Hugo Boss in Metzingen
: Steht Boss vor feindlicher Übernahme?

Der britische Großaktionär Frasers Group will den schwäbischen Modehersteller Hugo Boss übernehmen. Es gibt ein freiwilliges Übernahmeangebot von Frasers an alle Aktionäre. Das sei nicht mit der Gesellschaft abgestimmt.
Von
Peter Kiedaisch
Metzingen
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Das Metzinger Unternehmergespräch hat zahlreiche Interessierte in die Konzernzentrale der Hugo Boss AG geführt.

Hugo Boss AG

Droht der Hugo Boss AG die Übernahme durch die Frasers Group?

Thomas Kiehl
  • Frasers Group plant ein freiwilliges Übernahmeangebot für alle Aktien von Hugo Boss.
  • Geboten werden 38 Euro je Aktie – das liegt 4 Prozent über dem Schlusskurs vom 10. Juni 2026.
  • Hugo Boss betont, dass das Angebot nicht mit der Gesellschaft abgestimmt ist.
  • Vorstand und Aufsichtsrat wollen das Angebot nach Veröffentlichung prüfen und Stellung nehmen.
  • Frasers hält rund 26 Prozent an Hugo Boss und bleibt laut Bericht zum Aufsichtsrat und CEO stehen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Steht eine Übernahme an?“ Diese Frage hat die Aktionärsversammlung der Hugo Boss AG Mitte Mai nur am Rande beschäftigt.

Ehe im Internationalen Congresscenter Stuttgart Kleinaktionäre darüber schwadronierten, wie schön es sei, nach 2019 mal wieder ein Aktionärstreffen in Präsenz abzuhalten, und wie wichtig der persönliche Austausch bei einer Tasse Kaffee an einem der Stehtische vor dem Eingang zum Versammlungssaal sei, redete ein Mann Klartext. Ohne freilich den etwa 400 Aktionären die Freude auf das bevorstehende, von Hugo Boss bereitgestellte, Mittagessen nehmen zu können.

Der Mann ist Professor für Strategisches Management und Internationalisierung an der FOM, Hochschule für Oekonomie und Management. Er heißt Roland Klose und ist unter anderem Vorstandsmitglied und Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Streit im Aufsichtsrat

Klose sprach ein vermeintliches Zerwürfnis zwischen dem Boss-Aufsichtsratsvorsitzenden Stephan Sturm und Michael Murray an. Darüber hatten Monate zuvor internationale und deutsche Wirtschaftsblätter berichtet. Murray ist ebenso wie Sturm Mitglied im Aufsichtsrat.

Darauf, dass mindestens Murray von Sturm keine hohe Meinung zu haben scheint, könnten einige Gesichtszugentgleisungen Murrays hindeuten, die er sich geleistet hat, während Sturm in seiner  Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender die Aktionärsversammlung leitete und auf einige Regularien hinwies.

Ja, es gibt Spannenderes als das Erörtern der Tagesordnung. Aber Murray saß direkt hinter Sturm, auf den, während er sprach, eine Kamera gerichtet war, sodass beide über die Videoleinwand in voller Größe zu sehen waren. Ebenso wie Murrays unverhohlen zur Schau gestelltes Gähnen im Rücken von Sturm, das Murray noch nicht mal zu unterdrücken versuchte.

Murray ist außer Boss-Aufsichtsratsmitglied auch CEO der britischen Frasers Group. Und übrigens der Schwiegersohn von Mike Ashley, einem britischen Milliardär. Ihm gehört Frasers, mithin ein milliardenschweres Handelsimperium.

Das vermeintliche Zerwürfnis, Sturm stritt es ab und sprach von einer professionellen Zusammenarbeit, jenes Zerwürfnis freilich gibt oder gab es. Im Dezember 2025 hatte die Frasers Group Aufsichtsratschef Sturm das Vertrauen entzogen. Die Querelen wurden danach offiziell als bereinigt dargestellt. Es ging um die Dividenden-Ausschüttung. Diese solle nach Ansicht des britischen Konzerns minimiert werden.

