Landratswahl in Freudenstadt: Live-Blog zum Nachlesen: Andreas Junt ist neuer Landrat

Andreas Junt bei seiner Vorstellung.
Markus Ulmer- Heute wählt der Kreistag Freudenstadt einen neuen Landrat – zwei Kandidaten stehen zur Wahl.
- Michael Ruf (48, CDU) ist Bürgermeister von Baiersbronn und CDU-Fraktionschef im Kreistag.
- Andreas Junt (43, parteilos) ist Vizepräsident der Gemeindeprüfungsanstalt und Ex-Kreistagsbeamter.
- Für die Wahl ist zunächst eine absolute Mehrheit (23 Stimmen) erforderlich. Sitzung startet um 15 Uhr.
- Amtsinhaber Klaus Michael Rückert (58, CDU) tritt nach 15 Jahren am 30. September zurück.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das sagt der Wahlverlierer
17.06 Uhr: „Ich hätte mich unsäglich geärgert, wenn ich mich nicht beworben hätte“, sagt der unterlegene Michael Ruf (CDU) der SÜDWEST PRESSE. Das Ergebnis sei „enttäuschend, aber nicht so dramatisch, dass ich in Tränen versinken müsste“. Und es sei demokratisch zustande gekommen, weshalb es auch nicht schwierig zu akzeptieren sei. Welche Fraktionen er nicht erreichen konnte, dazu könne er nichts sagen. Und die CDU stimmte geschlossen? „Das kann man aus dem Ergebnis ablesen und zumindest die betroffenen Mienen meiner Fraktionskollegen sprechen dafür“, sagt Ruf. Viele gratulierten ihm zu einer guten Vorstellung an diesem Nachmittag. Ob die aber überhaupt noch die große Rolle spielte? Schwierig zu sagen, erklärt Ruf, „ich glaube schon, dass tatsächlich vieles schon vorher auf Fraktionsebene läuft“.
Das sagt der Wahlsieger
16.46 Uhr: Der Wahlsieger tritt ans Mikrofon. „Ich nehme die Wahl sehr gerne und aus voller Überzeugung an“, sagt Junt. „Ich bin geplättet, ich hab' nix vorbereitet.“ Im Moment seines Sieges richtet er die Worte auch an Michael Ruf. „Es war offen, es war fair.“ Und Junt untermauert den Wunsch, dass Ruf Stellvertreter bleibt. „Mit dir weiß ich, dass ich Rückenstärkung bekomme.“ Junt dankt aber auch seiner Familie, seiner Frau, den drei Kindern. Es sei sehr emotional, sagt er. „Es ist ein großer Tag für mich, aber auch ein wichtiger Tag für den Landkreis.“
Junt gewinnt die Wahl
16.38 Uhr: Rückert verkündet: Andreas Junt ist neuer Landrat im Kreis Freudenstadt. Er bekam 26 Stimmen, Michael Ruf erhielt 17 Stimmen. Die Mitglieder erheben sich. Es folgt ein langer Applaus.
Die Auszählung läuft
16.33 Uhr: Als letztes Mitglied hat Horbs Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP) gewählt. Nun wird ausgezählt.
Jetzt wird gewählt
16.26 Uhr: Jetzt folgt „ein unheimlich spannender Moment, auch für mich“, sagt Noch-Landrat Rückert. Denn jetzt wird gewählt. Und zwar in alphabetischer Reihenfolge. Das wird bei 43 Mitgliedern ein bisschen dauern. Anna-Lena Asprion macht den Anfang.
