Freizeit-Tipp für Wanderer: Weg mit dem Stress und auf dem Besinnungsweg zur Ruhe kommen

Immer wieder kreuzen Kunstwerke den Weg der Wanderer auf dem Besinnungsweg, hier bei Mundingen auf der Ehinger Alb.
SWP-Archiv/ Emmenlauer- Besinnungsweg auf der Ehinger Alb: 51 km Rundroute mit Qualitätsprädikat des DWV.
- Strecke führt durch Lautertal, Brieltal, Wälder, Streuobstwiesen und malerische Ortschaften.
- Kunst- und Besinnungsstationen wie „Frieden finden“, „Lange Bank“ und Gebetsmühlen prägen den Weg.
- Themenpfade informieren über Flora und Fauna – etwa Vogellehrpfad in Granheim und Waldpfad in Dächingen.
- Aussichten von Ruine Wartstein bis Schneckenhäule, teils mit Alpenblick bei gutem Wetter.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wandern hat viele Seiten. Manche mögen's steil und bevorzugen die knackigen Anstiege der Schwäbischen Alb. Hinauf auf den Lemberg bei Rottweil, auf den Roßberg bei Gönningen oder schlicht auf den Jusi bei Kohlberg. Eben dort hinauf, wo alle „Albbergsteiger“ mit traumhaften Ausblicken in die Tallagen belohnt werden. Wieder andere suchen weniger den Ausdauer-Test, sondern die Stille und das Beruhigend-Meditative der gleichförmigen Bewegung. Gehen im Sinne von In-Sich-Gehen, das boomt. Pilgern etwa gilt mehr denn je als das Elixier gegen Stress und Burnout, und das nicht erst, seit Fernsehmoderator Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg mal eben weg war.
Wir suchen also nach innerer Einkehr. Findet wollen wir sie auf dem 51 Kilometer langen Besinnungsweg auf der Ehinger Alb. Der zertifizierte Qualitäts-Fernwanderweg ist eine Rundroute, die in beiden Richtungen begangen werden kann. Zwischen Erbstetten, Granheim, Frankenhofen, Dächingen, Altsteußlingen und Mundingen begegnen wir Wanderer nicht nur vielen Besinnungsimpulsen, Kunstwerken, Burgen und Kapellen - wir lassen die Blicke auch in die Weiten der idyllischen Lautertal-Landschaft schweifen.
Denn eines gleich vorweg: Was die Natur angeht, machen die elf Teilstücke so richtig Lust auf Mehr. Der Besinnungsweg führt über hübsche Streuobstwiesen, durch stille Buchenwälder und in malerische Ortschaften wie Erbstetten, wo es zur perfekten Rast eigentlich nur trockenes Wetter braucht. Am schönsten aber präsentieren sich die endlos unter den Hoizont gespannten Felderlandschaften, wenn die Sonne sie in warme Farben taucht.
Raus aus der Hektik des Alltags, hinein in die Stille der Alb-Täler: Tatsächlich lassen wir den Stress recht schnell hinter uns in der inspirierenden Umgebung des UNESCO-Biosphärenreservats - und vor den vielen liebevoll gestalteten Stationen der Besinnungstour.
Wege der Besinnung und Einkehr
Die „Wege der Besinnung und Einkehr auf der Ehinger Alb“ sind ein Gemeinschaftsprojekt der Ortschaften Altsteußlingen, Dächingen, Erbstetten, Frankenhofen, Granheim, Mundingen und der Stadt Ehingen (Donau), begeitet vom Förderverein „Besinnungsweg Ehinger Alb im Biosphärengebiet e.V.“ Die Informationen, Inhalte und Besinnungsimpulse wurden von ehrenamtlichen Projektgruppenmitgliedern aus den genannten Ehinger Teilorten erarbeitet.
Das Projekt wird gefördert vom Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Verein und Projekt sind Teil der Lokalen Agenda 21 Ehingen (Donau) (www.lokale-agenda-ehingen.de)
Der Weg trägt das vom Deutschen Wanderverband zum dritten Mal verliehene Prädikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“. Damit wird bestätigt, dass die Beschaffenheit des Weges, Beschilderung, Infrastruktur und landschaftlicher Reiz des Weges höchsten Ansprüchen genügen.