Hugo Boss AG und die Frasers Group

Die Hugo Boss AG teilt mit, dass die Frasers Group plc heute ihre Absicht veröffentlicht hat, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot an die Aktionäre der Gesellschaft zum Erwerb sämtlicher Aktien abzugeben. Dieses Übernahmeangebot ist nicht mit der Gesellschaft abgestimmt. Die Gesellschaft stellt fest, dass der angekündigte Angebotspreis von 38 Euro je Aktie eine Prämie von 4 Prozent auf den letzten Schlusskurs der Aktie von 36,46 Euro (10. Juni 2026) sowie auf den volumengewichteten Durchschnittskurs (VWAP) der letzten drei Monate von 36,41 Euro zum selben Stichtag darstellt. Nach Veröffentlichung der Angebotsunterlage durch die Frasers Group plc werden der Vorstand und der Aufsichtsrat das Angebot im besten Interesse der Gesellschaft, ihrer Aktionäre, Mitarbeitenden und Kunden eingehend prüfen und eine begründete Stellungnahme abgeben. Die Gesellschaft wird ihre Aktionäre und die Öffentlichkeit über weitere Entwicklungen und nächste Schritte im Einklang mit den geltenden gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen informieren.

Frasers ist ein britischer Einzelhändler für Sportartikel. Zudem vertreibt Frasers Textilien, Schuhe, Kosmetikartikel, Elektronik sowie die Marken Everlast, Lonsdale, Slazenger und No Fear.

Frasers ist mit derzeit 26 Prozent der Aktien von Hugo Boss Hauptanteilseigner und hätte, das zumindest sagte Roland Klose, die Instrumente, um auf 32 Prozent zu erhöhen. Deswegen seine Frage Mitte Mai: „Steht eine Übernahme an?“

Die Antwort, etwas verspätet, hat in der Nacht zum Donnerstag das Magazin „Der Spiegel“ nachgereicht. Sie lautet Ja: „Der britische Großaktionär Frasers Group will den schwäbischen Modehersteller Hugo Boss übernehmen“, schreibt das Magazin und bezieht sich auf eine Mitteilung der Frasers Group.

Frasers, das bestätigt auch die Presseabteilung von Hugo Boss, werde im Rahmen eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots 38 Euro je Boss-Aktie bieten. Dieses Angebot liegt 4 Prozent über dem Aktienwert von Mittwochabend nach Börsenschluss. Das Angebot, so teilt der Konzern mit, „ist mit der Gesellschaft nicht abgestimmt“.

Es gelte für alle Aktien, die Frasers nicht bereits besitzt, schreibt der Spiegel. Bereits jetzt verfügt Frasers über einen direkten Anteil von gut 26 Prozent. „Für die restlichen knapp 74 Prozent der Hugo-Boss-Anteile müsste Frasers rund 2 Milliarden Euro hinblättern“, hat der Spiegel ermittelt. „Der gesamte Edelschneider aus Metzingen würde so mit rund 2,7 Milliarden Euro bewertet. Einer Mindestschwelle unterliegt das Angebot nicht. Aufsichtsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen.“

Frasers, so berichtet der Spiegel, stehe weiterhin zum Aufsichtsrat sowie zu Boss-Vorstandschef Daniel Grieder. In einer ersten Stellungnahme hat sich die Hugo Boss AG dazu noch nicht geäußert. Doch sie hat angekündigt, Aktionäre und Öffentlichkeit über weitere Entwicklungen und nächste Schritte im Einklang mit den geltenden gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen zu informieren.

Roland Klose, der Aktionärsvertreter, sieht dem Szenario gelassen zu. „Noch ist nicht viel passiert“, resümiert er auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE. Das Angebot von Frasers liege 4 Prozent über dem aktuellen Börsenwert, „das ist nicht sehr viel“. Ihn erinnert das an die Bemühungen von Unicredit, die die Commerzbank übernehmen möchte: „Die klopfen mal auf den Busch. In der Hoffnung, dass ein paar aufspringen.“