Bundestagswahl: Es reicht nicht für Christoph Naser – Wahlkreis Tübingen-Hechingen ohne Sitz in Berlin

Bundestagskandidat Christoph Naser wird bei der CDU-Wahlparty im Haus der Bürgerwache in Rottenburg als Wahlkreissieger gefeiert. Noch unsicher war zu diesem Zeitpunkt, ob es ihm tatsächlich in den Bundestag reichen würde.
Anne Faden- CDU-Kandidat Christoph Naser gewinnt im Wahlkreis Tübingen-Hechingen 31,7% der Erststimmen.
- Noch unklar, ob Naser ins Parlament einzieht, Entscheidung am Montagmorgen erwartet.
- Wahlrecht sorgt für Unsicherheit, Naser fordert Änderungen.
- CDU feiert bundesweiten Wahlsieg, Grüne im Wahlkreis zweitstärkste Kraft mit 19,2%.
- AfD gewinnt lokal 16,1%, unter Bundesdurchschnitt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Aktualisierung Montag, 7.30 Uhr: Die Bundeswahlleiterin hat in der Nacht offiziell mitgeteilt, dass Christoph Nasers Mandat, das er nach Erststimmen im Wahlkreis-Tübingen Hechingen gewonnen hätte, nicht durch das Zweitstimmenergebnis der CDU in Baden-Württemberg gedeckt ist. Seine 31,7 Prozent reichen nicht aus, um das Ticket nach Berlin zu lösen.
Damit steht fest, was viele befürchtet hatten: Der Wahlkreis Tübingen-Hechingen bleibt ohne Bundestagsmandat. Weder Naser noch seine Mitbewerber Asli Kücük (Grüne), Florian Zarnetta (SPD), Daniel Winkler (AfD) und Ralf Jaster (Linke) sind auf den Landesliste ihrer jeweiligen Partei ausreichend abgesichert. Zuletzt hatte der Wahlkreis noch drei Bundestagsabgeordnete. Annette Widmann-Mauz (CDU) und Martin Rosemann (SPD) waren nicht mehr angetreten, Julian Grünke ist mit der FDP aus dem Bundestag geflogen.
Wahlrechtsreform wirkt sich aus
Hintergrund: Wegen der Wahlrechtsreform, die nun zum ersten Mal greift, ziehen nicht mehr alle siegreichen Wahlkreis-Kandidaten automatisch in den Bundestag ein: Sie bekommen nur noch dann ein Mandat, wenn ihre Partei auf genügend Zweitstimmen kommt. Dafür entfallen die früher üblichen Überhang- und Ausgleichsmandate. Künftig hat der Bundestag nur noch 630 Abgeordnete, statt aktuell 733. In Baden-Württemberg traf das Schicksal außer Christoph Naser noch fünf weitere CDU-Wahlkreissiegerin, unter anderem in Mannheim und Stuttgart.
Am Wahlabend war das alles noch unsicher gewesen. Hier unser Beitrag von Sonntag, 23.45 Uhr: Jubel brandete im Saal der Rottenburger Bürgerwache auf, als am Sonntagabend gegen 21.30 Uhr das Ergebnis für den Wahlkreis 290 Tübingen-Hechingen feststand. Die CDU feierte ihren Wahlkreissieger: Christoph Naser, 33-jähriger Vikar aus Tübingen, hatte 31,7 Prozent der Erststimmen verbucht und damit seine Herausfordererin, Asli Kücük von den Grünen, um glatte sieben Prozentpunkte distanziert.
Ob es reicht fürs Ticket nach Berlin?
Bei allen bisherigen Bundestagswahlen wäre das gleichbedeutend gewesen mit dem Gewinn des Direktmandats. Ob der Wahlkreissieg dem designierten Nachfolger der langjährigen Bundestagsabgeordneten Annette Widmann-Mauz aber tatsächlich das Ticket nach Berlin bringen würde, stand kurz vor Mitternacht immer noch nicht fest. Erst im Laufe der Nacht – mit Vorliegen des vorläufigen amtlichen Endergebnisses – sollte sich das herausstellen.
