Bürgermeisterwahl Dettingen: Wer nicht wählen geht, darf sich auch nicht beklagen


Wer zieht nach Michael Hillert ins Büro des Bürgermeisters im Dettinger Rathaus ein? .
Thomas KiehlDer Wahlkampf war lang. Zwei Monate mindestens für die meisten der vier Kandidaten, im Einzelfall auch länger. Zwei Monate, in denen Felix Schiffner, Alexander Rukeltukel, Christine Kullen und Norman Sommer der Pflicht der Selbstinszenierung nachkommen mussten. Ohne die geht es nicht, da sind sich Wahlexperten und professionelle Bürgermeister-Macher einig. Wer eine Chance auf das höchste Amt in der Gemeinde haben will, der kommt am Prozedere des Wählerpflückens nicht vorbei. Auffällig: Während eigene Flyer, Besuche auf dem Wochenmarkt, die Präsenz auf Podien und Bürgergespräche beim Einkaufen für alle Kandidaten dazugehören, hat doch jeder auf seine Art – und mit unterschiedlichem Einsatz – für sich selbst getrommelt.
Drei der vier Bewerber hängten etwa ihre Plakate am Straßenrand auf, mitten hinein zwischen die Konterfeis der Landtagskandidaten, die zeitgleich um Stimmen buhlten. Zwei der vier Kontrahenten waren bei nahezu jeder Veranstaltung in Dettingen vor Ort, sie spazierten zudem von Haustür zu Haustür, um dort Überzeugungsarbeit zu leisten. „Klingeln putzen gehört zum Handwerk“, erklärt das Magazin „Kommunal“ in einem Ratgebertext für angehende Rathauschefs. Unmissverständlich. Aber so ein Wahlkampf ist eben eine individuelle Sache, weshalb sich einer der Kandidaten ausdrücklich von Hausbesuchen und Visiten bei Vereinen distanziert – er mag es dezent und kreativ, sagt er. Apropos kreativ: Auch hier war einiges geboten. So ist in einem Fall gemeinsam mit den Flyern ein Fläschchen Sonnenmilch verteilt worden. Und für die Damen in einem Dettinger Friseursalon gab es am Valentinstag rote Rosen vom Bürgermeisterkandidaten.
Die Wahlwerbung hat sich längst ins Digitale verschoben
All das zählt nur zum Stimmenfang auf lokaler Ebene. Dabei weiß jeder: Im Jahr 2026 hat sich die Wahlwerbung längst ins Digitale verschoben. Drei der vier Kandidaten bespielen ihre Social-Media-Kanäle fast rund um die Uhr, geben Einblicke in ihren Alltag, posten Reels, etwa vom Gute-Laune-Tanz beim Freudenskreis Calverbühl und vom Baumpflanzen mit den Obstbauern. Andere wiederum beantworten „spontane“ Fragen der Bürger. Ein Knochenjob.
Kurz: Ausdauer haben alle Bewerber bewiesen. Ob sie auch eine Verwaltung führen und das politische Geschäft in Dettingen managen können, müssen sie erst noch beweisen. Wer diese Chance bekommt und neuer Rathauschef wird, entscheiden am Sonntag Sie, die Dettingerinnen und Dettinger. Sie haben die Wahl, eine echte Wahl übrigens. Deshalb: Nützen Sie Ihr demokratisches Grundrecht und geben Sie Ihre Stimme ab. Es geht um die Zukunft der Gemeinde. Und wer nicht wählt, der braucht sich später auch nicht zu beklagen.
