissem Ausgang. Beide Kandidierende führten einen lebhaften Wahlkampf. Die Zahl der Bürgertreffs und Dialogveranstaltungen war bei Bulander zweistellig. Am Samstag, 4. Juli, steht er ab 10 Uhr ein letztes Mal mit einem Stand vor dem Gesundheitszentrum. Am Tag darauf wird sich zeigen, ob er seine Ideen in Beton gießen kann.

Die Person und Termine

Der 1971 in Saulgau geborene Diplom-Verwaltungswissenschaftler ist seit Oktober 2010 Oberbürgermeister von Mössingen. Nach Wehrdienst, Studium in Konstanz und Großer Staatsprüfung führte seine Karriere über Stationen beim Regierungspräsidium Tübingen, dem Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis und dem Stuttgarter Innenministerium, wo er als Bundesratsreferent tätig war. Politisch engagiert sich der parteilose Kommunalpolitiker, der verheiratet ist und drei erwachsene Kinder hat, im Tübinger Kreistag als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler sowie im Regionalverband Neckar-Alb. Im Wahlkampf lädt er noch zu zwei öffentlichen Bürgertreffs ein. Am Freitag, 3. Juli, ist er von 17 bis 18 Uhr vor der Bäckerei Padeffke (Albblickstraße). Am Samstag, 4. Juli, steht er von 10 bis 11 Uhr auf dem Stadtplatz vor dem Gesundheitszentrum. Des Weiteren diskutieren er und Claudia bei der Veranstaltung für Erstwählende am Donnerstag, 2. Juli, ab 18 Uhr im Jugendhaus M.