„Frieden finden“ nennt sich gleich der erste Stopp des „Lebens-Horizont-Weges“ bei Mundingen. Der ist eine Mischung aus Besinnungsweg und Kunstpfad. Konzipiert hat das Ganze der Tübinger Künstler Martin Burchard. Auf seinem Stuhl-Parcours nehmen wir in der Sonne Platz. Genau genommen sind es zwei unterschiedlich angeordnete Stuhlkreise - einmal zeigt das Mobiliar in gleiche Richtung, das andere Mal sind die Stühle wild durcheinander angeordnet, sodass der Betrachter nicht zur Ruhe kommt. Es geht in beiden Installationen um Frieden und Unfrieden. Darum, wie gegensätzlich diese Kräfte wirken.
Innere Ruhe thematisiert auch die „Lange Bank“, die uns wenige Meter weiter direkt am Rande eines Feldweges zu einer Sitzpause einlädt. Etliche Meter lang ist das Möbelstück - die nebenstehende Tafel erinnert daran, wie unerquicklich es werden kann, Dinge auf die „lange Bank“ zu schieben.
Oder die "Gebetsmühlen der Dankbarkeit. Wir stehen vor bunten Trommeln, die sich wie ein Karussell drehen, wenn man sie anstößt. Bedruckt hat der Künstler die Mühlen mit Begriffen, die den täglichen Bedarf eines Menschen widerspiegeln: Nahrung, Sonne, Luft, Farbe, Beweglichkeit - vieles scheint uns selbstverständlich. Dankbarkeit schadet nicht.
Zwischen diesen thematischen Stationen finden sich immer wieder Kunstwerke, die wunderbar mit der Landschaft und ihrer Weite spielen. Etwa eine monumentale Installation aus nebeneinander aufgereihten Aluminiumstangen. Wie durch ein Portal wandern wir hindurch, während uns der Weg mitnimmt zu beeindruckenden Ausblicken am Horizont.
Ein besonders schöner Abschnitt des Besinnunsgweges verläuft durch das renaturierte Brieltal bei Ehingen. Am Hungerberg wandern wir an seltenen Pflanzen vorbei und genießen den Ausblick von der Ruine Wartstein. Über sanft geschwungene Kuppen und Wälder hinweg beobachten wir die Lauter, die sich in unzähligen Schlingen ihren Weg durch das Biosphärenreservat sucht.
Auch Höhlen kreuzen unseren Weg, und zwar solche, die kaum einer kennt. Denn dort lebten nicht etwa die Albwanderer aus dem Lone- und Blautal, die in der Steinzeit als Jäger und Sammler unterwegs waren. Nein, in der steinernen „Kätherenkuche“ hauste noch im späten 18. Jahrhundert eine junge Frau. Deren Familie, die Schunters, bekamen der Legende nach im Jahr 1780 das Wohnrecht in einer Höhle in der Nähe zugesprochen. Als Gegenleistung musste sie auf den Kartoffelfeldern nachts Feuer machen - um die Wildschweine abzuschrecken. Ihre Tochter Katharina, schwäbisch „Käther“ genannt, ließ sich später ebenfalls in einem Steinloch nieder. Bis heute wird diese Höhle von den Einheimischen „Kätharenkuche“ genannt.
Aber nicht nur Geschichten wie diese machen den Besinnungsweg aus. Die beteiligten Gemeinden haben teilweise eigene Themenpfade konzipiert, die über Flora und Fauna auf der Alb informieren. So schickt uns Granheim auf einen Vogellehrpfad, und in Dächingen (Motto: „Durch Wald und Flur") erfahren wir einiges über Steinriegel und Kräuter der Alb. Ein Schmankerl für Naturliebhaber und Ausguck-Enthusiasten: Die Sonnen-Webcam in Frankenhofen. Die Kamera ist auf dem mit 769 Meter höchsten Berg des Bezirks, dem "Schneckenhäule“ montiert. Wer die Erhebung erklimmt, freut sich bei gutem Wetter sogar über Panoramablicke auf die Alpen.
Und dazwischen? Stapfen wir über idyllisch gelegene Kuhweiden und stoppen an einem Hang, an dem die Dorfjugend einst auf Skiern den Buckel abwärts sauste: An Vielfalt ist der Besinnungsweg kaum zu überbieten. Das lenkt ab. Überhaupt haben wir das Gefühl auf der Strecke in einer anderen Welt zu sein. Zumindest für diesen Tag hat der Stress Pause.


