Sulz: Früh von der Partei überzeugt

Der kleine rote Knopf am Revers täuscht: Mirko Witkowski ist seit 36 Jahren bei der SPD und mit großem Engagement für die Sozialdemokraten, die Awo und in etlichen Vereinen aktiv.
Cristina PriottoWas ein Bundestagsabgeordneter zu tun hat, weiß Mirko Witkowski bereits. Seit einem Jahr kümmert der Schramberger sich im Wahlkreisbüro von Johannes Fechner unter anderem um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. „Als ich mich der Nominierung gestellt habe, wusste ich, auf was ich mich einlasse“, erzählt der 52-Jährige bei einem Gespräch am Neckarufer in Sulz. Vor vier Jahren wollte Witkowski schon einmal für die SPD bei der Bundestagswahl antreten, unterlag jedoch bei der Nominierung Georg Sattler. Im zweiten Anlauf hat es diesmal geklappt: 33 von 46 Delegierten votierten im Dezember 2020 für den Schramberger. Auf der Landesliste steht der Sozialdemokrat auf Platz 28 von 38
– und damit einiges weiter vorne als die bisherigen Vorgänger.
Zarte 16 Jahre jung war Mirko Witkowski 1984 beim Eintritt in die SPD. Durch die Großeltern, bei denen der Schramberger als Kind oft die Ferien verbrachte, gab es eine sozialdemokratische Prägung in der Familie. Anstatt wie ursprünglich geplant Berufsoffizier bei der Bundeswehr zu werden, leistete Witkowski nach Erzählungen des Großvaters über schlimme Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg den Zivildienst bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und sah sich dadurch in der Entscheidung für die SPD als Partei bestätigt. Ebenso als Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) 1982 das Misstrauensvotum gegen Helmut Kohl (CDU) verlor und die SPD in der Opposition landete. „Ich wollte einen Beitrag leisten, damit die SPD wieder mitregieren könnte“, beschreibt der Basiskämpfer die Anfänge der politischen Berufung.
Zweimal Olaf Scholz getroffen
Seit 36 Jahren gehört der Schramberger den Sozialdemokraten an, das entspricht mehr als zwei Dritteln des bisherigen Lebens. Und dennoch betont der erfahrene Orts- und Kreisverbandsvorsitzende: „Ich stimme mit den wichtigsten Positionen überein, aber nicht mit allen“. Bestimmte Passagen des 66-seitigen Wahlprogramms mit dem Slogan „Aus Respekt vor deiner Zukunft“ hat der 52-Jährige gelesen, „aber nicht alles“, bekennt der Kandidat ehrlich, der sich über die Posten als Beisitzer und Kassier bis zum Vorsitzenden des SPD-Orts- und Kreisverbands hochgearbeitet hat.
Auf der Kandidaten-Homepage findet sich ein gemeinsames Foto von Mirko Witkowski und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Zweimal hatte der Schramberger die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit dem Vizekanzler. „Ich habe Scholz auf Augenhöhe und als sehr umgänglichen Menschen erlebt“, schildert Witkowski diese Begegnungen, und klar hält der Sozialdemokrat Scholz für den Geeignetsten in der dreiköpfigen Bewerberriege.
Im Hause Witkowski ist Tanja Witkowski als Leiterin der Grundschule Tennenbronn die Hauptverdienerin. Mirko Witkowski war nach der Geburt von Sohn Jan neun Monate in Elternzeit. Insofern ist der SPD-Kandidat offen für eine moderne Rollenaufteilung und betont als Sozialdemokrat: „Wer in Vollzeit arbeitet, muss davon mit seiner Familie gut leben können und später eine gute Rente bekommen“. Der Staat müsse die Rahmenbedingungen schaffen, um Paaren eine flexible und auskömmliche Einkommensgestaltung zu ermöglichen.
A propos Einkommen: Beim Thema faire Löhne liegt der 52-Jährige ganz auf SPD-Linie. „Das hat auch mit Wertschätzung für Arbeit zu tun, und zwar für beide Elternteile“, ist Witkowski überzeugt. Wer ein Einkommen im unteren oder mittleren Niveau bezieht, soll steuerlich entlastet werden, fordert der Sozialdemokrat.
Zu einem guten Leben gehört aus Sicht des Politikers und Awo-Kreisverbandsvorsitzenden auch bezahlbarer Wohnraum. Auf Wahlkampftour hat der Schramberger sich unter anderem mit vielen Bürgermeistern über dieses Thema unterhalten. „Der Druck nach weiterem Wohnraum ist auch im ländlichen Raum da“, weiß der Bundestags-Kandidat. Jeder sollte sich eine passende Wohnung leisten können. Auf kommunaler Ebene müsse der Gemeinderat bei der Ausweisung neuer Baugebiete grundsätzlich einen bestimmten Anteil für bezahlbare Mietwohnungen vorhalten, fordert Witkowksi.
Ein Patentrezept, wie der sozial-ökologische Umbau der Wirtschaft gelingen kann, ohne dass dadurch viele Arbeitsplätze verloren gehen, hat der 52-Jährige nicht. Unternehmer müssten heutzutage aber generell auf eine zukunftsfähige Ausrichtung der Produkte achten. „Die bestehenden Qualifikationen werden künftig nicht reichen, sondern neue Qualifikationen werden für das Berufsleben von morgen nötig sein“, ist der Schramberger sicher.
