Hugo Boss erweitert Campus
: 100 Millionen Euro für Büros in Metzingen mit Hotel-Ritz-Format

Der Modekonzern hat an seinem Stammsitz Metzingen ein neues Bürogebäude mit VIP-Store eröffnet. Der größte Arbeitgeber der Stadt investiert am Firmensitz mehr als 100 Millionen Euro.
Von
Peter Kiedaisch
Metzingen
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Daniel Grieder schneidet das Band durch und eröffnet das Gebäude.

Daniel Grieder schneidet das Band durch und eröffnet das Gebäude.

Thomas Kiehl
  • Hugo Boss eröffnete in Metzingen ein neues Bürogebäude mit VIP-Store – Investition über 100 Mio. Euro.
  • CEO Daniel Grieder nennt den Bau „fulminant“ und sieht darin ein Signal für Wachstum und Standorttreue.
  • VIP-Store für prominente Kundschaft, Rückzugsräume und hochwertiges Design prägen das Konzept.
  • Nachhaltigkeit im Fokus: DGNB-Gold angestrebt, recycelte Stoffe in Möbeln, energiesparendes Raumklima.
  • 344 Arbeitsplätze, 257 flexible Bereiche, viele Meetingräume sowie Gym und Dachterrasse für Mitarbeiter.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es ist die Wahrheit. Doch die Nachricht, die Hugo Boss AG habe am Standort Metzingen ein neues Bürogebäude eingeweiht und dafür mehr als 100 Millionen Euro investiert, wirkt bei genauerem Hinsehen fast schon zu nüchtern.

Das Gebäude könnte gemessen an den verbauten Materialien, gemessen am Konzept und gemessen an der Funktionalität, die hinter dem Wohlfühl-Ambiente versteckt ist, über der Eingangstür auch den Schriftzug „Hotel Ritz“ tragen. Oder „Waldorf Astoria“, wobei sich in diesen Denkmälern der internationalen Hotellerie vielleicht gut nächtigen und speisen lässt.

Im neuen Boss-Gebäude geht wesentlich mehr, oder wie es der Vorstandsvorsitzende der Hugo Boss AG, Daniel Grieder, am Mittwoch während der Einweihungsfeier gesagt hat: „Es ist ein fulminantes Gebäude.“ Er hat betont, wie stolz es ihn als Chef dieses Konzerns macht, in die Zukunft der Mitarbeiter investieren zu dürfen, dass die investierten 100 Millionen auch als Bestandssicherung für den Standort Metzingen zu verstehen sind, und dass der Neubau auch mit der Botschaft verbunden ist: „Ja, wir wollen wachsen.“

„Beeindruckender als in Dubai“

Um das Besondere dieses multifunktionalen Bauwerks zu erfassen, ist es hilfreich, es mit dessen Planer, Architekt Murat Ercan (Bereichsleiter für Bau und Betrieb bei Hugo Boss), zu durchschreiten. Vorneweg die traurige Botschaft: Es gibt dort zwar einen Verkaufsraum, der aber bleibt ausgesuchten Kunden, also VIP-Kundschaft, vorbehalten.

Das sind vor allem Größen aus Sport, Film, Unterhaltung, Showbiz und Musikbranche. David Beckham, Kai Pflaume, Naomi Campbell, solche Kaliber. Auch konzerneigene Mitarbeiter dürfen sich dort mit neuester Mode eindecken, wobei der Begriff Verkaufsraum doch eher zum Gemischtwarenladen vergangener Jahrzehnte passt. Der neue VIP-Store ist eher ein Tempel. Grieder bezeichnet ihn als den neuesten und schönsten Flagship-Store. Beeindruckender als der in Dubai, betörender als der in New York. Es gibt dort einen Retail-Raum, also einen Rückzugsort für Kunden, die beim Einkaufen ein gewisses Maß an Abgeschiedenheit durchaus schätzen. „Schöner als das Wohnzimmer“, schwärmt Grieder, „das ist ein Traum.“

Boss-Campus steht für nachhaltiges Bauen

Der Neubau steht für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und ist auf einen sparsamen Energieeinsatz und ein gutes Raumklima ausgelegt. Überdies wurden Stoffüberhänge von Hugo Boss in Teilen des neuen Mobiliars verarbeitet. Etwa in die Tischplatten der Schreibtische, die aus einem Gemisch von hellem Jeansstoff und Epoxidharz bestehen. Das Unternehmen strebt für das Gebäude eine Zertifizierung in Gold durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) an.