Naser: „Eine groteske Situation“
Naser selbst wusste am späten Abend auch noch nicht, wie ihm geschehen würde, und kommentierte das gegenüber der HZ so: „Diese Situation zeigt mustergültig, warum wir das Wahlrecht dringend wieder ändern müssen. Es ist doch grotesk, dass wir einen politischen Wettbewerb haben, der klar entschieden wurde und dass die Wählerinnen und Wähler aus diesem Wahlkreis vielleicht trotzdem nicht im Bundestag repräsentiert sind.“ Sollte die CDU in Baden-Württemberg nämlich mehr Wahlkreise gewonnen haben als durch ihr Zweistimmenergebnis gedeckt sind, dann fallen die Sieger mit den vergleichsweise schwächeren Ergebnissen durchs Raster. Und da sind Nasers 31,7 Prozent kein dickes Pfund – wenngleich 4,7 Prozentpunkte mehr, als Annette Widmann-Mauz vor vier Jahren holte. Zum Vergleich: Den Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen hat Thomas Bareiß mit 37,1 Prozent gewonnen, den Wahlkreis Reutlingen Michael Donth (ebenfalls CDU) mit 38,5 Prozent.

Asli Kücük, Direktkandidatin der Grünen, schaut gespannt im Cafe Haag der Wahlprognose zu. Bundestagswahl 2025
Carolin AlbersBei aller Ungewissheit über das Mandat nannte Christoph Naser sein Resultat ein „riesengroßes Geschenk“, über das er „total glücklich“ sei. Die CDU im Wahlkreis habe den Vorsprung auf die zweitplatzierten Grünen deutlich ausgebaut. Für den „großen Vertrauensbeweis“ sei er „sehr dankbar“.
Dass die Stimmung bei der CDU-Wahlparty im Wahlkreis blendend war, lag selbstredend auch am bundesweiten Wahlsieg für die Union. „Wir haben den klaren Regierungsauftrag“, betonte Naser mit Blick auf den designierten Bundeskanzler Friedrich Merz. Gleichzeitig blicke man aber „mit großer Ernsthaftigkeit“ auf die große Fragmentierung in der Parteienlandschaft. Die Ampel-Parteien, so Naser, hätten 18 Prozentpunkte verloren, die AfD hat ihr Resultat verdoppelt. Auch wenn der Wahlkreis Tübingen-Hechingen ein bisschen einen Sonderfall darstellt. Zwischen Fehla und Ammer behaupteten sich die Grünen mit 19,2 Prozent der Zweitstimmen als zweitstärkste Partei. Die AfD blieb mit 16,1 Prozent deutlich unter ihrem deutschlandweiten Ergebnis, wenngleich sie im Hohenzollerischen Spitzenergebnisse von mehr als 30 Prozent erzielte.
Aktuelle Nachschübe auf swp.de
An die Nerven ging im Wahlkreis Tübingen-Hechingen das Procedere, welches das neue Wahlrecht nach sich zieht, am Sonntagabend vielen Menschen. Zuvorderst mussten die Kandidaten selbst Ruhe bewahren und ebenso deren Helferteams. Nicht glücklich mit der ewig langen Wartezeit war man auch in den Zeitungsredaktionen: Für die Papierausgaben am Montag wurde es definitiv nichts mit der Meldung über die Entscheidung, ob Christoph Naser der eine einzige Bundestagsabgeordnete für die Nummer 290 sein wird – oder nicht einmal er. Damit gäbe es erstmals keinen Mann und keine Frau in Berlin für Tübingen-Hechingen.
Das Landratsamt Tübingen hatte am Vortag extra nochmals darauf hingewiesen, dass die Sache dauern könnte. Die Marschrichtung: Voraussichtlich erst am Montagmorgen sei klar, was mit dem Wahlkreis ist. Wegen der sogenannten Zweitstimmendeckung müssen die Erststimmenergebnisse mit der Landesliste abgeglichen werden, und das dauert. Die Bundeswahlleiterin, so hat Tübingen signalisiert, werde voraussichtlich in den frühen Morgenstunden des Montags an dieser Stelle veröffentlichen: https://www.bundeswahlleiterin.de/bundestagswahlen/2025/ergebnisse/bund-99/land-8/wahlkreis-290.html
Wer den langen Link der Bundeswahlleiterin zum Ergebnis von Christoph Naser scheut, der kann sich selbstredend bei den digitalen Angeboten der HZ bedienen. Auf swp.de wird man unmittelbar informiert.