Fragestunde bei Junt beendet
16.20 Uhr: Horbs OB Peter Rosenberger (CDU) erkundigt sich in der Fragerunde, wie Junt das Konsensmodell sieht, da einige Kommunen in der Unterbringung von Geflüchteten nicht mehr solidarisch seien. Das Konsensmodell wackle aus rechtlichen Gründen, so Junt. Er will „an die Bürgermeister appellieren, dass jeder seine Aufgabe wahrnimmt“. Eutingens Bürgermeister Markus Tideman (SPD) will wissen, wie Junt die Zusammenarbeit mit den Kommunen sieht. „Ich bin im Endeffekt ein verlässlicher Partner“, sagt er. Es gehe darum „aktiv den Austausch zu suchen“ und dem Landratsamt Impulse zu geben, „wo es draußen brennt“. Auf die Frage nach dem nicht genehmigungsfähigen Haushalt von Ralph Zimmermann (FDP) untermauert Junt die Forderung, den Druck auf Bund und Land zu erhöhen. Der Landkreis brauche „ein aktives Controlling“, sagt Junt. „Im Endeffekt müssen wir die Zahlen nochmal komplett analysieren.“ Damit wolle er, sollte er gewählt werden, schon vor dem 1. Oktober beginnen. Wie auch Ruf wird zudem Junt gefragt, wie er mit dem Nationalpark umgehen wolle. Da antwortet er wie Ruf: Freudenstadt müsse den Vorsitz im Rat behalten, den bis dato Rückert inne hat.

Martina Sillmann fragt, wie Junt auch mit Anträgen der Frauenliste umgehen möchte, die ihrer Meinung nach bis dato zu wenig beachtet werden.
Markus UlmerAuch Junt spricht über Reha
16.06 Uhr: Junt sagt: „Ich bin kein Landrat, der sagt, ich weiß. Ich höre zu, ich entscheide, ich packe an. Ich will keine Showpolitik, sondern ein ehrliches Ringen um die besten Lösungen im Kreis.“ Angesichts der finanziellen Lage dürfe man „nicht in Schockstarre verfallen“. Er spricht lauter als Ruf und mehr über die Geriatrische Reha. Es habe ihn beeindruckt, was er im Horber Gemeinderat erlebt hat. Und auch, dass es über 10.000 Unterschriften für den Erhalt gegeben hat. „Das zeigt, wir müssen nochmal darüber nachdenken.“ Aber auch er, sagt Junt, kenne die Zahlen nicht alle. In Sachen KLF-Defizit müsse aber alles auf den Prüfstand. Weiter will Junt den Bürokratieabbau vorantreiben (“Wir ersticken an Bürokratie!“) und es brauche Sofortfinanzhilfen, um die Digitalisierung auszubauen. „Wir müssen nicht die richtigen Dinge tun, sondern die Dinge auch richtig tun“, sagt er. „Wir brauchen einen Landrat, der anpackt, ich bin bereit.“
Jetzt spricht Andreas Junt
15.57 Uhr: Landrat will er werden „mit klarer Strategie, mit Willen, mit Teamarbeit, mit Ihnen“, sagt Andreas Junt. Er will eine Aufbruchstimmung erzeugen, eine „positive Kultur des Vertrauens“. Er zieht einen Vergleich mit dem Bergsteigen: „Wer das ohne Ziel und alleine macht, der gibt irgendwann erschöpft auf.“ Es gehe darum, Aufgaben gemeinsam zu lösen und klare Ziele zu haben. So wolle er in den Sitzungsvorlagen „mehr Klartext, weniger Fließtext“, sagt Junt. Zunächst würde er eine Personalversammlung machen. „Wir müssen die Verwaltung mitnehmen“, appelliert er. Er spricht auch von vielen Gesprächen mit verschiedenen Behörden und Institutionen. „Ich weiß, wo ich ansetzen möchte, weil ich einen klaren Plan habe.“ Er sei sehr gut vernetzt. Und: „Ich bin politisch unabhängig.“ Das gebe ihm Bewegungsfreiheit.
Fragerunde bei Ruf
15.46 Uhr: Nun läuft die Fragerunde. Horbs Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP) erkundigt sich unter anderem über Rufs Umgang mit der Kreisumlage. Antwort: „Mit der jetzigen Kreisumlage haben wir einen Grad erreicht, den wir nicht weiter strapazieren sollten.“ Anna-Lena Asprion (Grüne) will wissen, ob er bezüglich der finanziellen Situation etwas anders entschieden hätte, wäre er schon Landrat gewesen. Da verzichtet Ruf darauf, „im Nachgang der Verwaltung negative Zeugnisse auszustellen“. Zum jeweiligen Zeitpunkt hätten die Entscheidungsträger immer zum Wohle des Landkreises entschieden, sagt er. Und Christina Nuss (Frauen) erkundigt sich nach seinem Führungsstil. Der sei sehr partizipativ, sagt Ruf. Der erklärt noch: „Ich bin ein begeisterter Digitalisierungsfreak.“

Michael Ruf bei der Vorstellungsrunde.
