Im Freibad reanimiert: Robin lebt, aber das alte Leben ist für ihn und seine Eltern vorbei

Robin war nur kurz unter Wasser. Jetzt benötigt er die Hilfe der Kinderintensivpflege.
Thomas Kiehl- Robin erlitt 2021 bei einem Badeunfall in Pfullingen schweren Sauerstoffmangel und Hirnschäden.
- Der Achtjährige ist rund um die Uhr auf Pflege angewiesen, unterstützt von der Diakonie-Sozialstation Metzingen.
- Zwei Notfallsanitäter retteten Robin vor Ort, doch das alte Leben der Familie ist vorbei.
- Robins Zuhause wurde barrierefrei umgebaut, mit Pflegebett, Rollstühlen und Therapiegeräten ausgestattet.
- Spenden für die Kinderintensivpflege können über die Weihnachtsaktion „Die gute Tat“ geleistet werden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein heißer Tag im Juni 2021. Bernd S. macht sich frühmorgens fertig für die Arbeit. Bevor der Vater dreier Kinder zur Tür raus ist, drückt er zum Abschied seinen jüngsten Sohn Robin. Der Dreieinhalbjährige strahlt: „Ich freu’ mich so, ich geh’ mit der Mama ins Freibad.“ Es waren die letzten Worte, die der Junge an seinen Vater richtete.
Stunden später, am Nachmittag, der junge Vater arbeitete damals in Böblingen, summte dessen Handy. Ein Freund war dran: „Du musst sofort kommen, Robin ist leblos im Wasser gefunden worden.“ Eine Attacke tausender unterschiedlicher Gedanken riss den Vater aus dem, was man als normales Leben bezeichnen würde. Ist das wahr? Was hat das zu bedeuten? Wie geht es Robin, wird er sterben, wird alles gut ausgehen? Ist alles nur ein böser Traum? Er setzte sich ins Auto und fuhr umgehend nach Pfullingen ins Freibad.
Dabei hatte dieser Junitag zunächst so gut angefangen. Bernds Frau Corinna packte alles ein für einen Sommertag mit Schwimmen und Plantschen, der etwas Abwechslung vom damaligen Corona-Alltag bot.
Kurzes Losreißen, langes Leiden
Robins zwei ältere Brüder durften auch mit. Nach all den Lockdowns mal wieder etwas Sonne für die Haut, Wasser für die Schwerelosigkeit, blauer Himmel fürs Gemüt und Pommesduft als Versprechen für den Hunger danach. Sie trafen befreundete Kinder mit deren Müttern und genossen den Tag. Kurz nach 17 Uhr zogen sich alle an: „Wo ist Robin?“, fragt seine Mutter. Grad war er noch da. Wohl keine Lust zum Heimgehen. Ich hol’ ihn schnell. Wartet kurz und passt auf die anderen Kinder auf.
Corinna ging die wenigen Schritte um die Hecke in Richtung Becken. Sie sah ihn nicht. „Da war alles eingezäunt“, erinnert sie sich. Wegen Corona. Sie musste die Absperrungen weitläufig umgehen. Sie sah Robin nirgends, wurde nervös, wendete sich an einen Bademeister, schließlich entdeckte eine Freundin Robin auf dem Beckengrund, sprang über die Absperrung, ein unbekannter Mann tat dasselbe, zusammen holten sie das leblos wirkende Kind aus dem Wasser.
Dann lag der Junge auf dem Boden, unkoordinierte Hektik erfasste die mit der Situation überforderten Erwachsenen, aus der allgemeinen Hilflosigkeit entwickelte sich schnell Panik, begleitet von Geschrei.
Dass Robin noch lebt, verdanken er und seine Eltern purem Zufall. Zwei Notfallsanitäter waren als Gäste im Bad. Sie bekamen die Aufregung mit, rannten zum Kind und leiteten die Reanimation ein. Damit holten sie Robin zurück ins Leben, doch der lange Sauerstoffmangel hatte bereits irreparable Schäden am Gehirn hinterlassen. Das Leben, wie es vorher war, gibt es nicht mehr. Nicht für Robin, nicht für seine Eltern und seine Brüder.