Um die nächsten Generationen nicht nur mit Respekt vor, sondern auch mit dem notwendigen Rüstzeug für die Zukunft auszustatten, sollte bereits bei den Kindergärten angesetzt werden. Als überzeugter Sozialdemokrat schließt Mirko Witkowski sich der Parteiforderung nach gebührenfreien Kindergartenplätzen an. „Es darf nicht eine Frage des Geldbeutels der Eltern sein, welchen Kindergarten und später welche Schule ein Kind besucht“, betont der Vater eines Sohnes. Das Geld dazu sollte das Land Baden-Württemberg bereitstellen, verweist der 52-Jährige auf Bildung als hoheitliche Länderaufgabe.
Zum Treffen in Sulz hat der Familienvater das Auto genutzt. „Viele Familien sind gezwungen, zwei Autos zu haben, weil es im ländlichen Raum nicht anders geht“, weiß der vielseitig Engagierte aus Erfahrung. „Da die Benzinpreiskeule zu schwingen, bringt nichts“, übt der Sozialdemokrat Kritik an den Grünen. Die SPD fordert daher ein 365-Euro-Ticket, um den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen. Zugleich müssten die Verbindungen deutlich ausgebaut werden. Im Autoland Baden-Württemberg müsse aber auch künftig in den Bau neuer Straßen investiert werden. Bei der Gäubahn spricht Witkowski sich sogar für einen durchgehenden zweigleistigen Ausbau auf der gesamten Strecke von Stuttgart bis Zürich aus - und würde sich generell wünschen, dass das Projekt bald sichtbare Fortschritte macht.
Das Zwei-Klassen-System mit gesetzlicher und privater Krankenversicherung würde Mirko Witkowski zu Gunsten einer Bürgerversicherung abschaffen. „Allen sollten dieselben medizinischen Leistungen zur Verfügung stehen - unabhängig vom Einkommen“, unterstreicht der Schramberger eine SPD-Forderung. Eine Landarztquote hält der 52-Jährige für den falschen Ansatz.
Etliche Treffen auch in Sulz
Neben Beruf, Familie und den zahlreichen Ehrenämtern fordert der Wahlkampf für die Bundestagswahl die Familie heraus. Ehefrau Tanja Witkowski, als Vorsitzende der SPD-Fraktion im Schramberger Gemeinderat kommunalpolitisch erfahren, kümmert sich um die Wahlkampftermine und die Homepage. Die Facebook-Profilseite sowie den Instagram- und den Twitter-Account bespielt der Bewerber selbst und hat dafür einige Wochen unbezahlten Urlaub genommen. In Sulz hat der Sozialdemokrat bereits ein halbes Dutzend Termine wahrgenommen, in allen 56 Kommunen im Wahlkreis sei so ein Pensum aber nicht machbar.
Von einem Direktmandat träumt auch Witkowski, obgleich die SPD vor vier Jahren im Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen mit 15,9 Prozent der Erststimmen weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz landete. Da es durch den Rückzug Volker Kauders aus der Politik keinen „Platzhirsch“ mehr gibt, rechnet Mirko Witkowski mit einem spannenden Neuanfang.
Mirko Witkowski: Leben, Beruf, Politik, Ehrenämter/Mitgliedschaften und Familie
Leben: Mirko Witkowski wurde 1968 in Offenburg geboren und wuchs in Schramberg auf. Nach der Mittleren Reife und dem Abitur in Schramberg begann Witkowski ein Studium der Verwaltungswissenschaften an der Universität in Konstanz, schloss dies aber nicht ab.
Beruf: Nach dem abgebrochenen Studium absolvierte der Schramberger ein Volontariat beim „Schwarzwälder Boten“ und war als freier Mitarbeiter und Pauschalist beim „Schwarzwälder Boten“, bei der „Schwäbischen Zeitung“ und bei der „Neuen Rottweiler Zeitung“ in Schramberg, Rottweil, St. Blasien, Sulz, Albstadt und Lindau tätig. Seit Juli 2020 arbeitet der 52-Jährige im Wahlkreisbüro des SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner aus Emmendingen.
Politik: Mitglied bei der SPD wurde Mirko Witkowski 1984. Seit 2005 ist der 52-Jährige Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Schramberg, seit 2019 zusätzlich Vorsitzender des SPD-Kreisverbands Rottweil. Im Schramberger Gemeinderat gehörte Witkowski von 2015 bis 2019 der Fraktion SPD/Buntspecht an. Als Bundestagskandidat nominiert wurde der Sozialdemokrat im Dezember 2020 mit 33 von 46 Delegiertenstimmen bei einem Mitbewerber.
Ehrenämter: Witkowski ist Mitglied bei der SPD, Vorsitzender des Awo-Ortsverbands Schramberg und Vorsitzender des Awo-Kreisverbands Rottweil-Tuttlingen, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Awo Soziale Dienste GmbH und Mitglied im Aufsichtsrat, sowie Vorsitzender des Stadtverbands Soziales in Schramberg. Des Weiteren ist der Schramberger Mitglied in der Gewerkschaft Deutscher Journalistenverband, bei den Naturfreunden, bei „amnesty international“, im Verein für kommunale Jugendarbeit und Bürgerengagement, in der Stadtmusik Schramberg, im Tierschutzverein Schramberg, im Musikverein Dunningen, in der Göttelbachvereinigung, im Förderverein für Frühgeborene, im Museums- und Geschichtsverein sowie im Freundeskreis Gymnasium Schramberg.
Familie: Mirko Witkowski ist verheiratet mit Tanja Witkowski, Vater eines Sohnes im Alter von elf Jahren und lebt mit seiner Familie in Schramberg.