Markus UlmerWege zur Reha-Rettung in Horb finden
15.29 Uhr: „Unsere Kreisverwaltung ist gut aufgestellt“, sagt Ruf. Aber: „Die Kassen sind leer, die Liquidität des Landkreises ist erschöpft.“ In bewegten Zeiten sei eine verlässliche Zusammenarbeit mit Fraktionen entscheidend. „Das Ziel ist nicht, dass alle gleich denken, sondern, dass wir zusammen klug entscheiden“, erklärt Ruf. „In der Krise beweist sich der Charakter.“ Er spricht auch darüber, was er an Erfahrung als Bürgermeister von Baiersbronn mitbringt, was er von Bund und Land fordert, um gegen das vom Klinikum verursachte Defizit anzukommen. „Wir müssen nach Wegen finden, wie die Geriatrische Rehaklinik in Horb fortgeführt werden kann“, sagt Ruf. Er wolle ein Landrat sein, der die Kommunen aus Ost und West zusammenführt. „Ich kandidiere nicht, um zu verwalten, ich kandidiere, um zu gestalten.“
Jetzt redet Michael Ruf
15.20 Uhr: Zunächst spricht Michael Ruf: „Sie entscheiden über die Richtung, die Haltung, die Verantwortung für 122.000 Menschen“, sagt er zu den Mitgliedern. „Ich bin zutiefst überzeugt, wir können den Landkreis zu einem Ort machen, an dem Zukunft nicht nur versprochen, sondern gelebt wird.“ Der Landkreis stehe „vor gigantischen Aufgaben – finanziell, strukturell, gesellschaftlich“. Das sei aber „kein Grund zur Resignation“, sagt Ruf. Er wolle keine Verwaltung im Wartemodus, sondern eine mutige, entschlossene Politik.
Sie zählen die Wahl aus
15.15 Uhr: Die Fraktionen haben entschieden: Franz Schweizer (CDU), Annick Grassi (Freie Wähler), Michael Franke (AfD), Gerhard Gaiser (SPD), Anna-Lena Asprion (Grüne), Claas Wolff (FDP) und Martina Sillmann (Frauen) werden gemeinsam mit Sabine Matt vom Landkreis nachher die Wahl auszählen.
Kreistag ist komplett
15.11 Uhr: Nun ist mit Uta Schumacher (Frauen) auch das letzte der 44 Mitglieder eingetroffen. Das heißt: Es werden alle 43 – Ruf ist befangen und nicht wahlberechtigt – abstimmen. Rückert schildert nochmal, dass das Los entscheidet, sollte es im dritten Wahlgang einen Gleichstand geben. „Es sind zwei Loszettel da“, sagt Rückert. „Wir sind vorbereitet.“ Das habe es in Baden-Württemberg schon zwei-, dreimal gegeben. Ob es so weit kommt, wird sich in den nächsten Stunden zeigen.
Erst Vorstellung, dann Fragerunde
15.07 Uhr: Rückert erklärt die Formalitäten: Beide Kandidaten bekommen gleich jeweils 15 Minuten Zeit für die Vorstellung. Danach können die Mitglieder des Kreistags beiden einzeln Fragen stellen. Für diese Fragerunde sind jeweils maximal 20 Minuten festgelegt. Zunächst ist Ruf an der Reihe, danach folgt Junt. Die Reihenfolge richtet sich nach Eingang der Bewerbung. Während der eine spricht, muss der andere Bewerber den Raum verlassen. Ihre Handys müssen sie dabei in den Flugmodus schalten, „damit nicht aus dem Saal Informationen übermittelt werden können“.
Niemand fehlt entschuldigt
15.02 Uhr: Pünktlich eröffnet Landrat Dr. Klaus Michael Rückert die Sitzung mit dem einzigen Tagesordnungspunkt. Er freue sich außerordentlich, dass so viele Bürgerinnen und Bürger dabei sind. „Ich darf feststellen, dass sich kein Mitglied des Kreistags entschuldigt hat“, sagt Rückert. Lediglich Uta Schumacher (Frauenliste) ist bislang noch nicht eingetroffen. Auch die Oberbürgermeister und Bürgermeister aus dem Landkreis, die nicht dem Gremium angehören, sind dabei – beispielsweise Freudenstadts Adrian Sonder.