Am anderen Tag erschien eine kurze Meldung in unserer Zeitung: „Am späten Donnerstagnachmittag, gegen 17.50 Uhr, ist es im Freibad in der Klosterstraße zu einem tragischen Badeunfall gekommen. Ein Dreijähriger wurde dabei lebensgefährlich verletzt. Nach derzeitigem Kenntnisstand hielt sich das Kind mit Angehörigen im Freibad auf, als sein Verschwinden bemerkt wurde.“
Die gute Tat
Spenden für die Weihnachtsaktion „Die gute Tat“ richten Sie bitte an Südwest Presse Neckar-Alb GmbH & Co. KG unter dem Stichwort „Weihnachtsaktion“ an die Volksbank Ermstal-Alb, IBAN: DE 03 6409 1200 0233 4340 03. Dieses Jahr sammeln wir für die Kinderintensivpflege der Diakonie-Sozialstation Metzingen. Wer eine Spendenbescheinigung benötigt, muss bitte beim Verwendungszweck seine vollständige Adresse und das Stichwort „Weihnachtsaktion“ angeben. Bei Spenden bis 300 Euro genügt dem Finanzamt der Kontoauszug.
Jetzt ist Robin acht. Oft an seiner Seite ist Gundula Görlach von der Kinderintensivpflege der Diakonie-Sozialstation Metzingen. Er strahlt sie an. Wenn sie zu ihm spricht, freut er sich. Er kann inzwischen über Lachen und Weinen kommunizieren, sagt sie. Riesenfortschritte sind das, sagt sein Vater, der Robin gerne aus der Reserve lockt, der ihn Fetz nennt und sich freut, wenn sich Robin freut: „Robin will Action“, sagt er. Im Mittelpunkt stehen, wie jedes Kind. Nur, dass Robin nicht stehen kann. Er ist rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen, selbst nachts, wenn er eine andere Schlafposition möchte. Selbst drehen kann er sich nicht mehr.
Die Mitarbeiterinnen der Kinderintensivpflege sind immer erreichbar, freut sich Vater Bernd. Ein Mal war er so verzweifelt, dass er Gundula Görlach nachts um 2 Uhr angerufen hat. Sie war zur Stelle. Robins Alltag ist geprägt durch Pflege. Jederzeit kann ein Notfall eintreten, das wissen die Eltern. Sie freuen sich über die Hilfe der Kinderintensivpflege. Dann können sie diese Last an Verantwortung stundenweise abgeben.
„Ertrinken“, räsoniert Gundula Görlach, „das kommt bei Kindern leider immer wieder vor.“ Meist erscheint dann eine Meldung in der Zeitung, danach erfährt die Öffentlichkeit nichts mehr. Es ist ein stilles Verschwinden, denn Ertrinken, wie man es aus Filmen kennt, verbunden mit Hilferufen und Gestikulieren, gibt es nicht. Kinder rutschen im Becken aus, das muss nicht mal tief sein. Der Kopf gerät unter Wasser, sie verlieren sofort die Orientierung, atmen Wasser ein, „dann ist es vorbei“.
Robin lebt, aber das alte Leben ist für ihn und seine Eltern vorbei. Direkt nach dem Unfall kam der Bub in eine Spezialklinik nach Gailingen im Landkreis Konstanz. Dort blieb er sieben Monate. Stets dabei seine Mutter Corinna. Ihn plagten spastische Anfälle, verbunden mit höllischen Schmerzen. Das haben Medikamente eingedämmt, Robin geht es jetzt besser, „aber es war ein Abschied auf Raten von unserem alten Robin“, sagt sein Vater.
Das neu gebaute Haus brauchte einen barrierefreien Eingang, eine breitere Haustüre, breitere Zimmertüren, das große Schlafzimmer der Eltern wurde zu Robins Zimmer, das fast aussieht wie eine Intensivstation, nur bunter und freundlicher, darin gibt es: Den Rollstuhl zum Sitzen, einen zum Stehen, einen Gehtrainer, damit Robin wenige Schritte üben kann, ein Absauggerät, die Ernährungspumpe, das Pflegebett, das Sauerstoffgerät und einen Monitor zur Überwachung von Herzfrequenz sowie Sauerstoffsättigung. Und Stofftiere, bunte Lampen, damit Robin nicht nur Patient sein muss. Er darf auch Kind sein.

