Spendenaktion für Kinderintensivpflege
: Wenn Eltern nicht mehr können

An der Verantwortung für ein Kind, das rund um die Uhr gepflegt werden muss, können Väter und Mütter zerbrechen. 24 Stunden am Tag zu funktionieren, ist wie das Schwimmen ohne Ufer.
Von
Peter Kiedaisch
Metzingen
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Nähen für Frühchen: PRODUKTION - 14.11.2025, Sachsen, Leipzig: Die Hand eines Frühchens, mit Kabeln umgeben wird von der Mutter im Universitätsklinikum Leipzig gehalten. Nach einer Studie aus dem Jahr 2023 wird in Deutschland fast jedes 11. Kind vor der Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren - über 60.000 Betroffene in einem Jahr. Auf ihr Schicksal will der weltweite Frühgeborenentag am 17. November aufmerksam machen. (zu dpa: «Kleine Decken mit großer Wirkung») Foto: Jennifer Brückner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Hand eines Frühchens, mit Kabeln umgeben, wird von der Mutter gehalten.

Jennifer Brückner/dpa
  • Spendenaktion unterstützt Kinderintensivpflege der Diakonie-Sozialstation Metzingen.
  • Kinder wie Robin benötigen nach Unfällen oder Komplikationen vor und bei der Geburt intensive Pflege.
  • Ertrinken ist oft leise und vermeidbar – Prävention wie Schwimmunterricht ist essenziell.
  • Pflegekräfte übernehmen nachts die Beatmungsüberwachung, um Eltern zu entlasten.
  • Spendenkonto für „Weihnachtsaktion“: Volksbank Ermstal-Alb, IBAN: DE 03 6409 1200 0233 4340 03.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Lautlos und schnell. Diese zwei Attribute stehen für den Ertrinkungstod. Menschen, insbesondere Kinder, geraten still und leise unter Wasser, ohne Hilferufe, ohne panisches Rudern mit den Armen. So haben wir das kürzlich im Fall des kleinen Robin berichtet (der zwar überlebt hat, seit dem Badeunfall vor viereinhalb Jahren jedoch auf die Hilfe der Kinderintensivpflege angewiesen ist).

So hat es auch Felix Schiffner während seiner Ausbildung zum Rettungsschwimmer gelernt. Der Vorsitzende des Metzinger DLRG-Ortsvereins weiß aber auch, dass es zum Ertrinken nicht unbedingt ein Freibad oder den Baggersee braucht: „Auch an unscheinbaren, flachen Gewässern können Kinder ertrinken und sind besonders gefährdet.“ Schwimmen lernen, sagt er, ist die beste Prävention.

Ertrinken können Kinder in Plantschbecken, im eigenen Gartenteich oder in der Badewanne, wobei die Statistiken in solchen Fällen unzuverlässig sind. Wer in der Badewanne mit dem Kopf unter Wasser gerät, wird eher der Kategorie Herz-Kreislauf zugeordnet, je nachdem, was der Rettungsdienst vor Ort feststellt, sagt Gerolf Schempp. Er ist stellvertretender Rettungsdienstleiter des DRK-Kreisverbands Reutlingen.

Man kann nur Positives tun

Den Fall des kleinen Robin hat er damals miterlebt. Nicht im Freibad, aber auf der Leitstelle. „Ertrinkungsfälle sind selten“, sagt er, „aber umso tragischer, weil sie vermeidbar sind.“ Theoretisch jedenfalls, doch die Wirklichkeit hält manchen Stolperdraht bereit, der dem ersten Blick verborgen bleibt. Deswegen bringen Vorwürfe nichts. Menschen sind vor Fehlern nicht gefeit, noch weniger vor Unglücken.

