Landratswahl: Hendrik Bednarz wird neuer Tübinger Landrat

Landrat Joachim Walter gratuliert Hendrik Bednarz zu dessen Wahl. Rechts Bednarz' Ehefrau Eva Bednarz.
Klaus Franke- Hendrik Bednarz wird ab Oktober neuer Landrat des Landkreises Tübingen.
- Er setzte sich im dritten Wahlgang knapp gegen Daniela Hüttig durch (32:31 Stimmen).
- Bednarz folgt Joachim Walter, der aus gesundheitlichen Gründen Ende September zurücktritt.
- Er war Leiter des Verkehrs- und Ordnungsamts in Reutlingen und ist Finanzbürgermeister in Rottenburg.
- Daniela Hüttig ist seit 2020 Erste Landesbeamtin und Stellvertreterin des amtierenden Landrats.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es war ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Im ersten Wahlgang erhielt Hendrik Bednarz 32 Stimmen, Konkurrentin Daniela Hüttig 29. Zwei Kreistagsmitglieder enthielten sich. Im zweiten Wahlgang wären 34 Stimmen notwendig gewesen für den Sieg. Hüttig bekam 32 Stimmen, Bednarz 31. Also war ein dritter Wahlgang notwendig, nun reichte die einfache Mehrheit. Bednarz bekam 32 Stimmen und Hüttig 31. Damit folgt Bednarz von Oktober an Landrat Joachim Walter, der sein Amt aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig zum 30. September niederlegt.
Der Jurist Hendrik Bednarz war vier Jahre lang im Reutlinger Landratsamt Leiter des Verkehrs- und Ordnungsamts. Seit 2016 ist er Finanzbürgermeister und seit September 2024 Erster Bürgermeister der Stadt Rottenburg. Er ist Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion und wohnt in Mössingen.
„Landrat für alle“
In seiner Vorstellungsrede benannte Bednarz die derzeitigen Krisen: Kriege, Konflikte, „durchgeknallte US-Milliardäre“, Finanzmisere. Er habe Sorge, „dass wir uns auseinanderdividieren lassen“. Dem wolle er als Landrat entgegenwirken, denn dem Wohlstand liege der soziale Zusammenhang zugrunde. Er wolle ein Landrat für alle sein und Brücken zwischen den politischen Lagern bauen.
Zur Finanzlage im Landkreis sagte Bednarz, man dürfe die Städte und Gemeinden nicht durch den Mechanismus einer immer größer werdenden Kreisumlage erwürgen, man müsse aber auch darauf aufpassen, dem Landkreis nicht die Handlungsfähigkeit zu nehmen.
Bednarz versprach einen Bürokratieabbau. Die Kreisverwaltung will er „auf Effizienz und Zielorientiertheit bringen“ und alle Verwaltungsabläufe daraufhin überprüfen. Zur Regionalstadtbahn steht Bednarz. Sie sei das wichtigste Klimaschutzprojekt, diene außerdem dazu, Fachkräfte zu halten und rücke die Städte und Gemeinden näher zusammen. Sie sei aber auch das größte Investitionsprojekt, um das sich der Landkreis kümmern muss. Bei den Ausgaben habe die Regionalstadtbahn höchste Priorität, dafür müsse man manches hintanstellen.
Menschen auf der Flucht, so Bednarz weiter, müsse man helfen, ihnen aber auch klare Regeln setzen. Wichtig sei sprachliche Kompetenz, um sie in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Zudem versprach Bednarz, das Jugendamt zu einem leistungsfähigen und professionellen Amt zu machen. Es müsse ein breites Angebot an Supervision geben, und auch Vertretungen müssten da sein.
Mehr Fördermittel holen
Auf die Frage von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (FWV), ob Bednarz bereit sei, den Kommunen einen Teil der Kreisumlage zurückzugeben und stattdessen Kredite aufzunehmen, sagte Bednarz, er sei offen, auch über Kredite zu sprechen. „Um die Haushalte zu verbessern, müssen wir sämtliche Instrumente ziehen.“
Maggie Paal (Die Linke) wollte wissen, was Bednarz für bezahlbaren Wohnraum tun wolle – außer mit der Kreisbau. Bednarz setzt aber auf die Kreisbau. Mit ihr habe der Landkreis ein starkes Instrument an der Hand. Sie sei in die Lage zu versetzen, ihrer Aufgabe, Wohnungen zu bauen, nachkommen zu können. Bei den Fördermitteln sehe er da noch Luft nach oben: „Wir müssen prüfen, woran es liegt, dass so wenig Fördergelder abgerufen werden.“
Die bei der Wahl so knapp unterlegene Daniela Hüttig, geboren und aufgewachsen in Heidenheim, ist seit Herbst 2020 Erste Landesbeamtin des Landkreises und damit Stellvertreterin des Landrats. Hendrik Bednarz wird also ihr Vorgesetzter.
Sie stellte sich vor allem als Chefin der Angestellten im Landratsamt vor und nannte als ihre erste Aufgabe eine unvoreingenommene Sitzungsleitung. „Ich muss mich keiner politischen Richtung verschreiben“, sagte sie. Zur Regionalstadtbahn griff sie Gerüchte auf, die sie als Gegnerin der Regionalstadtbahn dargestellt hätten. Das sei sie aber nicht, „da bin ich bewusst falsch verstanden worden“, sagte sie.
Vereidigung, Amtszeit und Aufgaben
Hendrik Bednarz wird in der Kreistagssitzung am 8. Oktober vereidigt. Seine Amtszeit dauert acht Jahre. Ein Landrat ist der gesetzliche Vertreter des Landkreises, Vorsitzender des Kreistages und seiner Ausschüsse sowie Leiter des Landratsamtes, das kommunale und staatliche Aufgaben wahrnimmt.

Nur in zwei Bundesländern wird der Landrat vom Kreistag gewählt. In Baden-Württemberg nicht. Das ist falsch.