Volle Zuschauerränge
14.46 Uhr: Demnächst geht es los im Kienbergsaal. Es sind schon so viele Zuschauerinnen und Zuschauer da, die die Wahl heute vor Ort verfolgen möchten, dass zusätzliche Stühle aufgebaut werden müssen.
So läuft die Wahl ab
14 Uhr: Und so läuft die Wahl heute ab: Insgesamt gehören dem Freudenstädter Kreistag 44 Rätinnen und Räte an. Michael Ruf selbst wird nicht abstimmen dürfen. Das ändert aber nichts daran, dass im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit von 23 Stimmen – ausschlaggebend ist die Gesamtzahl der Sitze – notwendig sein wird. Diese Zahl bleibt auch dann unverändert, wenn einzelne Mitglieder fehlen. Auch im zweiten Wahlgang ist die absolute Mehrheit notwendig. Erst in einem dritten Wahlgang würde die einfache Mehrheit reichen. Einen solchen Fall gab es in der vergangenen Woche im Landkreis Tübingen, als sich Hendrik Bednarz (SPD) gegen Daniela Hüttig (parteilos) durchsetzen konnte – obwohl Hüttig im zweiten Wahlgang noch vorne gelegen hatte.
Beide Kandidaten kennen sich gut
13.40 Uhr: Als Andreas Junt im vergangenen November vom Kreistag verabschiedet wurde, um seinen Job bei der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) anzutreten, äußerte sich auch Michael Ruf. Beide kennen sich aus ihrer Zeit bei der Kämmerei in Pfalzgrafenweiler. Ruf sagte: „Es erfüllt einen schon mit Stolz, wenn man sagen kann, man hat den Vizepräsidenten der GPA mit ausgebildet.“ Dass sich die Kandidaten gut kennen und schätzen, betonten beide zuletzt im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. „Sollte ich Landrat werden“, sagte Junt da sogar über Ruf, „würde ich mir auch wünschen, dass er Erster Stellvertreter bleibt“.
Das ist Kandidat Andreas Junt
13.29 Uhr: Kurz vor Bewerbungsschluss informierte dann auch Andreas Junt aus Glatten über sein Vorhaben. Der 43-jährige Diplom-Verwaltungswirt hatte im Jahr 2016 die Leitung der Stabsstelle Kommunalaufsicht und Rechnungsprüfung in der Freudenstädter Landkreisverwaltung übernommen. Seit Dezember ist Junt Vizepräsident der Gemeindeprüfungsanstalt Baden-Württemberg. Nun will der verheiratete Vater dreier Kinder (13, 15, 17) zurück in den Landkreis.
Das ist Kandidat Michael Ruf
13.17 Uhr: Als erster Anwärter hatte Michael Ruf seine Ambitionen öffentlich gemacht. Der 48-Jährige ist seit 2011 Bürgermeister von Baiersbronn und dazu Fraktionsvorsitzender der CDU im Freudenstädter Kreistag. Damit hat er die größte Fraktion (13 Sitze) an seiner Seite und kennt das Gremium aus dem Effeff. Der Diplom-Verwaltungswirt ist verheiratet und Vater zweier Töchter im Alter von 10 und 15 Jahren.
Sitzung beginnt um 15 Uhr
13 Uhr: Heute fällt die Entscheidung: Wer wird neuer Landrat im Kreis Freudenstadt? Amtsinhaber Dr. Klaus Michael Rückert (58/CDU) zieht sich freiwillig zum 30. September nach 15 Jahren zurück. Für seine Nachfolge haben sich Michael Ruf (48/CDU) und Andreas Junt (43/parteilos) beworben. Um 15 Uhr beginnt im Kongresszentrum in Freudenstadt die Sitzung, bei der vom Kreistag der Rückert-Nachfolger gewählt wird. Die SÜDWEST PRESSE ist vor Ort und berichtet an dieser Stelle live.





Die größte Fraktion im Freudenstädter Kreistag hatte einen Kandidaten aufgestellt – und verloren. Obwohl sich Michael Ruf am Montag gut präsentierte.