Aus Sicht des Rettungswesens können Ersthelfer übrigens nichts falsch machen. Das Kind aus dem Wasser holen, schauen, ob es atmet, wenn nicht, sofort mit Herzdruckmassage beginnen, bis Rettungsdienst und oder Notarzt eintreffen. „Man kann nur Positives tun“, sagt Schempp, auch bezogen auf die Arbeit der Bademeister, die in so einem Fall einem fürchterlichen Druck standhalten müssen: „Wer das nicht täglich macht, dann umringt ist von Menschen, die danebenstehen und zuschauen mit der Erwartungshaltung, dass alles gefälligst zu funktionieren hat, kann schnell überfordert sein.“

Die gute Tat

Spenden für die Weihnachtsaktion „Die gute Tat“ richten Sie bitte an Südwest Presse Neckar-Alb GmbH & Co. KG unter dem Stichwort „Weihnachtsaktion“ an die Volksbank Ermstal-Alb, IBAN: DE 03 6409 1200 0233 4340 03. Dieses Jahr sammeln wir für die Kinderintensivpflege der Diakonie-Sozialstation Metzingen. Wer eine Spendenbescheinigung benötigt, muss bitte beim Verwendungszweck seine vollständige Adresse und das Stichwort „Weihnachtsaktion“ angeben. Bei Spenden bis 300 Euro genügt dem Finanzamt der Kontoauszug.

Am Ende eines solchen Einsatzes kommt es darauf an, wie lange das Gehirn ohne Sauerstoff geblieben ist. Je länger, desto wahrscheinlicher sind irreparable Schäden, so war es bei dem kleinen Robin. Andere Kinder, die von der Kinderintensivpflege der Diakonie-Sozialstation Metzingen betreut werden, haben Sauerstoffmangel schon vor der Geburt erfahren. Beispielsweise, weil sie von der Plazenta nicht ausreichend versorgt wurden, oder weil sie als Frühchen zur Welt kamen, zu einem Zeitpunkt, da Gehirn, Lunge und andere Organe noch nicht ausgereift waren. Komplikationen wie Hirnblutungen, Sepsis oder Krampfanfälle verschlimmern den Gesundheitszustand. „Die Kinder kommen unreif zur Welt“, fasst es Rita Messmer zusammen. Die Kinderkrankenschwester der Diakonie-Sozialstation weiß aus Erfahrung, was das bedeuten kann: Das Angewiesen sein auf Pflege rund um die Uhr.

Manche Kinder brauchen etwa Hilfe beim Atmen. Mediziner setzen einen Luftröhrenschnitt und setzen eine sogenannte Trachealkanüle ein. Sie verhindert das Zuwachsen der Öffnung, sichert die Atmung, hält die Atemwege offen, ermöglicht es, Sekret abzusaugen und vor allem ein Beatmungsgerät anzuschließen. Atmen, so selbstverständlich es für Gesunde ist, atmen ist Arbeit, dafür benötigt der Körper Energie. Die können nicht alle kleinen Patienten aufbringen, weswegen manche vor allem nachts ans Beatmungsgerät über die Trachealkanüle angeschlossen werden.

Das braucht es nicht nur wegen der Versorgung mit Sauerstoff. Die künstliche Atemunterstützung sorgt für ausreichend frische Luft in den Lungen, die es wiederum Keimen erschwert, Entzündungen auszulösen. „Wie schwer uns allen das Atmen fallen kann“, erläutert Rita Messmer, „erleben wir bei einer richtigen Erkältung.“

Das nächtliche Beatmen bewachen Pflegeteams. In der Regel beginnen die um 22 Uhr, dann können die Eltern schlafen gehen: „Das ist für manche ein mulmiges Gefühl.“ Denn Pflegerinnen und Pfleger sind zunächst Fremde. Für eine Familie kann das belastend sein, wenn nachts ständig jemand im Haus ist, ohne zur Familie zu gehören. Aber Pflege ist auch Druck, der auf einem lastet. Ihn an Dritte abzugeben, um erholsamen Schlaf zu finden, ist das kleinere Übel. Am Ende überwiegt die Erleichterung darüber, dass das Kind in guten Händen ist. Tagsüber und nachts.

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