Annette Widmann-Mauz
: Rückzug der CDU-Frau wird umfassend: Chefin der Frauen Union hört auf

Erst der Verzicht auf eine weitere Kandidatur im Wahlkreis Tübingen-Hechingen, jetzt das Aus bei der Frauen-Union: Die langjährige Bundestagsabgeordnete steigt komplett aus der Politik aus – und mahnt CDU-Chef Friedrich Merz.
Von
Ernst Klett
Hechingen
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Der jüngste Triumph: In Hanau wurde die 57-Jährige mit einem tollen Wahlergebnis als Bundesvorsitzende der Frauen Union bestätigt. Renate Hellwig, eine ihrer Vorgängerinnen, forderte, Annette Widmann-Mauz müsse im Wahlkampf einer Regierungsmannschaft der Union angehören.⇥

16.09.2023, Hessen, Hanau: Annette Widmann-Mauz (CDU), alte und neue Bundesvorsitzende der Frauen Union der CDU, freut sich über ihre Wiederwahl. Der 35. Bundesdelegiertentag der Frauen Union der CDU Deutschlands steht unter dem Motto «Aus Frauenperspektive. Grundsätzlich!». Außerdem feiert der organisatorische Zusammenschluss der weiblichen Mitglieder der CDU sein 75-jähriges Jubiläum. Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Da war noch alles in Ordnung: Im September 2023 wurde die 58-jährige Annette Widmann-Mauz mit einem tollen Wahlergebnis als Bundesvorsitzende der Frauen Union bestätigt. Jetzt hat die langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Tübingen-Hechingen den Verzicht auf eine weitere Kandidatur bei der Frauenorganisation ihrer Partei angekündigt.

dpa/Andreas Arnold
  • Annette Widmann-Mauz, CDU-Politikerin, zieht sich komplett aus der Politik zurück.
  • Sie verzichtet auf eine weitere Kandidatur im Wahlkreis Tübingen-Hechingen und als Chefin der Frauen Union.
  • Widmann-Mauz kritisiert CDU-Chef Friedrich Merz wegen Gleichberechtigung und fordert gleiche Verantwortung für Frauen.
  • Ihr Wahlkreis bleibt vorerst verwaist.
  • Die Frauen Union soll nun von einer aktiven Parlamentarierin geführt werden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bislang konnte man vielleicht davon ausgehen, dass sie der Frauen Union erhalten bliebe. Über ihre Zukunft hat sich die ehemalige Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin sowie Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration im Kabinett Merkel (2018 bis 2021) zunächst schließlich sehr bedeckt gehalten. Doch mittlerweile ist es fraglos: Annette Widmann-Mauz steigt komplett aus. Auch die Frauen Union muss ohne sie klarkommen. Allerdings hat sie für den baldigen Kanzler Friedrich Merz noch ein Abschiedsgeschenk, das den CDU-Vorsitzenden wenig erfreuen dürfte.

Annette Widmann-Mauz ist fraglos eine aus der Merkel-Runde der Christdemokraten. Entsprechend schwer tut sie sich mit dem Merkel-Nachfolger Merz. Und wie Merkel bei der Migrations-Abstimmung mit Stimmen der AfD kritisiert Widmann-Mauz den Kanzler in spe: Friedrich Merz habe seine Wählerinnen und Wähler getäuscht. Allerdings in diesem Fall nicht mit der Schuldenbremse, sondern mit der Gleichberechtigung: Frauen und Männer müssten in allen politischen Bereichen und auf allen Ebenen gleichberechtigt Verantwortung übernehmen, erinnert Widmann-Mauz laut Focus online an einen Merz-Spruch. Wenn man sich die reine Männerrunde aus CDU und CSU nach der Bundestagswahl in Erinnerung ruft, tun sich in der Tat Kontraste auf.

Aktive Parlamentarierin soll folgen

Gleichzeitig betont die scheidende CDU-Frauen-Vorsitzende in einer Erklärung, dass mit ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag, das wohlgemerkt als selbstbestimmt bezeichnet wird, auch die Chance verbunden sei, das Amt bei der Frauen Union wieder mit einer aktiven Parlamentarierin zu besetzen. Und: Es sei jetzt der richtige Zeitpunkt, die Vereinigung in jüngere Hände zu übergeben.

Was erreicht wurde

Widmann-Mauz gehörte dem Bundesvorstand der Frauen Union 30 Jahre lang an. Zehn Jahre war sie Bundesvorsitzende, 20 Jahre Landesvorsitzende. In Ihrer Erklärung sagt sie, dass sie zufrieden auf ihre Amtszeit zurückschaut. Die Frauen Union habe in dieser Zeit viel für Frauen erreichen und absichern können. Sie nennt die Durchsetzung des Prinzips "Nein heißt Nein" im Strafgesetzbuch, die Gesetze über Frauen in Führungspositionen und den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter.

Wahlkreis bleibt verwaist

Ihr Wahlkreis Tübingen-Hechingen, den die Politikerin seit 2002 ununterbrochen als Direktkandidatin gewonnen hat, ist seit der jüngsten Bundestagswahl verwaist. CDU-Mann Christoph Naser, einer aus dem Widmann-Mauz-Kreis, ist eines von sechs CDU-Opfern in Baden-Württemberg, dem wegen des neuen Wahlrechts der Einzug in den Bundestag trotz des Erststimmensieges nicht gereicht hat. Und das, obwohl er im Vergleich zu seiner Vorgängerin ein deutlich besseres Ergebnis eingefahren hatte.