Offene Flächen mit Arbeitsinseln fördern den teamübergreifenden Austausch, während Mehrzweckräume Raum für Workshops oder Projekte bieten. Großzügige Kommunikationsbereiche stehen für größere Meeting- und Informationsformate zur Verfügung. Ergänzt wird das Konzept durch moderne Kaffeebars sowie ruhige Zonen für fokussiertes Arbeiten.

Enormer Luxus und Arbeitsplätze mit Lounge-Gefühl

Das ist aber vor allem nur ein einziger Teil, der dieses Gebäude ausmacht, wobei die dezente Frischluftzufuhr in den Umkleidekabinen, die beim Anprobieren erst gar keine unerwünschte Transpiration zulässt, noch gar nicht erwähnt wurde. Mindestens ebenso wichtig sind die 344 modernen Arbeitsplätze und die 257 zusätzlich flexibel nutzbaren Nischen und Ecken, an denen man allein oder in Gruppen arbeiten kann. Da kann schon mal Lounge-Gefühl entstehen, was am Ambiente liegt, an der wirkungsvollen Schalldämmung, am Holzboden, an der unaufdringlichen Beleuchtung, an Vorhängen, mit denen sich Arbeitsbereiche entweder einengen oder erweitern lassen.

Mehr als 100 Millionen Euro hat Hugo Boss für das neue Gebäude investiert.

Mehr als 100 Millionen Euro hat Hugo Boss für das neue Gebäude investiert.

Thomas Kiehl

Für die Stadt Metzingen hat sich Bürgermeister Patrick Hubertz von der Strahlkraft des Boss-Campus überzeugt. Hugo Boss, sagte er, ist für die Stadt als größter Arbeitgeber ein existenzieller Faktor. „Ohne Boss gäbe es die Outletcity nicht“, ordnete er ein. Über die Steuereinnahmen des Moderiesen, so Hubertz, freut sich die Stadt, die ihrerseits für den Konzern jene Rahmenbedingungen schafft, die einer weltweiten Entwicklung nicht im Weg stehen. In Vertretung von Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh (sie war kurzfristig verhindert) erwähnte er die hohen sozialen Standards der Stadt, die auch den Steuerzahlungen des Modekonzerns zu verdanken sind: „Wir wissen es zu schätzen, dass Hugo Boss in den Standort investiert hat“, sagte er, „Glückwunsch zu diesem tollen Gebäude.“

Moderne Dachterrasse und Gym im verglasten Keller

Auf der Dachterrasse war er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Auf gepolsterten Sitzflächen, von der Sonne durch ein Segeltuch abgeschirmt, lässt es sich auch da oben kreativ sein. Unten im Keller, sofern dieser teilweise komplett verglaste Gebäudetrakt diese geringschätzige Bezeichnung überhaupt verdient, stehen die Fitnessgeräte im konzerneigenen Gym.

Dort gibt es ein Gerät, das das Verhältnis zwischen Körperfett, Knochenstärke und Muskelmasse analysiert. Per Chip erfasst es individuelle Daten der Mitarbeiter und rät beispielsweise, die Schulterpartie verstärkt zu trainieren. Wer sich für den Ergometer, also den Fahrradstrampler, entscheidet, meldet sich mit diesem Chip auf dem Gerät an, das dann die individuellen, ergonomischen Einstellungen vom vergangenen Mal wiederherstellt.

Schöne neue Welt. In der freilich Arbeit und Geschäft im Vordergrund stehen. 19 große und zwölf kleine Besprechungsräume stehen zur Verfügung. Im Fokus der Arbeitsbereiche steht ein innovatives „New-Work“-Konzept, das unterschiedliche Arbeitssituationen und Formen der Zusammenarbeit unterstützt.